Bereits im Jahr 2005 wurde an der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) in Freising mit der Kreuzung von diploidem Deutschem Weidelgras (Lolium perenne, 2n=2x=14) mit diploidem Wiesenschwingel (Festuca pratensis, 2n=2x=14) begonnen. Ziel war der Transfer positiver Merkmale bzw. Nutzeigenschaften, wie zügige Jugendentwicklung und Vielschnittverträglichkeit, aus Deutschem Weidelgras in Wiesenschwingel. Während der Projektlaufzeit wurde die Anzahl von Kreuzungsnachkommenschaften (F1-Pflanzen sowie Rückkreuzungsgenerationen BC1 und BC2) drastisch erhöht. Rückkreuzungsversuche im Gewächshaus, ergänzt sowohl durch Embryonenkultur, als auch im Freiland waren erfolgreich. Mit Hilfe molekulargenetischer Untersuchungsmethoden (AFLP, SSR) und des Merkmals jüngstes Blatt gerollt bzw. gefaltet konnten erfolgreiche Kreuzungen identifiziert und verifiziert werden. Die Kreuzungsnachkommen wurden mit Hilfe von Gewächshaus- und Freilandversuchen eingehend charakterisiert und evaluiert. Hier zeigte sich eine hohe phänotypische Variabilität der Merkmale Ährentyp, Zeitpunkt des Ährenschiebens, Massenbildung und Winterhärte innerhalb der Nachkommenschaften. In den Gewächshausversuchen konnten frosttolerante, Schneeschimmel- (Microdochium nivale) und Xanthomonas-resistente Pflanzen identifiziert werden. Ein Großteil der Projektarbeit befasste sich mit der Entwicklung von Methoden zur Bewertung der Jugendentwicklung und des Wurzelwachstums. Eine schnelle Jugendentwicklung ist essentiell für die Nachsaattauglichkeit von Wiesenschwingel, und eine Verbesserung dieses Merkmals ist dringend notwendig. Durch eine intensive und tiefe Durchwurzelung können die Wiesenschwingelpflanzen Trockenphasen besser überdauern, ein wichtiger Aspekt im Hinblick nicht zuletzt auch auf die Auswirkungen des allgemeinen Klimawandels. Mithilfe dieser Experimente konnte eine hervorragende Materialgrundlage für weitere Selektions- und Züchtungsschritte zwecks Verbesserung des bayerischen Wiesenschwingel-Genpools geschaffen werden.
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