Die Effekte von Aprotinin : Eine retrospektive Analyse in der Koronarchirurgie

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Die vorliegende Studie ist eine retrospektive Datenanalyse von 866 Patienten die sich im Zeitraum von Januar 2003 bis Dezember 2004 im Universitätsklinikum Gießen einer Herzbypassoperation unterzogen. Zur Minimierung des perioperativen Blutverlusts wurde bei 526 Patienten Aprotinin (Trasylol) verabreicht, in der Kontrollgruppe ohne Medikamentenapplikation waren 340 Patienten dokumentiert. Die Indikation zur Verabreichung des Medikaments wurde durch den operierenden Chirurgen gestellt. Verglichen wurden die Gruppen hinsichtlich einer postoperativen Niereninsuffizienz, Auftreten von Myokardinfarkten und Apoplex, der Gesamtmortalität, dem postoperativen Blutverlust, sowie dem Transfusionsbedarf. Bei 2,5% der Patienten (n=13) in der Aprotiningruppe ist es zu einem Kreatininwertanstieg um mehr als das Doppelte gekommen, im Vergleich zu 4,2% der Patienten (n=14) in der Kontrollgruppe. Es ergab sich bei einem p=0,23 keine statistische Signifikanz, jedoch ein geringer Vorteil in der Medikamentengruppe. Bei den präoperativ Niereninsuffizienten ergab sich in der Medikamentgruppe ein statistisch signifikanter Vorteil (p= 0,04) hinsichtlich einer postoperativen Dekompensation im Sinne eines Kreatininwertanstieges auf mehr als das Doppelte. In der Medikamentengruppe ergab sich kein Nachteil einen perioperativen Myokardinfarkt zu erleiden (1,5% vs.1,8%; p= 0,79). Aprotinin hatte keinen Einfluss auf die Todesursache Myokardinfarkt (1,3% vs. 1,5%, p=0.17), genauso wenig wurde das Auftreten eines Apoplexes begünstigt (1,1% vs. 1,5%; p=0,93).Aprotinin führte zu einer Reduktion der Mortalität (2,1% vs. 4,1%, p=0,09) ohne statistische Signifikanz. Aprotinin reduzierte den postoperativen Blutverlust (775ml vs.1220ml, p<0.001) und den Bedarf an Bluttransfusionen (36,5% vs. 59,4%, p<0.001).In unserem Krankengut ging die Gabe von Aprotinin somit nicht mit einer erhöhten Mortalität, Myokardinfarktrate oder Inzidenz eines Apoplexes einher. Vorteile in der Medikamentengruppe zeigten sich durch einen geringeren Blutverlust, weniger Bluttransfusionen und eine bessere postoperative Nierenfunktion bei Niereninsuffizienten. Die Auswahl des Studientyps und die interindividuellen Variabilitäten des Patientenguts spielen eine gewichtige Rolle hinsichtlich der Effekte von Aprotinin. Entscheidend ist die Gleichheit der Kriterien für bestimmte Ereignisse und somit die Vergleichbarkeit der Studien untereinander.Die Wiederzulassung des Medikaments für den Einsatz in der Herzchirurgie kann nur durch Studien gelingen, die solche Überlegungen mit einbeziehen.

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