Die frühkindliche Netzhautdegeneration (EOSRD) ist eine seltene Erkrankung, die mit schweren visuellen Einschränkungen innerhalb der ersten 2 Lebensjahre verbunden ist und zu einer vollständigen Erblindung noch vor dem 20.Lebensjahr führen kann. Als Ursache wurde u.a. das Gen RPE65 identifiziert. Im Hundemodell führte das Einschleusen einer korrekten Kopie des mutierten Gens in das retinale Pigmentepithel (RPE) im Rahmen Adeno-assoziierter Virus (AAV) vermittelter Gentherapie erfolgreich zur Wiederherstellung des Sehvermögens. Die beim Menschen durchgeführten klinische Phase I/II Studien konnten die Sehleistung nur teilweise verbessern. Die Ursache dieser Diskrepanz ist bisher unklar. Ziel dieser Arbeit war es, die Auswirkungen des retinalen Gentransfers am caninen Modell zu untersuchen.Es wurden dabei die Retinae von 11 Hunden untersucht: 1 unbehandeltes Tier, 6 Tiere, die das fragliche Protein nach Behandlung mit verschiedenen AAV-Vektoren kontinuierlich exprimieren und 4 Tiere, die durch Expression mit einem Tetracyclin-abhängigem System (Tet-On/Off-System) über die Anwesenheit (Tet-On) oder Abwesenheit (Tet-Off) von Tetracyclin reguliert worden sind. Zur Untersuchung dienten verschiedene Marker, die als Primärantikörper verwendet wurden, um unterschiedli-che Zellarten der Retina darzustellen. Die durchgeführten Untersuchungen konnten weder eine reaktive Gliose durch die subretinale Injektion, noch eine Minderung dieser durch die Therapie feststellen. Erstmalig wurde dies mit dem gleichen Ergebnis auch an Hunden untersucht, die mit dem Tet-On/Off-System behandelt worden sind. Zur Untersuchung des Sprouting Phänomens, also dem Auftreten von Synapsen außerhalb der äußeren plexiformen Schicht, erfolgte die Begutachtung der synaptischen Verbindungen. Dabei konnte durch die Gentherapie kein Effekt nachgewiesen werden. Allerdings wiesen auch die erkrankten Tiere wenig sprouting events auf. Durch die Behandlung zeigte sich eine Zunahme sowohl von S- als auch von L/M-Zapfen. Außerdem konnte nachgewiesen werden, dass die Therapie zur Rückführung der Delokalisation der L/M-Opsine führt. Erstmalig wurde dies auch bei der Therapie mit einem Tet-On/Off-System untersucht und bestätigt. Das Fehlen einer reaktiven Gliose wird durch die bisher vorliegenden klinischen Daten nach erfolgter Gentherapie bei Hunden bestätigt. Bis dato liegen keine histo-logischen Untersuchungen über die Auswirkungen der Gentherapie in Form der reaktiven Gliose bei behandelten Hunden vor, die die hier erbrachten Ergebnisse bestätigten könnten. Die fehlende Minderung bzw. die geringe Anzahl von sprouting events bei den hier untersuchten Tieren, lässt sich durch ihr junges Alter erklären. Der Therapieeffekt auf die Zapfendichte sowie Opsinlokalisation bestätigt die vorhandenen Daten aus der Literatur.
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