Ziel der vorliegenden Studie war es, die Verbreitung von Chlamydien in den 252 thüringischen Schafbeständen mit mehr als 100 Mutterschafen zu ermitteln. Die Beprobung erfolgte in den Jahren 2009 und 2010 während der Hauptlammzeit im Bestand. Die Planung sah vor, anhand einer mehrstufigen Zufallsauswahl jeweils zwei Bestände pro Landkreis zu beproben. Da nicht in allen Landkreisen und kreisfreien Städten genügend Bestände existierten, wurden zusätzlich sieben geimpfte Bestände in die Studie aufgenommen und separat ausgewertet. Insgesamt wurden 32 von 202 (16 %) ungeimpften und sieben von 50 (14 %) geimpften Beständen aus 16 Landkreisen und fünf kreisfreien Städten mit einer durchschnittlichen Abortrate unter 1 % beprobt. Zum Geburtszeitpunkt und drei Wochen post partum wurden Serumpaare von 29 Tieren pro Bestand gewonnen. Der Versuch des Erregernachweises erfolgte zum Zeitpunkt des Ablammens aus Vaginal- und Kottupfern von elf dieser Tiere sowie aus allen verfügbaren Nachgeburten und abortierten Feten. Insgesamt wurden bei der regulären Beprobung in ungeimpften und geimpften Schafbeständen 2141 Seren von 1136 Tieren, 862 Vaginaltupfer, 430 Kottupfer, 71 Nachgeburten, 4 abortierte Feten und 5 Rachentupfer lebensschwacher Lämmer gewonnen.Die Untersuchungsergebnisse zeigten, dass, trotz niedriger Abortraten, Chlamydien in den großen thüringischen Schafbeständen weit verbreitet waren. Die mit Hilfe des CHEKIT Chlamydia ELISA (IDEXX) ermittelte Seroprävalenz lag in den ungeimpften Beständen mit mehr als 100 Mutterschafen bei 94 % (95 %-Konfidenzintervall 0,80-0,99). Der Anteil serologisch positiver Tiere korrelierte mit der Herdengröße. In 47 % der ungeimpften Bestände wurde, anhand einer Serokonversion einzelner Tieren in den ersten drei Wochen post partum, ein andauerndes Infektionsgeschehen nachgewiesen. Chlamydiaceae-DNA wurden in 78 % (95 %-Konfidenzintervall 0,61-0,90) der ungeimpften Bestände mittels real-time oder konventioneller PCR nachgewiesen. Die Speziesdifferenzierung erfolgte mit Hilfe von drei speziesspezifischen real-time PCRs für Chlamydia (C.) abortus, C. psittaci und C. pecorum. Ergaben diese keine Diagnose, wurde eine partielle Sequenzierung des ompA-Gens durchgeführt. C. abortus, der Erreger des enzootischen Abortes, wurde in 50 % der ungeimpften Bestände detektiert. Weitere nachgewiesene Spezies in den ungeimpften Beständen waren C. pecorum (47 %), C. psittaci (25 %) und C. suis (1 Bestand).Alle sieben geimpften Bestände waren serologisch positiv und in einem Bestand wurden Serokonversionen beobachtet. Chlamydiaceae und C. abortus wurden in 4/7 und C. pecorum in 2/7 der geimpften Bestände nachgewiesen. Bei allen C. abortus-positiven Proben aus geimpften Beständen wurden mittels PCR-RFLP Feldstämme detektiert. In einem geimpften Bestand konnte bei einer zusätzlichen Beprobung, neben C. abortus-Feldstämmen, auch der Impfstamm aus Nachgeburten isoliert werden. In den geimpften Beständen schieden signifikant weniger Tiere Chlamydiaceae und C. psittaci aus als in den ungeimpften, der Anteil C. abortus-positiver Tiere war aber nicht signifikant reduziert. Tiere, die abortiert oder lebensschwache Lämmer geboren hatten, waren signifikant häufiger serologisch positiv und schieden signifikant häufiger Chlamydiaceae, C. abortus, C. pecorum und C. psittaci aus als klinisch unauffällige Tiere. Die Befunde unterstreichen die Notwendigkeit, auch vereinzelt auftretende Aborte als infektiös zu betrachten und hygienische Maßnahmen zu ergreifen. Für die Diagnostik zeigen die Befunde, dass auch bei Schafaborten eine Speziesdifferenzierung von Bedeutung ist.Die Ergebnisse der vorliegenden Studie zeigen, dass die geringe Zahl gemeldeter Fälle von Chlamydiose beim Schaf in der Bundesrepublik Deutschland (TSN, 2010) die Situation in den Schafbeständen nicht widerspiegelt. Ein Grund hierfür ist der hohe Anteil klinisch unauffälliger Schafe, die zur Lammzeit Chlamydien ausschieden. Es bleibt zu erforschen, ob subklinische Chlamydien-Infektionen bei Schafen, ähnlich wie beim Rind (KALTENBOECK et al., 2005), wirtschaftliche Verluste verursachen können. Der Nachweis von C. abortus in 50 % der untersuchten Herden verdeutlicht das Risiko zoonotischer Infektionen bei Personen mit Kontakt zu Schafen.
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