Im Zuge der Bologna-Reform wird von der Hochschullehre gefordert, neben den fachlichen Kompetenzen verstärkt die Entwicklung methodischer, sozialer und persönlicher Kompetenzen sowie die Berufsfähigkeit der Studierenden zu fördern (Krämer, 2006, 2011; Braun, Gusy, Leidner und Hannover, 2008; Braun und Hannover, 2011; Arbeitskreis Deutscher Qualifikationsrahmen, 2011). Eine Möglichkeit dazu bieten praxisorientierte Seminare, in denen Studierende neben den fachlichen Inhalten neue Erkenntnisse im Rahmen von Projekten in Kooperation mit ihren Kommilitoninnen und Kommilitonen erlangen. Vor diesem Hintergrund sind im Rahmen dieser Untersuchung folgende Fragen von Interesse: Mit welchen Erwartungen und Einstellungen gehen Studierende an solche praxisorientierten Seminare heran? Welche Kompetenzen können durch solche Lernszenarien tatsächlich gefördert werden? Wie beurteilen Studierende abschließend diese Lehrveranstaltungen? Und schließlich: Können die Erwartungen und Einstellungen einen signifikanten Beitrag zur Vorhersage der Seminarbeurteilungen leisten? Diese Fragen werden exemplarisch anhand dreier Seminare zum Thema Lehren und Lernen mit Medien beantwortet, in denen die Studierenden die theoretischen Kenntnisse beim Entwickeln und Erstellen von computerunterstützten Lernprogrammen in kleinen Gruppen anwenden. Die Ergebnisse der Studien zeigen, dass die Studierenden deutlich positivere Erwartungen an praxisorientierte Lehrveranstaltungen im Vergleich zu sonst oft üblichen Referate-Seminaren haben. Dies gilt vor allem für die aktive Beteiligung, die Lernwirksamkeit und den Praxisbezug, aber auch für das Ausmaß und die Güte der Zusammenarbeit und die weiteren Lernmöglichkeiten, die sich aus der Kooperation mit ihren Kommilitonen und Kommilitoninnen ergeben.Die deskriptiven Kennzahlen verdeutlichen, dass die Studierenden retrospektiv die Praxisanteile sehr positiv bewerten, aber auch eine hohe aufgabenspezifische Selbstwirksamkeit erreicht haben. Aus Sicht der Studierenden haben die Seminare darüber hinaus zu einer sehr guten Entwicklung von kooperativen Kompetenzen beigetragen, und auch ihre fachlichen und ihre PC-Kompetenzen wurden gefördert. Zur Vorhersage der Gesamtzufriedenheit können vor allem die subjektive Einschätzung der Entwicklung der fachlichen, methodischen, Personal- und Präsenta-tionskompetenz sowie die Beurteilung der Praxisanteile herangezogen werden. Das Gefühl der Herausforderung wiederum scheint ein gute Prädiktor für die ret-rospektive Beurteilung des Lernerfolgs und die subjektiv erlebte Entwicklung verschiedener Kompetenzbereiche zu sein.
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