Zur Wirksamkeit, Wirkmechanismen und Anwendung von Psychotherapie
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Zusammenfassung
Die vorliegende kumulative Habilitation befasst sich mit Wirksamkeit und Wirkmechanismen sowie anwendungspraktischen Fragen von Psychotherapie.Ausgehend von der Grundannahme, dass psychische Störungen häufig mit Einschränkungen in der Wahrnehmung und Regulation von Emotionen einhergehen, wurde in einem ersten Forschungsschwerpunkt das Alexithymie- Konstrukt als klinischer Ausdruck eingeschränkter emotionaler Fähigkeiten untersucht. Es konnte gezeigt werden, dass sich alexithyme Wesensmerkmale negativ auf den Behandlungserfolg auswirken und sie Wirksamkeit psychotherapeutischer Behandlung limitiert. Es wurde in diesem Zusammenhang festgestellt, dass die Alexithymie als Persönlichkeitsmerkmal relativ stabil ist. Die Untersuchungen zu den neuronalen Korrelaten der Alexithymie bestätigten verminderte cerebrale Aktivitäten in den Regionen, die mit emotionaler Verarbeitung assoziiert sind.Als Beitrag zur Bestimmung der Wirkmechanismen von Psychotherapie wurde die Behandlungsmethode EMDR bei der Posttraumatischen untersucht. Es konnte eine Abnahme des vegetativen Arousals durch die Distraktion während der Konfrontation mit traumatischen Erinnerungen verzeichnet werden, ebenso nehmen durch die bilaterale Stimulation frontale Aktivitäten zu, was als Grundlage einer phänomenologisch verbesserten emotionalen Steuerungsfähigkeit verstanden werden kann. Die Befunde sprechen gegen das Postulat einer modalitätsspezifischen Stimulation und konnten in den Effekten keinen Unterschied zwischen taktiler und visueller Stimulation ausmachen. Die durchgeführten Studien belegen anhand der EMDR-Therapie für die Posttraumatische Belastungsstörung exemplarisch, dass ein psychotherapeutischer Wirkmechanismus in der Verbesserung der emotionalen Regulationsfähigkeit begründet ist.In den anwendungspraktischen Beiträgen wurde ein Konzept zur Detektion besonders schutzbedürftiger Geflüchteter Menschen im Rahmen von Implementierungsstudien untersucht. Dabei konnte gezeigt werden, dass sich ein zweistufiges Verfahren mit einem Screeningfragebogen und einer anschließenden weiterführende Diagnostik als ökonomisch und valide erwiesen hat. Konkret wurde die Anwendbarkeit des Refugee-Health-Screeners (RHS-15) diskutiert und eine Empfehlung für dessen Einsatz ausgesprochen. Als weiteren Beitrag zur Anwendungspraxis wurde ein stationäres Behandlungskonzept zur Versorgung Geflüchteter konzeptionalisiert und entsprechende Leitlinien vorgeschlagen.Im Zusammenhang mit der Nutzung und dem Missbrauch Neuen Medien wurden die psychischen Folgen des Phänomens Cyberstalking aus psychotherapeutischer Perspektive diskutiert. Als Reflexionsergebnis wurde eine traumatherapeutische Vorgehensweise abgeleitet und als Behandlungsvorschlag publiziert.