Die Prävalenz von plaqueassoziierten Parodontalerkrankungen wie Gingivitis und Parodontitis ist weltweit sehr hoch, obwohl die Motivation zur Putzhäufigkeit ebenfalls hoch zu sein scheint. Ursache für diesen Befund könnte eine mangelnde Motivation zur Hygienegründlichkeit sein, aber auch ein Mangel an Hygienefertigkeiten. Tatsächlich weisen Studien auf erhebliche Fertigkeitendefizite hin. Eine wichtige Aufgabe in der Prävention von Parodontalerkrankungen ist es demnach, die Mundygienefertigkeiten zu verbessern. Allerdings gibt es keine Evidenzen, die für oder gegen eine spezielle Bürsttechnik für ein Mundhygienetraining sprächen. Ziel der vorliegenden Studie ist es daher, die Auswirkungen einer standardisierten Vermittlung verschiedener Zahnbürsttechniken vergleichend zu untersuchen. Neben zahnmedizinisch-klinischen Parametern finden dabei auch psychologische Parameter Berücksichtigung, die Rückschlüsse auf die Motivation zur Putzgründlichkeit zulassen: Selbstwirksamkeitser-wartungen und Entscheidungsbalance56 Probanden wurden randomisiert und stratifiziert nach Geschlecht, Händigkeit und Mundhygienefertigkeiten drei Gruppen zugeordnet. Die Gruppen erhielten entweder nur ein Training der Grundlagen des Zähneputzens (Kontrollgruppe) oder dieses Grundlagentraining gemeinsam mit dem Training von einer von zwei Bürsttechniken (Bass-Technik vs. Fones-Technik). Die klinischen Parameter (Mundhygienefertigkeiten, Mundhygiene und Mundgesundheit) wurden zur Baseline und zwei, sechs, zwölf und 28 Wochen nach einer Professionellen Zahnreinigung und der Mundhygieneinstruktion erhoben. Die psychologischen Parameter wurden mittels Fragebögen getrennt für Zähnebürsten und Approximalhygiene erhoben und zwar zur Baseline, zwölf und 28 Wochen nach der Intervention. Zum Schluss wurde die Adhärenz zur Verwendung der Techniken mit einem Fragebogen erhoben.Die Gruppen unterscheiden sich hinsichtlich der Mundhygienefertigkeiten, der Mundhygiene und Mundgesundheit, wobei die Fonesgruppe der Bassgruppe überlegen ist. Allerdings zeigen sich die Unterschiede bei der Mundhygiene und der Mundgesundheit erst in den späteren Untersuchungsterminen. Auffällig ist, dass die Fertigkeiten nach zwölf Wochen stagnieren. Bei den psychologischen Parametern zeigen sich nur hinsichtlich des Zahnbürstens Gruppenunterschiede bei den Selbstwirksamkeitserwartungen und bei den wahrgenommenen Nachteilen beim zwölf-Wochentermin. Auch hier weist die Fonesgruppe bessere Werte auf als die Bassgruppe. Die meisten Vorteile nimmt sowohl beim zwölf als auch beim 28-Wochentermin die Kontrollgruppe wahr. Bei der Adhärenz zeigt sich, dass die meisten Nicht Adhärenten in der Bassgruppe anzutreffen waren. Die vorliegende Studie zeigt, dass bei einer standardisierten Vermittlung die Fones-Technik der Bass-Technik in den klinischen Parametern überlegen ist. Auch hinsichtlich der psychologischen Parameter ergeben sich Vorteile für die Fonesgruppe, in der Bassgruppe zeichnet sich eine deutliche Verschlechterung der Putzmotivation nach der Intervention ab. Mit den Daten gelingt erstmals in einem standardisierten randomisierten Vergleich der Nachweis eines Vorteils des Trainings der Fones- gegenüber der Bass-Technik. Dieser Befund ist insofern besonders bemerkenswert, als die Bass-Technik in der klinischen Praxis häufig gelehrt und für überlegen gehalten wird. Die Aufgabe zukünftiger Studien besteht darin, die Ursachen für die relative Unterlegenheit der Bass-Technik weiter zu verfolgen und Methoden zu entwickeln, Hygienefertigkeiten noch über das in dieser Studie erreichte Niveau zu verbessern.
Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen