Untersuchungen zum Hörvermögen von Neuweltkameliden unter besonderer Berücksichtigung der Irispigmentierung
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Zusammenfassung
In der vorliegenden Arbeit wurde das Hörvermögen von Neuweltkameliden (Lamaglama und Lama pacos) mittels der objektiven Meßmethode akustisch evozierterPotentiale (AEP) untersucht und die Hörschwelle bestimmt. Besondere Beachtung fanden dabei Tiere mit blauer Irispigmentierung, um dieHypothese einer Kopplung dieses Merkmals mit Taubheit und weißer Fellfarbe, wiesie bei anderen Spezies beschrieben wurde, zu überprüfen. Für die Studie standen insgesamt 63 Tiere im Alter von 1-13 Jahren zur Verfügung,13 davon mit beidseitig, eines mit einseitig blauer Irispigmentierung. Die Tierewurden unter vergleichbaren praxisüblichen Bedingungen gehalten. Die Ausführung der Messungen erfolgte mit Hilfe des portablen Meßsystems'EPOSYS 4' der Firma SEMANTIK GmbH, Germering, geeicht auf dB(HL). Um eine möglichst artefaktfreie Ableitung der akustisch evozierten Potentiale zuerzielen, war eine Kurznarkose mit 0,4mg/kg Körpergewicht Xylazin und 4,0mg/kgKörpergewicht Ketamin intramuskulär erforderlich. Die Click-Reize wurden über Luftleitungskopfhörer zugeführt, der Potentialabgrifferfolgte mittels Nadelelektroden; dabei wurde die differente Elektrode in Höhe desMastoids des zu untersuchenden Ohres, die Referenzelektrode am Vertex und dieErdelektrode median, einige Zentimeter distal der Referenzelektrode appliziert. Die Latenzen, Amplituden und Interpeaklatenzen der Potentialkomponenten wurdenerfaßt und die Signifikanzen der Einflußfaktoren Art, Geschlecht und Alter auf dieLatenzen ermittelt. Bei Neuweltkameliden ließen sich mittels akustisch evozierter Potentiale vier bis fünfpositive Peaks ableiten, wobei die Wellen I, III und V reproduzierbar waren, Welle IIinkonstant auftrat und die Wellen IV und V meist zu einem Komplex verschmolzenwaren. Mit sinkender Intensität des applizierten Click-Reizes vergrößerte sich die Latenz derPotentialkomponenten, die Amplituden wurden kleiner. Anhand der Latenzen ließ sich ein für die meisten betrachtetenPotentialkomponenten signifikant besseres Hörvermögen der Alpakas gegenüberdem der Lamas erkennen; ein signifikanter Einfluß des Geschlechts auf dieHörfähigkeit bestand nicht. Das vorhandene Tiermaterial war nicht ausreichend für die Beurteilung des Effektesdes Alters auf das Hörvermögen. Die Hörschwelle, definiert als die Reizintensität, bei der gerade keine Reizantwortenmehr generiert werden können, lag bei Lamas und Alpakas im Bereich von 10 bis 20dB(HL). Die Meßergebnisse der Probanden mit Pigmentierung von Fell und Iris bewegtensich alle im Bereich der normalen Hörschwelle. Ebenso ließen alle getesteten Tiere mit weißem Fell und pigmentierter Iris keinerleiAbweichung von der normalen Hörschwelle erkennen. Sieben der zwölf untersuchten Neuweltkameliden mit blauer Irispigmentierung undweißem Fell waren beidseitig taub, eines einseitig. Jedoch wurden drei weißeblauäugige Tiere mit normalem Hörvermögen gefunden. Zwei blauäugige Tiere mit pigmentiertem Fell zeigten normalen Hörstatus.Ein Alpaka mit einseitig blauer Irispigmentierung wies beidseitig normale Hörfähigkeitauf. Die mit 63,6% hohe Frequenz an beidseitig tauben Tieren mit weißem Fell undblauer Irispigmentierung stützt die Hypothese einer Assoziation vonPigmentierungsanomalien mit erblicher Taubheit.Für eine Klärung des Vererbungsmodus stand kein geeignetes Tiermaterial zurVerfügung. Da jedoch auch ohne Kenntnis des genauen genetischen Hintergrunds angenommenwerden darf, daß die Paarung von Anlage- und Merkmalsträgern mit hoherWahrscheinlichkeit zur Entstehung tauber Nachkommen führen kann bzw. führt,kommt dem Defekt Tierschutzrelevanz im Sinne des §11b TSG zu.Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen
Beschreibung
Anmerkungen
Erstpublikation in
Wettenberg : VVB Laufersweiler 2003
