Anhand einer Zusammenstellung ausgewählter Literatur wird ein Überblick über Entwicklung und Methode der Genomanalyse gegeben. Hierbei kann Information über die Struktur und Plastizität des Genoms ebenso wie seine Entwicklung als ein Ausgangspunkt gewertet werden und molekulare Marker als Hilfsmittel und Wegmarkierungen, um in der Komplexität des Genoms eine Orientierung zu gewährleisten. Literatur über positionale Klonierung gibt einen Überblick über die methodische Verfahrensweise der Genomanalyse bis auf molekulare Ebene. Der Abschnitt QTL-Analyse stellt dar, wie Auswertung und Erkenntnisse der Genomanalyse in einen ökonomischen Zusammenhang gebracht werden, ohne den eine sinnvolle Zuchtauslese bei landwirtschaftlichen Nutztieren nicht möglich erscheint. Abschließend beleuchtet eine Auswertung von Veröffentlichungen über markergestützte Selektion und markergestützte Introgression Möglichkeiten der Anwendung von Ergebnissen aus der Genomanalyse in der Nutztierzucht.Gegenstand der Untersuchung sind das Holstein- Fleckvieh- und Dt. Angus Rinder-Familienmaterial der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Rinderzüchter (ADR), Bonn, und des Instituts für Tierzucht&Haustiergenetik, JLU Giessen, sowie 3442 DNA-Proben von 42 internationalen Rinderrassen. Die Ergebnisse beinhalten die Genotypisierung und genetische Charakterisierung von 37 Bos taurus und 4 Bos indicus Rinderrassen, sowie einer Bos indicus/taurus Hybridrasse, anhand des K232A Polymorphismus im DGAT1-Gen. Diese Untersuchungen erfolgten unter besonderer Berücksichtigung von Rassen aus dem Domestikationsgebiet von Bos taurus, sowie DNA unterschiedlicher Vererberlinien der DNA-Genreserve "Altes Deutsches Schwarzbuntes Niederungsrind", im Hinblick auf Domestikation und Rassendifferenzierung beim Milch- und Fleischrind. Darüber hinaus beinhalten die Ergebnisse:- Zur Komplettsequenzierung weiterbearbeitbare und durch Ansequenzierung und in silico Kartierung definierte BAC-Klone der proximalen Region von BTA14 aus zwei unterschiedlichen BAC-Banken.- Physische Kartierung des Gens CYP11B1 und eines CYHR1-Paralogons auf BTA14 durch Fluoreszenz in situ Hybridisierung. - Genetische Kartierung der Gene DGAT1, CYP11B1 und GML, sowie der Mikrosatelliten ILSTS039 und CSSM066 im ADR-Familienmaterial. - Etablierung eines Verfahrens der Differenzierung zwischen dem kodierenden Gen CYP11B1 und zwei CYP11B1-Pseudogenen (CYP11B1P1, CYP11B1P2). - Genotypisierungen des ADR-Familienmaterials (Dt. Holstein&Dt. Fleckvieh) mit den Polymorphismen A30V im CYP11B1-Gen (2Allele) und K232A im DGAT1-Gen (2 Allele), sowie der Auswertung der Daten durch lineare Regression. - Genotypisierungen des ADR-Familienmaterials (Dt. Holstein&Dt. Fleckvieh) mit SNP GML+405 und GML+573, unter Einbeziehung vorhandener Genotypisierungen mit dem SSCP-Marker KIEL_E8 und den Mikrosatellitenmarkern ILSTS039 (2 Allele), CSSM066 (3 Allele) und der Auswertung aller Genotypisierungsdaten mit Hilfe eines "stepwise" Regressionsverfahrens. - Lokalisierung und Charakterisierung weiterer Kandidatengene (PTK2, CYC1).Im ersten Teil der Diskussion wird im Wesentlichen der bereits publizierte Teil der Ergebnisse behandelt. Hierbei wird auf der Grundlage der Untersuchungsergebnisse des K232A Polymorphismus im DGAT1-Gen in einer Vielzahl internationaler Rinderrassen in einem entwicklungsgeschichtlichen Zusammenhang die Entstehung und Verbreitung in der Spezies Bos im Allgemeinen und in der Holstein Rinderrasse im Speziellen diskutiert. Der zuchttechnische Wert dieses Polymorphismus wird beleuchtet die Ergebnisse der Genotypisierung des A30V Polymorphismus im CYP11B1-Gen mit seinen Auswertungen im Hinblick auf Milchproduktions-, Fruchtbarkeits-, Exterieur- und Nachhaltigkeitsparameter erörtert. Im Anschluss werden weitere Typisierungs- und Feinkartierungsergebnisse diskutiert. Während den Untersuchungen der genetischen Variation im centromerischen Bereich von BTA14 in Form einer Beteiligung des A30V Polymorphismus im CYP11B1-Gens an der gesamten QTL Wirkung noch eine alleinige lineare Abhängigkeit unterstellt war, so wurde im weiteren Verlauf der Untersuchungen klar, dass die, neben der durch den K232A Polymorphismus im DGAT1-Gen erklärbare, noch feststellbare Restvarianz einer komplexeren Dynamik unterworfen zu sein scheint. Im vertiefenden Teil der Diskussion wird die Vorgehensweise einer "stepwise Regression" unter Verwendung aller zur Verfügung stehenden Genotypisierungsinformation diskutiert. Hierbei wird darauf eingegangen, dass einige der Marker ihre komplette Informativität verlieren, sobald andere Marker in das Regressionsmodell aufgenommen und berücksichtigt werden. Da die diskutierten Ergebnisse der Arbeit die Restvarianz in der QTL-Region nicht komplett erklären können, wird abschließend die Möglichkeit der Existenz weiterer Kandidatengene im Bereich, durch Literaturrecherche gestützt, aufgezeigt.
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