Untersuchungen zum Vorkommen und zur wirtschaftlichen Bedeutung der Fasciolose in Milchkuhherden Norddeutschlands
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Zusammenfassung
Die Ziele dieser Dissertation waren:° aktuelle und repräsentative Daten über die Prävalenzsituation der Fasciolose in Milchviehbetrieben in Schleswig-Holstein mit Hilfe zweier im Zeitraum November 2005 bis April 2006 durchgeführter Querschnittsstudien und Auswertung von Daten aus lokalen Schlachthöfen von 2005 und 2006 zu erhalten,° mögliche Risikofaktoren und wirtschaftliche Auswirkungen der Fasciolose zu bestimmen,° die Effizienz des Sedimentationsverfahrens nach Boray und Pearson zum Nachweis von Fasciola hepatica-Eiern im Kot mit der eines kommerziellen ELISA-Testkits für Serum-, Tank- und Einzelmilchproben (Institut Pourquier) zum Nachweis von F. hepatica-spezifischen Antikörpern zu vergleichen.Zur Ermittlung der Prävalenz wurden in der ersten bundeslandweiten Querschnittsstudie insgesamt 2136 Tankmilchproben des Landeskontrollverbandes Schleswig-Holstein e.V. - dies entspricht ca. 35 % der 5926 zu diesem Zeitpunkt gemeldeten schleswig-holsteinischen Milchviehbetriebe - mittels eines kommerziellen ELISA-Testkit (Institut Pourquier) milchserologisch auf F. hepatica-spezifische Antikörper untersucht. Die Untersuchung ergab eine Herdenprävalenz für Schleswig-Holstein von 50 % und liegt damit vergleichbar hoch wie vor 40 Jahren. Es konnten keine Leberegelschwerpunktgebiete für dieses Bundesland ermittelt werden. Bei der Auswertung der Schlachthofdaten ergab sich ein Prozentsatz von 10-30 % verworfener Lebern aufgrund eines Leberegelbefalls, wobei diese Zahlen vorsichtig betrachtet werden müssen, da keine lückenlose Dokumentation seitens der Schlachthöfe vorlag.In der zweiten Querschnittsstudie wurden von 131 randomisiert ausgewählten Milchviehbetrieben aus den Mitgliedsbetrieben der Vereinigung der Rinderspezialberatung des Landkreises Dithmarschen insgesamt 131 Tankmilchproben sowie 917 Einzelmilch- und korrespondierende Kotproben von je 7 zufällig selektierten Kühen pro Betrieb genommen. Die Milchproben wurden mittels desselben ELISA-Testkits untersucht. Es ergab sich eine Herdenprävalenz von 73 % und eine Einzeltierprävalenz von 45 %. Die koproskopischen Untersuchungen zeigten eine individuelle Prävalenz von 14,5 % und eine Herdenprävalenz von 47 %. Von jedem der 131 Betriebe wurde zusätzlich ein Fragebogen zum Betriebs-, Haltungs-, Fütterungs- und Parasitenmanagement sowie zum Kenntnisstand des Landwirtes bezüglich des großen Leberegels und der Fasciolose erhoben und explorativ ausgewertet, um mögliche Risikofaktoren und Zusammenhänge zu analysieren. Ebenfalls wurden die Leistungsdaten der beprobten Kühe erfasst, um mögliche wirtschaftliche Auswirkungen darzulegen. Die durchschnittliche Herdengröße betrug 80 Milchkühe mit einer durchschnittlichen 305-Tage-Milchleistung von 7679 Litern in 2,5 Laktationen. 55 % der Betriebe kauften Tiere dazu. 79 % der Milchkühe wurde in Weidehaltung zum Teil im Wechsel mit Jungtieren oder Schafen gehalten. Statistisch konnte kein Zusammenhang zwischen Weidehaltung allein oder im Wechsel mit anderen Tieren und einem erhöhten Fasciolose-Risiko gesichert werden (p > 0,05). 26 % der weidenden Kühe hatten freien Zugang zu Bach- oder Grabentränken, bei 62 % der Betriebe waren die Tränkestellen nicht befestigt und bei 23 % vorhandene natürliche Wasserlöcher nicht abgezäunt. Diese vermuteten Risikofaktoren konnten statistisch nicht bewiesen werden (p > 0,05). 95 % der befragten Landwirte gaben richtige Antworten zum Leberegel und zur Fasciolose. Nur die Hälfte der besuchten Betriebe führte überhaupt eine chemotherapeutische Leberegelbehandlung durch. Als Hauptgrund wurde mit 37 % keine Notwendigkeit angegeben. Es ergab sich kein signifikanter Zusammenhang zwischen Entwurmungen und einem Fasciola-Nachweis (p > 0,05). Bei der Auswertung der Leistungsdaten ergab sich ein signifikanter Zusammenhang zwischen einem Leberegelbefall und der Jahresmilchleistung der betroffenen Kuh (p < 0,05). Ei-positive Tiere gaben im Schnitt 417 Liter Milch/Jahr weniger, ELISA-positive Tiere 279 Liter Milch/Jahr weniger als Fasciola-freie Tiere. Bei einem Milchpreis von zur Zeit 30 Cent und einer Durchschnittsleistung von 7500 Litern Milch/Jahr errechnet sich daraus ein Milchgeldverlust von 84-125 Euro pro Tier. Bei einer Herdengröße von durchschnittlich 80 Kühen entspricht dies einem Verlust von 6.696-10.008 Euro pro Betrieb.Der direkte Vergleich von 917 Kotproben, die einmalig mittels Sedimentationsverfahren untersucht wurden, und 917 korrespondierenden Milchproben, die mittels ELISA untersucht wurden, ergab eine Einzeltierprävalenz von 14,5 % (Kot) bzw. 45 % (Milch). Die ermittelten Herdenprävalenzen liegen bei 47 % (Kot) und 73 % (Milch). Dies zeigt, dass sich die Kotprobenuntersuchung mittels einmalig durchgeführten Sedimentationsverfahrens nicht für Einzeltieruntersuchungen oder ein Herden-Screening eignet. Die Spezifität des ELISAs lag in dieser Studie für Tankmilchproben im Vergleich zu Individualmilchproben bei 82,4 %, die Sensitivität bei 91,8 % bei einem Kappa-Wert von 0,727.Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen
Beschreibung
Anmerkungen
Erstpublikation in
Giessen : VVB Laufersweiler 2012
