Das Auftreten der atopischen Dermatitis nimmt in Industrieländern stetig zu, sodass heute bereits 20% aller Neugeborenen daran leiden. Als Hautkrankheit autoimmuner Genese konnte trotz umfangreicher Forschungsanstrengungen bisher keine kausale Therapie gefunden werden. Die Forschungsergebnisse zeigen jedoch, dass die Aktivität maßgeblich vom Stresserleben und dessen Verarbeitung abhängt, wodurch Auswirkungen auf alle Lebensbereiche entstehen. Daraus resultiert der Bedarf an multimodalen Therapiekonzepten, die in Gießen im Rahmen einer dreitägigen Schulungsmaßnahme vermittelt werden. Das Ziel dieser Studie war es, die Therapieeffekte auf Körper und Psyche auf verschiedenen Ebenen nachzuvollziehen. Hierzu wurde ein Kollektiv von Schulungsteilnehmern (n = 16) zu Beginn, zum Ende und nach drei Monaten auf Veränderungen des Hauzustandes untersucht. Es wurden zudem Fragebögenscores zu erlebtem Stress- und Angstempfinden, zu Copingverhalten sowie zur Gesundheit und Lebensqualität erhoben. Auch wurden Blutproben auf Veränderungen in den Cortisol-, IgE-, BDNF- und SLURP-1 Spiegeln sowie in den Immunzellpopulationen von Monozyten, T-regulatorischen Zellen und dendritischen Zellen untersucht. Die Ergebnisse wurden mit einer an AD erkrankten Kontrollgruppe (n = 19) sowie einer hautgesunden Gruppe (n = 20) verglichen. Es zeigt sich eine signifikante Verbesserung des Hautzustandes und des Juckreizes und damit einhergehend ein Absinken des Angstempfindens jedoch bei unverändertem Stressempfinden. Weiterhin zeigt sich ein Anstieg von naiven T-regulatorischen Gedächtniszellen und begleitend ein Abfall von intermediären Monozytenpopulationen als Zeichen einer rückläufigen somatischen Entzündungsreaktion. In den Stressmediatorspiegeln von Cortisol kann ein abfallender Trend als Zeichen einer verminderten Stressreaktion festgestellt werden, die übrigen Levels bleiben konstant. So weist auch das Copingverhalten keine Veränderungen auf. Diese Daten lassen die Schlussfolgerung zu, dass die Schulungsmaßnahme erfolgreich und langfristig die Symptome der Erkrankung lindert. Zudem lassen sie in den Immunzellpopulationen Erklärungen für diese Wirksamkeit erkennen. Gleichzeitig finden sich keine Einflüsse auf das Stressempfinden oder das psychomotorische Copingverhalten. Für zukünftige Studien hinaus sind Vergleiche von gesunder zu läsionaler Haut interessant, da sich Veränderungen teilweise nicht in den Serumspiegeln, jedoch aber im Zielorgan feststellen lassen. Gleichzeitig sollte in den Fragebogen das Copingverhalten bezüglich der Symptome beachtet werden. Darüber hinaus wäre der Vergleich der Therapieeffekte in unterschiedlich stark erkrankten Kollektiven interessant.
Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen