Im peripartalen Zeitraum ist die Kuh mit metabolischen und inflammatorischen Herausforderungen konfrontiert, welche zu oxidativem Stress und Stress des endo-plasmatischen Retikulums (ER-Stress) führen. Polyphenole besitzen antioxidative und anti-inflammatorische Eigenschaften. In der vorliegenden Arbeit wurde die Hypothese überprüft, dass der Einsatz von polyphenolhaltigem Grüntee-Extrakt (GTE) das Ausmaß von oxidativem Stress, Entzündung und ER-Stress in der peripartalen Phase vermindert.Insgesamt wurden 30 Deutsch Holstein Kühe in zwei Gruppen, einer Kontroll- und einer Behandlungsgruppe, mit je 15 Tieren unterteilt. Der Behandlungsgruppe wurde eine Woche vor der Kalbung 10 g GTE und eine Woche nach der Kalbung 20 g GTE zusätzlich zur Totalen-Mischration verabreicht. Leistungsdaten wurden über die ersten 7 Laktationswochen erhoben. Zu den Zeitpunkten 8 Tage, 28 Tage und 50 Tage nach der Kalbung wurden Blut- und Leberproben gezogen.Tiere, die GTE erhielten, hatten einen geringeren Milchfettgehalt, eine geringere Energie-korrigierte Milchleistung und eine weniger stark negative Energiebilanz. Insgesamt hatte der Einsatz von GTE einen geringen Einfluss auf den Fettstoffwechsel in der peripartalen Phase. Sowohl bei den Plasmaparametern zur Beurteilung des antioxidativen Status als auch bei den Expressionen der nuclear factor E2 related factor 2 (Nrf2)-Zielgene in der Leber war kein Unterschied zwischen der Kontroll- und der Behandlungsgruppe vorhanden. Ein Effekt der GTE Supplementation auf die hepatischen Expressionen inflammatorischer Gene und Gene der Akute-Phase-Reaktion (APR) sowie auf die Plasmakonzentrationen von Akute-Phase-Proteinen (APP) war in der Summe nicht vorhanden. Die Expressionen einzelner Gene der unfolded protein response (UPR) in der Leber waren in der ersten Laktationswoche in der Behandlungsgruppe niedriger als in der Kontrollgruppe.Als Schlussfolgerung konnte in der vorliegenden Arbeit die Hypothese, dass die Supplementation mit GTE eine Verminderung von oxidativem Stress und Entzündung im peripartalen Zeitraum bewirkt, nicht bestätigt werden. Anhand der vorliegenden Ergebnisse kann eine Verminderung von ER-Stress in der ersten Laktationswoche unter Supplementation von GTE vermutet werden sowie eine Verbesserung der Energiebilanz auf Grund der Verminderung des Milchfettgehaltes.
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