Effizienz einer Routine-Untersuchung des Augenhintergrundes von Patienten mit definierten internistischen Erkrankungen mittels einer Ultraweitwinkelkamera (Optos) im Vergleich zur konventionellen Spaltlampenbiomikroskopie in Mydriasis
In dieser Studie wurden Patienten aus dem Universitätsklinikum Gießen mit unterschiedlichen internistischen Grunderkrankungen ausgewählt, um herauszufinden, ob digitale Fundusfotografie durch trainiertes medizinisches Hilfspersonal als Screeningmethode geeignet ist, die konventionelle konsiliarische Augenhintergrunduntersuchung durch den Augenarzt zu ersetzen. Daneben sollte die Prävalenz bis dato nicht diagnostizierter okulärer Beteiligung an internistischen Patienten eines Universitätsklinikums untersucht werden. In einer doppelt verblindeten prospektiven Untersuchung wurden insgesamt 502 Patienten einerseits von Augenärzten durch eine konventionelle Spaltlampenbiomikroskopie in Mydriasis untersucht und andererseits digitale Fundusaufnahmen in Miosis dieser Patienten mittels der Optos Ultraweitwinkel Kamera angefertigt, die von zwei weiteren Augenärzten unabhängig voneinander befundet wurden. Zur weiteren Validierung der Ergebnisse wurden die Bilder dann zusätzlich in zwei Reading-Zentren (Moorfields Eye Hospital London und Universitätsaugenklinik Bonn) nach dem gleichen Grading Schema ausgewertet. Die Ergebnisse zeigten deutliche Diskrepanzen zwischen den Ergebnissen der Auswertungen der Optos-Bilddaten untereinander und im Vergleich zu der konventionellen Spaltlampenbiomikroskopie in Mydriasis mit schwacher bis leichter Übereinstimmung in der Befundung. Ausgewertet wurden: Detektion von Linsenpathologien, Gefäßpathologien, Pathologien der Papille und Makula, sowie Tumorerkennung. Die Untersucher der konventionellen Spaltlampenbiomikroskopie in Mydriasis stimmten bei der Identifizierung dieser Pathologien zwar insgesamt häufiger überein, jedoch zeigten sich auch zwischen diesen klinisch erfahrenen Untersuchern nur leichte bis gute Übereinstimmungen. Weitere Auswertungen der Optos Bildaufnahmen durch die Reading Center London und Bonn zeigten weiterhin deutliche Diskrepanzen zwischen allen Untersuchern. Durch eine erneute retrospektive Subanalyse des Befundes Netzhautblutungen zeigte sich, dass nur sehr wenige schwerwiegende Befunde vorlagen, bei denen dann aber die Übereinstimmung aller Untersucher sehr hoch war. Für einfache Veränderungen ist das Grading Protokoll ohne Möglichkeit der Wertung des Schweregrades der Veränderungen problematisch, da es dann wie auch in anderen Studien zu einer nur geringen Übereinstimmung zwischen den Befundern kommt. Die Entwicklung von Algorithmen zur automatisierten Bildauswertung und Diagnosestellung im Sinn von Künstlicher Intelligenz eröffnet für die Zukunft neue Perspektiven, auch für die Verwendung der digitalen Weitwinkelfotographie des Augenhintergrundes für groß angelegte Screening-Untersuchungen mit einem relativ kleinen Anteil an schwerwiegenden Veränderungen und einem hohen Anteil an sehr diskreten Befunden als Hinweis auf eine beginnende ernsthafte Erkrankung.
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