Die Kopfumfang-Entwicklung von hydrozephalen Kindern, die im Säuglingsalter mit einer permanenten Liquorableitung versorgt wurden "Differential-Druck- Ventil" versus "gravitationsgesteuertes Ventil"
Einleitung:Bei Kindern, die bei Vorliegen eines Hydrozephalus noch vor Verschluss der Schädelnähte mit einem liquorableitenden System versorgt wurden, ist bekannt, dass sich das Kopfwachstum reduziert und eine Mikrozephalie entsteht. Dies wurde für Hydrozephaluskinder mit Differentialdruck-Ventilen bereits nachgewiesen. Als Ursache hierfür wird eine Liquorüberdrainage angenommen. Durch den Einsatz von Gravitationsventilen wurde die Rate an Überdrainagen bei shuntversorgten Patienten signifikant gesenkt. Ob der Einsatz von Gravitationsventilen bei Säuglingen eine mikrozephale Entwicklung verhindern kann, wurde noch nicht untersucht.Methodik:Die Studie umfasst alle Kinder des Klinikums Kassel, die im Säuglingsalter vor Verschluss der Schädelnähte (innerhalb der ersten 6 Lebensmonate) aufgrund eines Hydrozephalus zwischen dem 01.01.1990 bis 31.12.2011 in unserer Abteilung Klinik für Neurochirurgie Klinikum Kassel mit einem Shunt versorgt worden sind. Die Population wurde unterteilt in Kinder, die mit einem Differentialdruck-Ventil versorgt wurden und in Kinder, die ein gravitationsgestütztes Shuntsystem erhielten. Der zeitliche Verlauf der Kopfumfangsmaße dieser Kinder wurde retrospektiv aus den Patientenunterlagen und Untersuchungsakten erfasst und analysiert, ob unterschiedliche Ventiltypen zu Unterschieden in der Kopfumfangsentwicklung führen.Ergebnisse:62 Kinder, von denen 34 mit programmierbaren Differentialdruck-Ventilen und 28 mit einem gravitationsassistierten Ventil (n=28) versorgt waren, wurden ausgewertet. Es ließ sich kein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Ventiltypen im Bezug auf den durchschnittlichen Kopfumfang nachweisen. Eine intraventrikuläre Blutung als Ätiologie des Hydrozephalus wurde als signifikanter (p<0,05) Prädiktor für einen geringeren Kopfumfang im 3. und 6. Lebensmonat festgestellt. Die Häufigkeit von Shunt-Revisionen und das Vorliegen von Hirnsubstanzdefekten haben im Langzeitverlauf keinen signifikanten Einfluss auf die Kopfumfang-Entwicklung der untersuchten Kinder. Der Vergleich der Kopfumfänge von geshunteten Kindern mit denen der Normalbevölkerung zeigte einen signifikant (p<0,05) kleineren Kopfumfang der männlichen Shunt-Patienten.Fazit:Der verwendete Shuntventiltyp zeigte keinen Einfluss auf die Entwicklung des Kopfumfangs in dieser Kohorte. Auch bleiben die Häufigkeit von Shunt-Revisionen und das Ausmaß von Hirnsubstanzdefekten ohne Einfluss auf die Kopfumfangentwicklung der Kinder. Männliche Kinder entwickelten unabhängig vom verwendeten Ventil signifikant häufiger eine Mikrozephalie, während weibliche Kinder keinen Unterschied zum Kopfumfang der Normalbevölkerung aufwiesen. Die Ursache hierfür ist spekulativ.
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