Im Rahmen einer randomisierten kontrollierten Interventionsstudie wurde die Wirksamkeit von Beratungsangeboten zur Säuglingsernährung wissenschaftlich evaluiert. Mütter von gesunden reifgeborenen Säuglingen wurden bundesweit rekrutiert und anhand derlebensmittelbezogenen Empfehlungen des "Ernährungsplans für das 1. Lebensjahr" beraten. Entsprechend dem Konzept von Food Based Dietary Guidelines wurde davon ausgegangen, dass eine Verbesserung der Lebensmittelauswahl und Mahlzeitenzusammensetzung zu einer Verbesserung der Nährstoffzufuhr führte. Die Mütter wurden in 3 Interventionsgruppen (I1, I2, I3) und 1 Kontrollgruppe (I0) randomisiert. Den Müttern wurden drei verschiedene Beratungsinstrumente in verschiedener Intensität und Bündelung angeboten. Die Mütter der Interventionsgruppe I0 wurden im Rahmen einer Telefonischen Sprechstunde beraten. Die Mütter der Interventionsgruppe I2 bekamen zusätzliche Schriftliche Informationen zur Säuglingsernährung. Den Müttern der Interventionsgruppe I0 wurde neben der Telefonischen Sprechstunde und den Schriftlichen Informationen eine innovative Maßnahme, die "Aufsuchenden" Telefonische Beratung angeboten. Hierzu erfolgte nach vorhergehender schriftlicher Ankündigung eine wiederholte telefonische Kontaktaufnahme der Beraterin zu der Mutter. Wenn die Mutter an Beratung interessiert war, wurde sie zur empfehlungsgerechten Ernährung des Säuglings zum jeweiligen Alterszeitpunkt beraten. Die Zeitpunkte für die Beratung orientierten sich nach der Einführung neuer Kostformen, wie sie im "Ernährungsplan" vorgesehen waren. Die Beratungseffekte wurden durch standardisierte telefonische Befragungen zur Ernährung der Säuglinge im Alter von 2, 4, 6, 9, 12 Monaten erfasst. Insgesamt wurden 48 lebensmittelbezogene Empfehlungen festgelegt, deren Einhaltung mit dem Scorepunkt 1, die Nichteinhaltung mit dem Scorepunkt 0 bewertet wurde. Je nach Alterszeitpunkt der Befragung und Komplexität der Ernährung waren dies 5 (8, 8, 15, 12) lebensmittelbezogene Empfehlungen für die Alterszeitpunkte Ende 2. (4., 6., 9., 12.) Monat. Lebensmittelbezogene Empfehlungen wurden dann zu vier Mahlzeitenscores und einem Tageskostscore für jeden der fünf Alterszeitpunkte aufsummiert. Die fünf Tageskostscores der verschiedenen Alterszeitpunkte wurden dann zu einem Gesamternährungsscore für das 1. Lebensjahr aufsummiert. Insgesamt war die Ernährung der Säuglinge auch schon ohne Beratung als befriedigend zu bewerten. Sie konnte durch die Beratung sowohl ernährungsphysiologisch als auch primärpräventiv weiter verbessert werden.Für lebensmittelbezogene Empfehlungen der Ernährung zeigten sich nur vereinzelt signifikante Zusammenhänge zwischen der Beratungsintensität und der Einhaltung der Empfehlungen. Tendenzen deuteten auf ein empfehlungsgerechteres Ernährungsverhalten mit steigender Beratungsintensität hin. Die Gesamternährung im 1. Lebensjahr war bei der intensivst beratenen Gruppe (I3) signifikant besser als bei der nicht beratenen Interventionsgruppe I0 (p≤0,0037) und der schwach beratenen Interventionsgruppe I1 (p≤0,0299).Maßgeschneiderte Beratung zur Säuglingsernährung hat demnach Chancen auf messbaren Erfolg. Je intensiver die Beratung, desto empfehlungsgerechter wurde die Ernährung. Die Aufsuchende Telefonische Beratung zu den Zeitpunkten der kinderärztlichen Vorsorgeuntersuchung weist auf die primärpräventiven Möglichkeiten im Rahmen der bestehenden Strukturen der Gesundheitsvorsorge hin. Im Gegensatz dazu hatte der Einsatz Schriftlicher Informationen keine nachweisbaren Effekte. Diese erstmals nachgewiesenen Effekte müssen bei größeren Gruppen und breiterer sozialer Schichtung repliziert werden.
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