Es war das Ziel der vorliegenden Arbeit, mit Hilfe soziometrischer Kenngrößen die soziale Hierarchie in homogenen Gruppen von Milchkühen im Laufstall auf unterschiedlichen Ebenen zu analysieren und mögliche Auswirkungen der Rangkategorie auf die Leistungsparameter und die Zellzahl nachzuweisen. Zusätzlich wurde untersucht, ob die Einführung neuer Tiere in die Gruppe oder ihre Rückkehr nach einer bestimmten Abwesenheitsdauer soziale Spannungen auslöst und zu gesteigerter Aggressivität führt. Drei Herden mit 46, 48 oder 73 Milchkühen auf zwei verschiedenen Betrieben wurden visuell direkt beobachtet. Für die Analyse des Einflusses von verschiedenen fixen Effekten auf die ausgewählten Zielgrößen von Leistung und Gesundheit (Milchmenge, Fett-%, Eiweiß-%, und Zellzahl) kam die univariate Varianzanalyse mit der Prozedur GLM - Univariat zur Anwendung. In den eigenen Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass die durchschnittliche Anzahl an AI in den Herden unterschiedlich war und zwischen 0,12 AI/Kuh/Stunde und 0,22 AI/Kuh/Stunde lag (p < 0,01). Der prozentuale Anteil der Tiere mit negativen Rangindexwerten (rangniedere Kühe) bewegte sich in den 3 Herden von 60 % bis 66 %. Die meisten Werte lagen im Bereich von RI = -0,20 bis RI = +0,20. Die berechneten soziometrischen Parameter in Kuhgruppen derartiger Größe wiesen auf die Existenz einer sozialen Struktur hin, in der nur eine geringe Linearität der sozialen Ränge gegeben war. Analysen der dyadischen Beziehungen zeigten, dass viele Tiere nicht miteinander interagieren. Der Prozentsatz an unbekannten Beziehungen lag zwischen 68 % und 85 %. Die Linearitätskoeffizienten waren demzufolge sehr niedrig und nahmen nur Werte zwischen 0,05 und 0,11 an. Die Eingliederung von Kühen wurde in allen beobachteten Gruppen von intensiven Rangkämpfen begleitet. Die Zahl der Kämpfe war besonders in der ersten und zweiten Stunde nach der Eingliederung hoch und schwankte in den Herden bzw. Eingliederungssituationen zwischen 4,9 agonistische Interaktionen pro Kuh und Stunde und 8,0 AI/Kuh/Stunde. Die Anzahl an AI nahm von Stunde zu Stunde allmählich ab. Die reduzierte Aggressivität war insbesondere ab der 6. Stunde nach der Eingliederung wahrnehmbar, als weniger als eine AI/Kuh/Stunde registriert wurde. Die ermittelten Ergebnisse zeigten, dass die Rangkategorie in homogenen Kuhgruppen keinen signifikanten Einfluss auf die Milchmenge, auf den Fett- und Eiweißgehalt sowie die Zellzahl hatte (p > 0,05). Es wurden keine signifikanten Einflüsse auf die Zellzahl nachgewiesen.
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