Untersuchungen zu Beziehungen zwischen dem Betriebsmanagement und den Kälberverlusten in großen Milchviehherden

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Ziel dieser Studie war es, zu prüfen, inwieweit mögliche Einflussfaktoren aus dem Betriebsmanagement in größeren Milchviehbetrieben unter heutigen Rahmenbedingungen mit den Kälberverlusten im Zusammenhang stehen. Dazu wurden in der ersten Fragestellung betriebliche Managementfaktoren aus dem Bereich Kälberaufzucht gesucht, die einen möglichen Zusammenhang mit den Kälberverlusten innerhalb der ersten 6 Lebensmonate erkennen ließen. In der zweiten Fragenstellung wurden betriebliche Einflussfaktoren auf die perinatalen Kälberverluste mit Fokus auf die Transitphase der Milchkühe gesucht. Zu diesem Zweck wurden insgesamt 223 thüringischen Milchviehbetrieben mit mehr als 100 Milchkühen die Möglichkeit angeboten, freiwillig an einem umfangreichen Gesundheitsmonitoring durch den Tiergesundheitsdienstes der Thüringer Tierseuchenkasse Jena teilzunehmen. In den 99 Betrieben, die sich bereit erklärten, an diesem Programm mitzuwirken, erfolgten im Zeitraum März 2017 bis März 2018 Betriebsbesuche, bei denen mit Hilfe eines ausführlichen Erhebungsbogens die zuständigen Betriebsleiter bzw. Herdenmanager hinsichtlich des allgemeinen Betriebs-, Haltungs-, Hygiene- und Versorgungsmanagements sowie insbesondere über den Gesundheitsstatus der Kälber, Prophylaxemaßnahmen, dem Abkalbemanagement und der Versorgung der Trockensteher befragt wurden. Die betrieblichen Kälbersterblichkeitsraten wurden mit Hilfe von Daten des Herkunftssicherungs- und Informationssystems für Tiere (HI-Tier) ermittelt. Die Angaben zu den Totgeburten wurden von den Betrieben im Rahmen der Milchleistungsprüfungen bereitgestellt. Zur Identifizierung von univariablen Beziehungen der untersuchten Variablen auf die Kälberverlustrate wurde eine einfaktorielle Varianzanalyse durchgeführt und Variablen mit einem p-Wert < 0,1 in die multivariable Analyse mittels eines linearen gemischten Modells einbezogen. Für die Analyse der Totgeburtenrate wurden 22 Variablen auf der Basis fachlicher Gesichtspunkte für die Analyse ausgewählt. Die Kälberverlustrate lag bei den untersuchten Betrieben zwischen 0,0 % und 37,2 %, mit einem Mittelwert von 7,3 % (Median 5,9 %). Sie war höher in den Betrieben, die angaben, dass eine erhöhte Staubbelastung ursächlich für die Lungenerkrankungen der Kälber ist, verglichen mit Betrieben, die andere Ursachen für die Lungenerkrankungen vermuteten (p = 0,009). Betriebe mit einer höher geschätzten Kälberdurchfallinzidenz zeigten im Vergleich zu Betrieben mit niedrigeren Schätzwerten eine höhere Kälberverlustrate (p = 0,002). Sie war niedriger in Betrieben, bei denen muttertreues Kolostrum vertränkt wurde, im Vergleich zu Betrieben mit nicht muttertreuer Kolostrumzuteilung (p = 0,008). Betriebe welche den Nuckel der Eimertränke erst nach deutlichem Verschleiß auszuwechseln, hatten im Vergleich zu Betrieben, die diesen Austausch frühzeitiger vornahmen, eine höhere Kälberverluste (p = 0,005). Die Totgeburtenrate schwankte von 0,0 % bis 15,0 % und lag im Mittel bei 7,0 %. Betriebe, bei denen die Körperkondition der Trockensteher insgesamt als „mager“ oder „fett“ eingeschätzt wurde, wiesen im Vergleich zu Betrieben mit einer normalen Körperkondition der Trockensteher höhere Totgeburtenraten auf. In Betrieben, die angaben, bei > 20 % der Geburten eine Geburtshilfe leisten zu müssen, konnte im Vergleich zu Betrieben mit weniger Geburtshilfemaßnahmen eine höhere TGR festgestellt werden (p = 0,037). Betriebe mit einer speziellen Geburtsüberwachung bei Färsen hatten im Vergleich zu Betrieben ohne diese Überwachung eine höhere Totgeburtenrate (p = 0,012). Aus den Ergebnissen ist zu schlussfolgern, dass die Kälbergesundheit nach wie vor ein Problemfeld in der landwirtschaftlichen Milchviehproduktion darstellt. Insbesondere die hohe betriebliche Varianz der Kälberverlustrate und der Totgeburtenrate bestätigt die Vermutung, dass Unterschiede im Betriebsmanagement einen möglichen Einfluss durch Risikofaktoren auf die Kälbersterblichkeit bedingen. Aus dem Hygiene-, Tränk-, Trockensteher- und Geburtsmanagement konnten Einflussfaktoren identifiziert werden, welche bei tierärztlichen Beratungen von landwirtschaftlichen Betrieben berücksichtigt werden sollten. Staub als Indikator für das Stallklima kann bezüglich der Beurteilung des Risikos für Lungenerkrankungen beim Kalb hilfreich sein. Insbesondere kann die muttertreue Zuteilung des Kolostrums an die Kälber die Kälberverluste signifikant reduzieren. Da dies in vielen Betrieben noch keine gängige Praxis ist, sollte daher das Kolostrummanagement besonders in Betrieben mit erhöhten Kälberverlusten überprüft und umgestellt werden. Die objektive Beurteilung der Körperkondition der Vorbereiter sollte zum Betriebsstandard werden, damit die Mehrheit der Trockensteher mit einem BCS, der nicht zu stark von der normalen Körperkondition abweicht, in die Geburtsphase eintreten können, um das Risiko für Dystokien zu reduzieren. Für eine adäquate Geburtsüberwachung und Geburtshilfe sollte gut ausgebildetes Personal zur Verfügung stehen.

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