Die winkelstabile T-Radiusplattenosteosynthese im Vergleich mit anderen Osteosynthesverfahren
In dieser Untersuchung sollte die Therapieform Osteosynthese mittels palmarer winkelstabiler T-Radiusplatte mit den herkömmlichen Osteosyntheseverfahren (Kirschnerdrahtosteosynthese, Plattenosteosynthese, Schraubenosteosynthese, Fixateur externe und kombinierte Operationsverfahren) in Bezug auf das radiologische und funktionelle Ergebnis verglichen werden.
Im unserem Krankengut wurden 146 Patienten mit distaler Radiusfraktur mit einer winkelstabilen Plattenosteosynthese (Gruppe 1) operativ behandelt und nachuntersucht. Außer in 8 Fällen lagen Extensionsfrakturen vor. Alle wurden unabhängig vom Frakturtyp mit dem T-Radiusplattensystem (2,4 / 2,7 mm) ohne zusätzliche Spongiosaplastik operiert.
Dieser Gruppe wurden 119 Patienten gegenübergestellt, die mit den bislang üblichen Operationsverfahren osteosynthetisch versorgt wurden (Gruppe 2). Darunter befanden sich 65 Patienten mit ausschließlicher Kirschnerdrahtosteosynthese (Gruppe 2a) und 16 Patienten mit nicht winkelstabiler Plattenosteosynthese (Gruppe 2b). Die Gruppen 2a und 2b wurden gesondert betrachtet und mit der Gruppe 1 verglichen.
In allen Fällen der Gruppe 1 konnte im Gegensatz zu den anderen Operationsverfahren (Gruppe 2a und 2b) ein anatomisches Ausheilungsergebnis ohne relevanten sekundären Korrekturverlust erreicht werden.
Ein ulnarer Vorschub konnte in der Gruppe 1 mit der winkelstabilen Plattenosteosynthese vermieden werden (durchschnittlich 0,8 mm Verkürzung), dagegen zeigte sich in der Gruppe 2 eine durchschnittliche radiale Verkürzung von 2,6 mm.Eine verbleibende Gelenkstufe von 2 mm erhöht das Risiko der Entstehung einer posttraumatischen Arthrose im Langzeitverlauf auf 91 %. Eine solche Gelenkflächenstufung wurde bei allen Patienten aufgehoben. Im Durchschnitt konnte in allen Gruppen ein Wert von maximal 1 mm erreicht werden.Die Beurteilung im radiologischen Bewertungsschema nach Naumann [47] ergab bei den Patienten der Gruppe 1 ein sehr gutes bis gutes Ergebnis (durchschnittlich 2,8 Punkte), in der Gruppe 2 ein gutes Ergebnis mit 4,9 Punkten.
Die Rate postoperativer Komplikationen war bei der winkelstabilen Osteosyntheseform deutlich geringer (4,11 %) als bei den anderen Osteosyntheseformen (Kirschnerdrahtosteosynthese 12,31 %, konventionelle Plattenosteosynthese 6,25 %).
Die klinische Untersuchung der Patienten erbrachte eine verbesserte Beweglichkeit und Gebrauchsfähigkeit bei den Patienten, deren Frakturen mit der winkelstabilen T-Radiusplatte versorgt worden waren; ermöglicht durch eine frühzeitige funktionelle Nachbehandlung.
Auch die subjektiven Scores dieser Patienten zeigten im Vergleich mit den übrigen Osteosyntheseverfahren einen besseren Wert; der durchschnittliche DASH - Wert der Gruppe 1 lag bei 13,95 Punkten, der Solgaard - Score bei 1,5 Punkten. Der DASH - Score der Patienten in Gruppe 2 war mit 23,13 Punkten deutlich schlechter, der Solgaard - Score der Gruppe 2 lag um 3,5 Punkte höher bei durchschnittlich 5,9 Punkten.
Die Behandlung der Frakturen am distalen Radius erfordert aufgrund ihrer hohen Inzidenz und sozioökonomischen Relevanz eine stabile osteosynthetische Versorgung mit anatomischer Reposition und der Möglichkeit zur frühfunktionellen Nachbehandlung
Mit winkelstabilen Implantaten können, wie in der vorliegenden Arbeit gezeigt, die Vorteile des palmaren Zugangs (schonenderer Weichteilzugang, gute Exploration der Fraktur, exakte Reposition der Fraktur, bessere Weichteildeckung und weniger Komplikationen) auch im Falle von Extensionsfrakturen und intraartikulären Frakturen genutzt werden. Durch die subchondrale Abstützung (Platzierung der winkelstabilen Stifte unmittelbar an der Gelenkflächenkortikalis, ohne sie zu perforieren) ist eine dauerhafte Retention nach dem Fixateur-interne-Prinzip gewährleistet mit der Möglichkeit der Frühmobilisation.
Die palmare winkelstabile Plattenosteosynthese kann somit heute als Standardverfahren zur adäquaten Therapie der nach AO definierten A3-, sowie B2- B3- und C1-C3-Frakturen, gerade auch beim älteren Menschen mit osteoporotischem Knochen, gelten.
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