Spezifität und Sensitivität von verschiedenen Testverfahren zur Diagnostik antineuronaler Autoantikörper bei Paraneoplastischen neurologischen Syndromen
Einleitung: Paraneoplastische Neurologische Syndrome (PNS) sind Erkrankungen, die in enger zeitlicher Assoziation mit einem Tumor auftreten, die jedoch nicht auf einer lokalen Wirkung des Tumors oder seiner Metastasen beruhen. PNS werden nach den Diagnosekriterien einer Expertengruppe in gesicherte und mögliche paraneoplastische Syndrome eingeteilt. Bei 80% der Patienten mit gesichertem PNS lassen sich hochspezifische Antikörper nachweisen. Deren Bestimmung soll laut einer Expertengruppe auf zwei unabhängigen Testverfahren (Immunoblot und Immunhistochemie) beruhen. Diese Verfahren sind bisher allerdings kaum hinsichtlich ihrer Spezifität oder Sensitivität untersucht worden und auch die Kombination derselben ist nicht evaluiert worden. Die vorliegende Arbeit untersucht die Spezifität und Sensitivität der indirekten Immunfluoreszenz und von zwei Western Blot Kits unterschiedlicher Hersteller und evaluiert die Kombination der Verfahren.Methoden: Das Patientenkollektiv bestand aus 67 Patienten mit PNS und 64 Kontrollpatienten, davon 30 gesunde Kontrollen und 34 Patienten mit verschiedenen neurologischen Erkrankungen ohne Tumorleiden. Zur Autoantikörperdiagnostik wurden die indirekte Immunfluoreszenz und Western Blot von zwei verschiedenen Herstellern verwendet. Die indirekte Immunfluoreszenz wurde mit dem Neurologie Mosaik der Firma Euroimmun durchgeführt. Die gebrauchsfertigen Objektträger sind mit unfixierten Gefrierschnitten von Primatencerebrum, Primatencerebellum, Primatendarm und HEp-2 Zellen beschichtet. Der Western Blot der Firma Euroimmun ermöglicht den Nachweis von Antikörpern der Klasse IgG gegen die Antigene Hu, Yo und Ri. Der Western Blot des Herstellers ravo kann als rekombinanter Immunoblot den Nachweis der paraneoplastischen Autoantikörper anti- HuD, anti- Yo, anti- Ri, anti- CV2, anti- Amphiphysin und anti- Ma2 führen.Resultate: Die indirekte Immunfluoreszenz erzielte mit 43.3% die höchste Sensitivität bezogen auf die gesamte PNS- Gruppe. Auch bei der Auswertung der Untergruppen klassische und nicht- klassische PNS zeigten sich mit der Immunfluoreszenz stets höhere Werte für die Sensitivität als mit den beiden Western Blot Kits. Die Spezifität der Western Blot Kits lag durchgehend bei 100%, während die Spezifität der Immunfluoreszenz bezogen auf die gesamte Kontrollgruppe 90.6% betrug und auf 82.4% sank bezogen auf die Patienten mit verschiedenen neurologischen Erkrankungen. Diskussion: Erstmals wurden valide Daten zur Spezifität und Sensitivität von indirekter Immunfluoreszenz und Western Blot erhoben. Sie belegen damit die in den Leitlinien geforderte Vorgehensweise für den Nachweis von antineuronalen Autoantikörpern. Die indirekte Immunfluoreszenz als Verfahren mit der höchsten Sensitivität ist sehr gut zum initialen Screenen auf antineuronale Autoantikörper bei Verdacht auf eine paraneoplastische Ätiologie eines neurologischen Syndroms geeignet. Bei der Verwendung der beiden Western Blots werden zwar hochspezifische Autoantikörpernachweise geführt, diese beiden Verfahren sind aber bezüglich der Sensitivität noch verbesserungsfähig. Die beste Sensitivität bei hoher Spezifität ergibt sich nach unseren Daten aus der Kombination indirekter Immunfluoreszenz und Western Blot des Herstellers ravo.
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