Sarbecovirusinfektionen bei Wild- und Haustieren
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Abstract
Im Jahr 2019 wurde in Wuhan (Provinz Hubei, China) erstmals eine schwere Lungenerkrankung beim Menschen beschrieben, die auf ein zuvor unbekanntes Virus zurückgeführt wurde. Aufgrund seiner phylogenetischen Einordnung wurde dieses Virus als SARS-CoV-2 (Severe Acute Respiratory Syndrome Coronavirus Type 2) bezeichnet. Es wird vor allem durch direkten Kontakt sowie über Aerosole von Mensch zu Mensch übertragen und breitete sich innerhalb kurzer Zeit über Ländergrenzen hinweg aus. Der Ursprung von SARS-CoV-2 konnte bislang nicht eindeutig geklärt werden. Aufgrund des zoonotischen Ursprungs und späterer Nachweise von SARS-CoV-2-Infektionen bei verschiedenen Tierarten stellte sich frühzeitig die Frage nach deren Bedeutung für das Infektionsgeschehen. Da Tiere potenziell als Virusreservoir dienen, eigenständige Epidemien bei Haus- und Nutztieren entstehen und zooanthroponotische Übertragungen vorkommen könnten, sollte das Vorkommen von SARS-CoV-2-Infektionen bei Tieren systematisch untersucht werden. Die Studie wurde in der Anfangsphase der Pandemie im Jahr 2020 begonnen und bis April 2021 durchgeführt. Dabei wurden verschiedene Haus- und Wildtierarten in Deutschland, unter anderem in Regionen mit hoher COVID-19-Inzidenz in der menschlichen Bevölkerung, untersucht. Insgesamt wurden 720 Proben von 63 verschiedenen Tierarten einbezogen. Darunter befanden sich 352 Katzen, 206 Vögel, 20 Reptilien sowie 142 weitere Wildtiere. Der Nachweis von SARS-CoV-2-RNA erfolgte mittels RT-qPCR. Der Erfolg der RNA-Isolation wurde durch eine interne Kontrolle überprüft und zusätzlich wurden Positiv- und Negativkontrollen mitgeführt. In keiner der 720 untersuchten Proben konnte SARS-CoV-2-RNA nachgewiesen werden. Die Ergebnisse lieferten somit für die untersuchten Tierpopulationen und den Untersuchungszeitraum keine Hinweise auf eine relevante Beteiligung am SARS-CoV-2-Infektionsgeschehen. Aufgrund des weiteren Pandemiegeschehens musste die Studie vorzeitig beendet werden, unter anderem weil RT-qPCR-Testkits und Verbrauchsmaterialien für die humanmedizinische Diagnostik benötigt wurden. Um die Studie zu vervollständigen, erfolgte eine umfassende Sichtung der aktuellen Literatur, auf deren Grundlage die eigenen Ergebnisse in den weiteren Kenntnisstand zu SARS-CoV-2-Infektionen bei Tieren eingeordnet wurden.
Trotz der Detektion von SARS-CoV-2-Infektionen bei einzelnen Tierarten sowie vereinzelter Epidemien, insbesondere in Nerzfarmen und bei nordamerikanischen Weißwedelhirschen, ergibt sich nach derzeitigem Kenntnisstand keine relevante Gefährdung des Menschen durch SARS-CoV-2-Infektionen bei Haus- oder Wildtieren. Eine fortlaufende Surveillance bleibt jedoch notwendig, um mögliche Risiken durch die Entstehung tierischer Virusreservoire, Wirtsadaptationen sowie Spillover- und Spillback-Ereignisse frühzeitig zu erkennen und geeignete Gegenmaßnahmen ergreifen zu können.
