Ist die individuelle ambulante Asthmaschulung für Kinder und Jugendliche eine rationelle und effektive Alternative zu den bisherigen Schulungskonzepten?
Bislang dominiert in Deutschland bei der Asthma-Schulung die personell und organisatorisch aufwendige Gruppenschulung. Ausgehend von den positiven Erfahrungen der Einzelschulung bei Mukoviszidose, die sich seit langem bewährt und durchgesetzt hat, wurde an der Universitäts-Kinderklinik Giessen eine spezielle individuelle ambulante Form der Schulung für asthmakranke Kinder entwickelt und in einer prospektiven Studie evaluiert, wobei die Ausgangssituation des einzelnen Patienten bei der ersten Vorstellung als Hintergrund für die Beurteilung eines Erfolges bzw. Misserfolges diente. Mit der vorliegenden Arbeit sollte untersucht werden, welche Auswirkungen eine ambulante Einzelschulung von asthmakranken Kindern und ihren Eltern auf Krankheitsverlauf und -bewältigung im Vergleich zu Gruppenschulungen hat. Über einen Zeitraum von 2 Jahren wurden Angehörige von 522 Patienten bzw. soweit möglich Patienten selbst im Alter von 5 Monaten bis 17 Jahren geschult und im Rahmen von Nachschulungen mehrmals untersucht. Es zeigte sich eine deutliche Besserung des Krankheitsverlaufs (60,3%), eine Verbesserung der Asthmasymptomatik mit dem Erfolg einer Verbesserung der Lebensqualität. Diese erfolgreiche Bilanz war nicht ausschließlich auf eine Erhöhung der Dosis der medikamentösen Therapie zurückzuführen, sondern resultierte aus einer Optimierung und Anpassung der medikamentösen Therapie an den jeweiligen Schweregrad der Erkrankung. Eine Verbesserung der Inhalationstechnik (13%) und der Einsatz von Inhalierhilfen (16,8%) trugen maßgeblich zu diesem Erfolg bei. Die Notwendigkeit von Nachschulungen konnte sehr deutlich gezeigt werden. War es nach 2 Schulungen nur bei knapp der Hälfte der Patienten zu einer Verbesserung gekommen, so konnte nach 4 Schulungen die Symptomatik bei über 70% verbessert werden. Die zunehmende Stabilisierung des Krankheitsgeschehens durch die Asthma-Schulung ließ sich auch funktionell nachweisen. Die Auswertung der Lungenfunktionsuntersuchungen zeigte Verbesserungen im Bereich der spezifischen Conductance (16,4%) und der Peak-Flow-Werte (8,1%). Vergleicht man den klinischen Befund mit dem Ergebnis der Lungenfunktionsuntersuchung, zeigte sich gerade bei den jüngeren Kindern eine Übereinstimmung in mehr als der Hälfte der Fälle (56,3%).
Im Vergleich zu herkömmlichen Gruppenschulungen konnten folgende Vorteile einer Einzelschulung aufgezeigt werden: Die Schulung erreicht mehr Patienten (verschiedene Altersgruppen)und Ihre Angehörigen und kann auf den persönlichen Bedarf und die Belange des Einzelnen abgestimmt werden. Die Schulung ist personell weniger aufwendig. Nachteile sind eine fehlende Gruppendynamik und das Fehlen von sozialen Kontakten und Erfahrungsaustausch untereinander.
Es lässt sich folgendes Fazit ziehen: Bei den meisten Kindern mit Asthma und ihren Angehörigen ist eine ambulante individuelle Asthma-Schulung angemessen. Nur bei wenigen Familien ist der beträchtliche organisatorische und personelle Aufwand einer Gruppenschulung erforderlich. Die zur Erkennung der Schnittstelle zwischen beiden Schulungsformen angegebenen Kriterien bedürfen ggf. noch der Ergänzung und Korrektur.
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