Polymorphkernige neutrophile Granulozyten (PMN) spielen im menschlichen Immunsystem eine zentrale Rolle. Sie sind in der Lage, opsonisierte pathogene Keime im Rahmen der Phagozytose in das Zellinnere aufzunehmen und durch die Produktion zytotoxischer Sauerstoffmetabolite während des 'oxidative burst' zu zerstören. Dabei sind PMN anderen Zellen wegen ihrer Funktionalität und ihrer hohen Zellumsatzrate überlegen. Eine besondere Bedeutung für Funktion und Integrität von PMN besitzt nach neueren Untersuchungen der intragranulozytäre Aminosäurestoffwechsel. Dieser kann, nach bisher vorliegenden Erkenntnissen, unter anderem durch Medikamente gestört werden, was eine schwere Funktionseinschränkung der Zelle zur Folge haben kann.
Ziel der vorliegenden Studie war es, den Einfluss von Opioidalkaloiden und Opioidpeptiden auf die freien intrazellulären Aminosäuren und die Immunfunktion von PMN zu untersuchen. Hierzu wurde gesunden freiwilligen Probanden Blut entnommen und mit Morphin, Fentanyl oder beta-Endorphin inkubiert. Im Anschluss daran wurden die PMN aus dem Vollblut isoliert und die freien intrazellulären Aminosäuren mittels Hochdruck-Flüssigkeitschromatographie (HPLC) quantitativ analysiert. Parallel dazu wurde zur Darstellung der Immunfunktion die Fähigkeit der Zelle Wasserstoffperoxid und Superoxidanionen zu produzieren sowie die Aktivität der sezernierten Myeloperoxidase spektralphotometrisch quantitativ bestimmt.
Mit diesen Untersuchungen konnte klar gezeigt werden, dass Morphin bei PMN konzentrations- und zeitabhängig zu einer signifikanten Reduktion der Superoxidanionen- und Wasserstoffperoxidproduktion führt. Ein Einfluss von Morphin auf die freien intrazellulären Aminosäuren in PMN konnte nicht festgestellt werden. Demgegenüber zeigte sich Fentanyl in allen Versuchen sowohl bei den gemessenen Immunfunktionsparametern als auch bei den freien intrazellulären Aminosäuren inert. beta-Endorphin hingegen zeigte lediglich eine nicht signifikanten Hemmung der Superoxidanion- und Wasserstoffperoxidbildung bei hohen beta-Endorphin-Konzentrationen. Die freien intrazellulären Aminosäuren in PMN wurden durch beta-Endorphin nicht beeinflusst.
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