Introitussonographie in der Diagnostik der Streßharninkontinenz : Langzeitergebnisse der Kolposuspension nach Burch und der Kolporrhaphia anterior in der operativen Therapie der weiblichen Streßharninkontinenz
Die Harninkontinenz zählt zu den häufigsten Erkrankungen der Frau, mit der der Gynäkologe immer häufiger konfrontiert wird. Die richtige Diagnose und Therapie ist entscheidend für eine rasche Behebung der Einschränkung der Lebensqualität der Patientin. Die gestörte Beckenbodenmorphologie streßinkontinenter Patientinnen lässt sich mittels Introitussonographie mit geringem technischen Aufwand darstellen. Dabei kann die Position des Blasenhalses ebenso wie die Form und Lage der Urethra in Ruhe und unter Belastung sowohl in Einzelbildern als auch in dynamischen Bildsequenzen bestimmt werden.
1. Fragestellung: In der vorgelegten Arbeit wurden die Langzeitergebnisse von zwei Operationsmethoden bei Streßharninkontinenz mittels Introitussonographie und modifiziertem Gaudenz-Fragebogen mit folgenden Fragestellungen untersucht:
- Korreliert der gemessene SBHA mit dem Grad der Inkontinenz?
- Welche Methode der operativen Therapie der weiblichen Streßharninkontinenz (Burch vs. Kolporrhaphia anterior) zeigt gemessen am Symphysenblasenhalsabstand bzw. dem Befinden der Patientinnen (modifizierter Gaudenz-Fragebogen) die besseren Langzeitergebnisse?
- Wie ändert sich der Symphysenblasenhalsabstand in der Langzeitbeobachtung seit der Operation?
- Wie ist das subjektive Befinden der Patientinnen zur Problematik der Harninkontinenz vor und nach der Operation?
- Wie hoch ist der Anteil einer rezidivierenden Streßharninkontinenz in beiden Kollektiven?
2. Patienten und Methode: Untersucht wurden 83 Patientinnen (mittleres Lebensalter 51 Jahre, SD 8,5 Jahre), die sich im Zeitraum zwischen 1989-1999 einer Kolporrhaphia anterior (N=60) oder einer Kolposuspension nach Burch (N=23) unterzogen hatten.
Die Untersuchung gliederte sich in zwei Teilabschnitte:- Anamneseerhebung im persönlichen Gespräch und mittels modifiziertem Gaudenz-Fragebogen bezüglich der prä- und postoperativen Inkontinenzbeschwerden.- Klinische Untersuchung und Introitussonographie in Ruhe und unter Belastung. Patientinnen, bei denen eine kombinierte Operation durchgeführt wurde oder ein Descensus vorlag, wurden nicht in die Auswertung aufgenommen.
3. Ergebnisse: Eine anhaltende, vollständige Kontinenz konnte bei 21 von 83 Frauen (25,3%) diagnostiziert werden, wobei die Operationsmethode nach Burch tendenziell bessere Ergebnisse erbrachte. Bei 39 von 83 Frauen (47%) bestand eine gelegentliche Streßharninkontinenz, die in seltenen ungünstigen Konstellationen, wie bei Erkältung und voller Blase auftrat. Es war eine deutliche Verbesserung für die Frauen, gemessen an ihrer präoperativen Situation. Die Symptomatik: keine Streßharninkontinenz, gelegentliche Streßharninkontinenz, Rezidivinkontinenz zeigte eine Korrelation mit dem Symphysenblasenhalsabstand unter Belastung:
- Je schwerer die Symptome der Streßharninkontinenz, umso niedriger ist der Symphysenblasenhalsabstand unter Belastung Bei der Kolposuspension nach Burch wurden postoperativ höhere mittlere SBHA-Werte in Ruhe (15,4mm), sowie unter Belastung (7,2mm), als bei der Kolporrhaphia anterior (13,6mm bzw. 3,4mm) gemessen. Die objektive Beurteilung der Langzeitergebnisse zeigt bei 18 von 23 Frauen (78,3%), die sich einer Kolposuspension nach Burch unterzogen hatten eine deutliche Besserung der Streßharninkontinenz. Dagegen gaben nur 17 von 60 Frauen (28,3%), bei denen eine Kolporrhaphia anterior durchgeführt wurde, eine deutliche Besserung der Streßharninkontinenz an.
Auch bei der subjektiven Beurteilung zeigt die gruppenspezifische Auswertung, dass die Kolposuspension nach Burch signifikant (p=0,06) bessere Ergebnisse erzielte. Eine Rezidivinkontinenz wiesen 27,7% der Frauen auf, wobei sich der Anteil in der Gruppe der nach Burch operierten auf 21,7% (5 von 23 Frauen) und in der Gruppe der Kolporrhaphia anterior auf 30% (18 von 60 Frauen) belief.
4. Schlussfolgerung: Die Diagnostik der Streßharninkontinenz der Frau ist sicher und einfach durch die Introitussonographie gegeben, da die Inkontinenzsymptomatik zum Symphysenblasenhalsabstand unter Belastung korreliert. Aufgrund der signifikant besseren postoperativ subjektiven und der tendenziell besseren objektiven Ergebnisse in der operativen Therapie der Streßharninkontinenz der Frau, sollte die Kolposuspension nach Burch bei gegebener Indikation gegenüber der Kolporrhaphia anterior als Inkontinenz-Operation bevorzugt werden. Diese Entscheidung sollte jedoch unter Berücksichtigung der anatomischen Lageveränderungen getroffen werden. Auf der Basis unserer Ergebnisse, sollte im Rahmen weiterer klinischer Studien geklärt werden, inwiefern sich der Symphysenblasenhalsabstand in den Kollektiven der Kolporrhaphia anterior und der Kolposuspension nach Burch prä- versus postoperativ darstellt. Weiterhin wäre zur Beurteilung der Streßharninkontinenz eine zusätzliche Validierung durch urodynamische Messungen sinnvoll.
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