Im Fokus der vorliegenden Arbeit stehen (intraindividuelle) Variabilität, die Variabilität innerhalb von Traits, und Extreme Response Style (ERS), die Tendenz, in Fragebogen extrem zu antworten. Zur Beschreibung von Variabilität liegen viele Forschungsarbeiten vor, zur Erfassung und Struktur fehlen jedoch klare Ergebnisse. ERS wurde bislang lediglich operational definiert; eine Beschreibung über extremes Antworten in Fragebogen hinaus findet sich nicht. Beiden Phänomenen gemein ist, dass sie als Moderatoren der Validität von Persönlichkeitsfragebogen diskutiert werden; doch auch diesbezüglich ist die Befundlage uneinheitlich. Mit zwei empirischen Studien wurden entsprechend die Erfassung und Struktur von Variabilität, der Zusammenhang zwischen Variabilität und ERS sowie der Einfluss von Variabilität auf die Testgütekriterien untersucht. In Studie 1 bearbeiteten 405 Studierende das ITB Personality Structure Assessment (ITB-PESA), einen Facetten-Fragebogen, sowie die deutschsprachige revidierte Fassung des HEXACO-Persönlichkeitsinventars, mit der weitgehend unabhängige Dimensionen erfasst werden. In Studie 2 bearbeiteten 367 Bewerber im Rahmen eines Personalauswahlprozesses eine kürzere Version des ITB-PESA, deren Facetten mehrheitlich auf Extraversion laden; zum Vergleich wurde mit Nicht-Auswahl-Daten aus Studie 1 eine identische Fragebogenversion gebildet. Zur statistischen Analyse dienten u.a. Vergleiche von Korrelationen, Strukturgleichungsmodelle und moderierte multiple Regressionen. Hinsichtlich der Erfassung und Struktur von Variabilität bestätigten beide Studien, dass Variabilität eine eindimensionale Eigenschaft ist, die valide mit einem Aggregat von um Skalenausprägung und -extremität korrigierten intraindividuellen Standardabweichungen der Skalen erfasst werden kann. Bezüglich des Zusammenhangs von ERS und Variabilität zeigte sich bereits in Studie 1, dass Variabilität und ERS sehr hoch korrelieren. Die Ergebnisse beider Studien ließen darauf schließen, dass extreme Antworten, die nicht auf hohe Ausprägungen auf den erfassten Merkmalen zurückzuführen sind, von Variabilität abhängen. Von den Testgütekriterien wurde lediglich die Kriteriumsvalidität in Studie 1 eindeutig von Variabilität beeinflusst: je höher die Variabilität, desto niedriger die Kriteriumsvalidität. Nicht oder sehr gering beeinflusst wurden in beiden Studien die Reliabilität und die Konstruktvalidität. In Studie 2 (Auswahl) wurde der Effekt auf die Kriteriumsvalidität nicht repliziert, was möglicherweise auf geringe Passung von Prädiktor und Kriterium zurückzuführen ist. Implikationen der Ergebnisse sind, dass Variabilität eindimensional ist, dass ERS kein Antwortbias ist, sondern Indikator von Variabilität, und dass Variabilität zumindest im Nicht-Auswahl-Setting die Zusammenhänge zwischen Persönlichkeitseigenschaften und Kriterien moderiert.
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