Etwa 90% der Fälle mit systemischer Sklerose leiden an einem sekundären Raynaud-Phänomen, das in vielen Fällen der Grunderkrankung um Jahre vorausgeht. Es führt zu Durchblutungsstörungen der Akren, die häufig die Entstehung schmerzhafter Ulzerationen nach sich ziehen. Kohlensäurehaltige Handbäder aus dem Therapiebereich der physikalischen Medizin erreichen durch ihre gefäßdilatierende Wirkung eine Verbesserung der akralen Durchblutung. Die moderne Kapillarmikroskopie wie auch die Doppler-Sonographie sind Untersuchungsverfahren, die den Blutfluss in kleinsten Arterien darstellen können. Mit verschiedenen Ultraschalltechniken wurde in anderen Studien bereits der kurzfristige gefäßerweiternder Effekt von Bastianbädern nachgewiesen. In der durchgeführten Arbeit wurden neben dem evaluierten Verfahren der Dopplersonographie als zweites diagnostisches Verfahren die Kapillarmikroskopie zum Nachweis von Behandlungseffekten nach einmaligem Kohlensäure- bzw. Warmwasserhandbad gewählt.Eingeschlossen wurden 12 Patienten mit manifester SSc und mindestens seit einem halben Jahr bestehendem Raynaud-Phänomen und 12 Probanden ohne entzündlich-rheumatische Erkrankung (Kontrollkollektiv) die ein einmaliges kohlensäurehaltiges Handbad bei 35°C Wassertemperatur für 15 Minuten erhielten. Die Therapieeffekte wurden mittels kapillarmikroskopischer und sonographischer Untersuchungen vor Therapie sowie 0,10 und 20 Minuten nach dem Handbad evaluiert. Die Kapillarmikroskopie erfolgte am Ringfinger rechts (Videocap 3.0), wobei Messungen am afferenten, efferenten Schenkel, Scheitelpunkt und die Gesamtbreite der Kapillarschleife erfolgten.Die Dopplersonographie (MyLab25, Esaote) erfolgte am Zeigefinger rechts an der A. digitalis palmaris ulnarseitig (2D-Darstellung und RI-Bestimmung).Bei 12 Patienten mit SSc und sekundärem Raynaud-Phänomen wurde ein einmaliges warmes Handwasserbad bei ansonsten identischem Untersuchungsaufbau durchgeführt.Die Auswertung der Daten macht deutlich, dass neben der Dopplersonographie auch mit der Kapillarmikroskopie als diagnostisches Verfahren zur Beurteilung der akralen Durchblutung der kurzfristig dilatierende Effekt des kohlensäurehaltigen Handbades nachgewiesen werden kann. In der Gruppe der SSc-Patienten kann sogar eine signifikante Dilatation der Kapillaren an allen 4 Messpunkten festgestellt werden. Während die Gruppe der gesunden Teilnehmer in der Differenz der Zeitpunkte vor zu T0 Signifikanzen aufweist, sind in der Kontrollgruppe der Patienten ohne CO2-haltigen Zusatz im Handbad keine signifikanten Unterschiede, weder zu den einzelnen Messzeitpunkten, noch an den verschiedenen Analysepunkten an den Kapillaren, feststellbar. Die Kapillarmikroskopie erwies sich als einfach anzuwendende Methode, die in kürzester Zeit auswertbare Ergebnisse erbringt und die ohne weiterführende Verfahren zur Datenerhebung bereits auf den ersten Blick einen Eindruck über herrschende periphere Kapillarveränderungen, wie beispielsweise eine verminderte Kapillardichte, Ektasien, Megakapillaren oder Hämorrhagien liefert. Die Kapillarmikroskopie bietet durch ihre hohe Spezifität und Sensitivität die Möglichkeit Patienten schnell und kostengünstig zu kategorisieren. Dies liefert die Voraussetzung, die Patienten frühzeitig in ein engmaschiges Monitoring einzubinden.Das CO2-Bad ist als physikalische Therapieoption bei Patienten mit systemischer Sklerose eine kostengünstige und leicht zu handhabende Behandlungsmethode, wenn eine systemische medikamentöse Therapie nicht möglich ist oder von den betroffenen Patienten nicht gewünscht wird. Sie kann aber auch als Paralleltherapie unterstützend zum Einsatz kommen. Durch die leichte Anwendung in heimischer Umgebung ist sie so für den Patient jederzeit einsetzbar und kann mit minimalem Aufwand für die Betroffenen vorübergehend zu einer Linderung der Beschwerden beitragen.Die Studie zeigt nicht nur den therapeutischen Effekt von kohlensäurehaltigen Handbädern auf die akrale Durchblutung, sondern verdeutlicht auch die wichtige Rolle der kapillarmikroskopischen Untersuchung im Rahmen von Früherkennung, Diagnosestellung und Monitoring rheumatischer Erkrankungen.
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