Die vorliegende Studie hatte zum Ziel, die Effizienz / die Erfolgsrate der Behandlung des Distalbisses (Angle Klasse II:1) mittels Aktivator (Andresen-Aktivator und van-Beek-Aktivator) zu beurteilen.
Es sollte geklärt werden, ob Zusammenhänge zwischen Behandlungserfolg einerseits und (1) Art des zur Behandlung verwendeten Aktivators, (2) Geschlecht, (3) Alter vor der Behandlung, (4) Behandlungsdauer, (5) Anzahl der Behandlungstermine, (6) Kooperation des Patienten, sowie (7) Okklusionsverhältnisse, (8) Dentalstadium und (9) skelettofazialer Morphologie vor der Behandlung andererseits existieren.
Das Patientengut umfasste 118 Probanden (70 männliche und 48 weibliche) mit einer Angle Klasse II:1 Dysgnathie. Die Probanden wurden bezüglich ihrer Gebissentwicklung in 3 Gruppen aufgeteilt: frühes Wechselgebiss (DS 1 und DS 2; n=61), spätes Wechselgebiss (DS 3; n=52) und bleibendes Gebiss (DS 4; n=5). Vor der Aktivatortherapie wurde lediglich bei einigen Probanden eine Oberkieferdehnplatten- oder eine Quadhelix-Behandlung durchgeführt.
Kieferorthopädische Modelle von vor und nach der Behandlung sowie Fernröntgenseitenbilder von vor der Behandlung wurden ausgewertet und die Patienten als erfolgreich und nicht erfolgreich therapiert eingestuft.
Die Untersuchung lieferte folgende Ergebnisse:
Von den 118 Probanden wurden 76 (=64%) erfolgreich und 42 (=36%) nicht erfolgreich therapiert.
Es gab keine Zusammenhänge zwischen Behandlungserfolg einerseits und (1) Art des zur Behandlung verwendeten Aktivators, (2) Geschlecht, sowie (3) Alter vor der Behandlung andererseits.
Die durchschnittliche Behandlungsdauer der Erfolgsgruppe (3,2 Jahre) war um ca. 1 Jahr länger (p<0,001) als die der Nicht-Erfolgsgruppe (2,2 Jahre).
Die Erfolgsgruppe hatte durchschnittlich ca. 6 Behandlungstermine mehr (p<0,01) als die Nicht-Erfolgsgruppe.
Behandlungsdauer und Anzahl der Behandlungstermine nahmen mit fortschreitendem Dentalstadium (DS 1 und 2 zu DS 3) ab (p<0,001).
Die Erfolgsgruppe zeigte eine statistisch signifikant bessere (p<0,001) Kooperation als die Nicht-Erfolgsgruppe. In der Erfolgsgruppe wiesen 84,2% (64/76) der Probanden eine gute und 15,8% (12/76) eine schlechte Kooperation auf, während in der Nicht-Erfolgsgruppe 40,5% (17/42) der Probanden eine gute und 59,5% (25/42) eine schlechte Kooperation zeigten.
Die Nicht-Erfolgsgruppe hatte vor der Behandlung tendenziell die schlechteren Okklusionsverhältnisse. In der Erfolgsgruppe bzw. der Nicht-Erfolgsgruppe verbesserte sich die sagittale Molarenrelation um durchschnittlich 0,9 Prämolarenbreiten (Pb) bzw. um 0,4 Pb, die sagittale Eckzahnrelation verbesserte sich um durchschnittlich 0,5 Pb bzw. um 0,2 Pb. Der Overjet verkleinerte sich um durchschnittlich 4 mm bzw. um 2 mm, und der Overbite verkleinerte sich um durchschnittlich 0,5 mm bzw. er veränderte sich nicht.
Es lag kein Zusammenhang zwischen Behandlungserfolg und Dentalstadium (DS 1 / DS 2 und DS 3) zu Behandlungsbeginn vor.
Bezüglich der skelettofazialen Morphologie vor der Behandlung zeigte sich, dass der ANB-Winkel der Erfolgsgruppe (5,5°) durchschnittlich 0,8° kleiner (p<0,05) als der der Nicht-Erfolgsgruppe (6,3°) war. Der Wits-Wert der Erfolgsgruppe (+2,6 mm) war durchschnittlich 1,2 mm kleiner (p<0,01) als der der Nicht-Erfolgsgruppe (+3,8 mm).
Schlussfolgernd konnte folgendes festgestellt werden: Da nur ca. 2/3 der Patienten erfolgreich mit einem Aktivator behandelt wurden, während ca. 1/3 der Behandlungen als nicht erfolgreich angesehen werden mussten, war die Effizienz der Distalbissbehandlung (Angle Klasse II:1) mit Aktivator als mäßig zu bezeichnen.
Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen