Aus dem Boden eines Feldes mit mehr als 16jähriger Weizendauerkultur in Nordhessen wurde 1996 erneut eine mykophage Vampiramöbe (VA) isoliert,die bereits elf Jahre zuvor am gleichen Standort nachgewiesen worden war. Mit Hilfe eines vergleichsweise einfachen und zuverlässigen Kulturverfahrenswurde versucht die VA zu charakterisieren. Dabei wurden folgende Informationen erhalten:
Mit licht- und elektronenmikroskopischen Untersuchungen sowie Zeitrafferaufnahmen wurde ein Lebenszyklus entworfen, der weitgehendaufgeklärt ist. Offen bleibt die Frage auf welche Weise die VA widrige Umstände wie Trockenheit und Frost überdauert.
Anhand der Vermehrung in künstlicher Kultur wurde ermittelt welche Organismen der VA als Nahrungsgrundlage dienen. Es zeigte sich, dasseinige Arten von Pilzen, Algen und Nematoden gut verwertet werden konnten. Von fünf phytopathologisch interessanten Bakterienarten führtekeine zu einer Vermehrung der VA. Insgesamt hat die VA ein breites Nahrungsspektrum.
Aus vier VA - Kulturen unterschiedlicher Standorte wurde die genomische DNA isoliert. Von zwei dieser Proben wurde die 18SrRNA an derUniversität Leipzig (Prof. Dr. M. Schlegel) sequenziert und von den Sequenzen die zwei DNA - Sonden vamp 630R und vamp 1060Fkonstruiert. Die mit diesen Sonden bei der PCR erhaltenen Produkte von etwa 650 und 750 bp erlauben eine sichere Identifizierung der VA.
Morphologische Charakteristika und Verhaltensweisen der VA zeigen einige Ähnlichkeiten mit der weltweit verbreiteten Arachnula impatiensvon der sie aber eindeutig unterschieden ist. Sie könnte zu den Cercozoa gehören.
Auf der Basis perforierter Konidien von Cochliobolus sativus, morphologischer Charakteristika und der Verhaltensweise in künstlicherZusammenfassung Kultur ist die VA, neben anderen mykophagen Arten von Amöben, in Agrarböden weit verbreitet und wurde auch in einem Boden aus dem Irannachgewiesen. Die überwiegende Anzahl der Isolate ergab bei der PCR mit den zwei DNA - Sonden die gleichen Reaktionprodukte wie dieursprüngliche VA. Danach handelt es sich entweder um die gleiche Art oder zumindest um nahe verwandte Arten.
Landwirtschaftlich genutzte Flächen mit unterschiedlichen Anbausystemen zeigen verschiedene Populationsdichten der VA. Beim Vergleich vonjeweils 4 - 5 Flächen der Systeme Direktsaat - Pflug und Ackerland - Grünland sowie ökologisch dynamischem Landbau war in den Flächenohne Bodenbearbeitung (Direktsaat, Grünland) die VA deutlich dichter als in den entsprechenden Varianten mit Bodenbearbeitung. Eine ökologisch -dynamische Bewirtschaftung fördert die VA im Vergleich zum konventionellen Landbau.Mit den Befunden über Beutespektrum, Lebenszyklus, Identifizierung mit DNA - Sonden, geographische Verbreitung und dem Einfluss verschiedenerFormen der landwirtschaftlichen Bearbeitung von Agrarböden wurde eine bisher unbekannte mykophage Vampiramöbe charakterisiert. Eine exaktetaxonomische Zuordnung dieser neuen Art ist wegen fehlender 18SrRNA - Sequenzierungen nahe verwandter Arten von Amöben bisher noch nichtmöglich.
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