Untersuchungen zu phänologischen und phytomedizinisch relevanten Effekten einer gentechnischen Modifikation des Kohlenhydratmetabolismus in der Kartoffel (Solanum tuberosum L.)
Die gentechnische Veränderung von Kartoffeln hat in der Pflanzenzüchtung eine zunehmende Bedeutung. Neben der knollen-spezifischen Stärkemodifikation spielt auch die Integration von Genen zur Synthese neuer, in der Kartoffel nicht ursprünglicher Substanzen eine Rolle. Hiezu zählt die in dieser Arbeit untersuchte Fructan-Kartoffel. Im Mittelpunkt standen jeweils drei transgene Linien der Kartoffelsorte Désirée mit folgenden zwei Konstrukten: das einfach transformierte Konstrukt 1-SST und das doppelt transformierte Konstrukt 1-SST/FFT. Beide Gene (sst, fft) stammen aus der Artischocke (Cynara scolymus).Für die Abschätzung und Bewertung möglicher Auswirkung auf die Pflanzengesundheit wurden für insgesamt fünf Kartoffelkrankheiten und -schaderreger mehrjährige Labor-, Gewächshaus- und Freilandversuche durchgeführt. Die Auswirkungen auf den Bestandesaufbau, ermittelt über die Phänologie und Morphologie, und somit der Konkurrenzkraft der transgenen Linien gegenüber Unkräutern fand im dreijährigen Freisetzungsversuch statt.Die Anfälligkeit der transgenen Linien gegenüber S. endobioticum, der Krautfäule (P. infestans) und G. rostochiensis blieb unverändert. Bei den SST/FFT-Linien trat durch M. in-cognita eine verringerte Reproduktion des Nematoden und durch L. decemlineata ein verrin-gerter saisonal abhängiger Freilandbefall auf, deren Ursachen nicht eindeutig zugeordnet werden konnten. Das reduzierte Myzelwachstum der Knollenfäule (P. infestans) bei den SST/FFT-Linien ging auf die Knollenfructangehalte zurück. Die SST/FFT-Linien wiesen eine verzögerte Bestandesentwicklung, verkürzte Haupttrieblänge und reduzierte Blüten- und Wurzelbildung auf, die insgesamt zu einem fehlenden Bestandesschluss führten.Alle Veränderungen der SST/FFT-Linien führen zu keiner Neueinstufung der Kartoffelsorte Désirée nach den Kriterien des Bundessortenamtes. Aus dem Blickwinkel der Pflanzengesundheit ergeben sich daher durch den Anbau der Fructan-Kartoffel keine umwelt- und agrar-relevanten Bedenken, die über jene beim Anbau konventioneller Kartoffelsorten hinausgehen würden.
Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen