Prognostische Aussagekraft arterieller gegenüber venöser Blutgasparameter im wiederholten Messrhythmus hinsichtlich des Schweregrades des neonatalen Atemnotsyndroms beim Kalb
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Zusammenfassung
Das neonatale Atemnotsyndrom stellt auch heute noch ein zentrales Problem im Zusammenhang mit Störungen in der ersten Adaptationsperiode beim bovinen Neonaten dar. Neben der rein klinischen Beurteilung der Vitalität unmittelbar post natum mittels APGAR-Benotung, ist durch die Bewertung des aktuellen, nach der Geburt gegebenen Blutgas- und Säure-Basen-Status eine differenziertere Einschätzung des status praesens bei Neonaten gegeben. Zu bedenken dabei ist jedoch, dass der Grossteil der wissenschaftlichen Arbeiten bezüglich der Blutparameter post natum beim Kalb auf der Basis von venösen Blutproben entstanden ist, eine exakte Beurteilung auf der Grundlage arteriell gewonnener Proben aber bislang fehlt. Ziel dieser Studie war es daher, ein Verfahren zu entwickeln, welches über einen längeren Zeitraum die kontinuierliche Entnahme arterieller Blutproben zulässt, um darauf aufbauend einen Vergleich zwischen den arteriellen und venösen Blutgas- und Säure-Basen-Verhältnissen beim bovinen Neonaten ziehen zu können. In einem dieser Studie voran gestellten Versuch wurde als beste Möglichkeit, arterielles Blut dauerhaft zu gewinnen, heraus gearbeitet, dass dies nur über die Punktion des Ramus auricularis intermedius medialis der Arteria auricularis caudalis geschehen kann. Für den zweiten Hauptteil dieser Arbeit standen insgesamt 55 Kälber aus dem Patientengut der Klinik zur Verfügung, wobei bei 54 innerhalb der ersten zwei Lebensstunden jeweils vier arterielle Blutproben entnommen wurden und in der Folge am ersten und zweiten Lebenstag je eine Blutprobe gewonnen werden konnte. Parallel zu diesen Entnahmen erfolgte jeweils die Punktion der Vena jugularis zum Erhalt venöser Vergleichsproben. Von einem Neonaten konnten nur die ersten drei Blutproben gezogen werden. Darüber hinaus wurde bei 41 Kälbern zusätzlich zu diesen Proben noch am dritten Lebenstag je eine arterielle und venöse Probe entnommen. Daraus ergibt sich ein Gesamtprobenkollektiv von 368 arteriellen und 368 venösen Blutproben, die hinsichtlich des pH-Wertes, des pO2, des pCO2, der Sauerstoffsättigung, des Base Excess und des Standardbikarbonates verglichen werden konnten. Zusätzlich wurden alle Kälber unmittelbar post natum mit Hilfe des APGAR-Scores hinsichtlich ihrer Vitalität bewertet, um überprüfen zu können, in wie weit die klinische Beurteilung auf der Grundlage arterieller Blutparameter Bestand hat. Zur Überprüfung einer effektiven medikamentellen Reanimation bekamen 25 Kälbern unmittelbar post natum einmalig 40 mg Doxapramhydrochlorid und 60,0 ml Natrium-Bikarbonatlösung 8,4% appliziert. Weitere fünf Tiere erhielten nach der Geburt für fünf Minuten medizinischen Sauerstoff mittels Atemmaske insuffliert. Aufgrund des direkten Vergleichs der Blutgaswerte und des Säure-Basen-Status aus arteriellen und venösen Blutproben konnte festgestellt werden, dass für eine Vitalitätsbeurteilung post natum mittels venöser Blutparameter der pH-Wert, der Base Excess und auch das Standardbikarbonat zu Verfügung stehen, da hier zwischen den beiden Blutqualitäten statistisch zu sichernde Abhängigkeit bestehen. Die eigentlichen Blutgaswerte (pO2, pCO2, sO2) hingegen können nur dann in eine Bewertung der neonatalen Vitalität mit einfließen, wenn sie in arteriellen Blutproben bestimmt worden sind. Durch eine detaillierte Darstellung der arteriellen Werte einzelner Probanden konnte in dieser Arbeit eine gewisse Diskrepanz der Korrelation zwischen pH-Ausgangslage und klinischer Beurteilung festgestellt werden. Diese Darstellung anhand des genau kontrollierten Probandenkollektives hinsichtlich der unterschiedlichen pH-Ausgangslage stellt vom Grundsatz her nicht die allgemeinen Erkenntnisse in Frage, dass ein boviner Neonat in einer gemischt respiratorisch-azidotischen Gesamtsituation zur Welt kommt. Es ist aber nicht zu bestreiten, dass die individuelle Versorgungslage hinsichtlich der Sauerstoff- und Kohlendioxidspannung sowie der Pufferkapazität im peripartalen Zeitraum entscheidend dazu beiträgt, wie schnell die kritische erste Adaptationsperiode überwunden wird und in eine stabilisierte Lage mündet. Diese Detailauswertung gibt auch einen Hinweis darauf, dass selbst unter physiologischen Geburtsbedingungen mit leicht atemdepressiven Neonaten zu rechnen ist und dieser Zustand nicht allein in Beziehung zur Geburtslänge und Komplikationsrate steht. Hiermit wird auch eine allgemeine klinisch-empirische Erfahrung einer Klärung zugeführt, dass es immer wieder Kälber aus eutokischen Bedingungen gibt, die eine erhebliche Absenkung des initialen pH-Wertes (venös) aufweisen und in diesem Zusammenhang erhebliche Schwierigkeiten in der Regulation des kardio-respiratorischen Systems erkennen lassen. Bei den beiden überprüften Behandlungsregimen konnte jeweils für die Blutgaswerte (pO2, pCO2, sO2) eine Verbesserung festgestellt werden. Eine positive Beeinflussung des Säure-Basen-Status ließ sich dagegen in dieser Studie weder mit einer einmalige Gabe von Doxapramhydrochlorid in Kombination mit Natrium-Bikarbonat noch durch eine Sauerstoffinsufflation sicher belegen.Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen
Beschreibung
Anmerkungen
Erstpublikation in
Wettenberg : VVB Laufersweiler 2005
