Untersuchungen zum Verhalten, zur Haltung und zu den Körpermaßen von Ebern

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Vorrangiges Ziel der Arbeit war es, das Verhalten von Zuchtebern unter den Bedingungen der Einzelhaltung in Buchten zu analysieren und dabei besonderes Augenmerk auf die Situation der Eber in Besamungsstationen zu richten und den Einfluss der Faktoren Alter der Tiere, Jahreszeit, Buchtengröße und Besamungsstation bzw. Management in der Station zu untersuchen. In die Verhaltensuntersuchungen gingen insgesamt 82 Eber ausschließlich der Rasse Pietrain in drei Besamungsstationen (n = 78) sowie in der Lehr- und Forschungsstation Oberer Hardthof des Instituts für Tierzucht und Haustiergenetik der Justus-Liebig-Universität Giessen (n = 4) bei einer Gesamtbeobachtungszeit von 6984 Stunden ein. Weiterhin wurden in drei Besamungsstationen die Körpermaße Widerristhöhe, Rückenhöhe und Körperlänge an 456 Ebern verschiedenen Alters und verschiedener Rassen ermittelt und die Sauberkeit von jeweils 1171 Eberbuchten und der darin befindlichen Eber im Sommer und im Winter bewertet. Mittels einer Fragebogenaktion wurden die Haltungsbedingungen in 21 deutschen Besamungsstationen hinsichtlich Buchtenfläche und -gestaltung sowie Management dokumentiert. Folgende Aussagen können an Hand der Untersuchungsergebnisse getroffen werden: 1. Verhalten von EbernEber verbringen den weitaus größten Teil des Tages in liegender Position. Im Mittel wurde das Ruheverhalten zu 80,7 % in 24 Stunden beobachtet, wovon wiederum der Hauptanteil des Liegens in entspannter Ruhelage (= passives Liegen) stattfand. Zwischen 17 Uhr nachmittags und 4 Uhr morgens war eine ausgeprägte Ruhephase der Eber nachzuweisen, hier traten nur vereinzelt Aktivitäten auf. Es bestand eine erhebliche individuelle Varianz im Verhalten der Eber für alle untersuchten Parameter des Ruhe- und Aktivverhaltens. Bezogen auf das Gesamtliegeverhalten variierten die beobachteten Anteile zwischen 65,3 % und 93,1 % in 24 Stunden bei einzelnen Ebern.Jüngere Eber waren tendenziell aktiver als ältere Eber und verbrachten im Vergleich zu diesen einen größeren Teil ihrer Ruhephasen in Brust-Bauchlage (= aktives Liegen) und weniger Zeit in entspannter Seitenlage (= passives Liegen). Im Winter waren im Mittel die täglichen Anteile der Parameter Laufen / Stehen (7,8 %) und Beschäftigung mit Stroh (9,0 %) höher als im Sommer (5,9 % bzw. 7,2 %), dementsprechend war in der wärmeren Jahreszeit der Anteil des Ruheverhaltens höher als im Winter. Bei Zunahme der Buchtenfläche beschäftigten sich die Eber signifikant länger pro Tag mit Stroh. Bei den übrigen Verhaltensparametern waren lediglich Tendenzen einer gesteigerten Aktivität mit steigender Buchtengröße vorhanden. In einer Untersuchung an vier Ebern in einer größenveränderlichen Eberbucht konnte kein (linearer) Zusammenhang zwischen der Buchtengröße und dem Verhalten der Tiere festgestellt werden.Die stärksten Auswirkungen auf das Verhalten der Eber hatten der Faktor Besamungsstation sowie die Interaktion aus Besamungsstation und Jahreszeit. Zwischen den Stationen traten im Mittel Unterschiede bis zu 5,8 % beim Gesamtliegen und bis zu 3,7 % bei der Beschäftigung mit Stroh auf (bezogen jeweils auf die Mittelwerte in 24 Stunden). Durch die Berechnung von Tagesgängen der einzelnen Verhaltensweisen konnte die überragende Bedeutung der Zeitgeber Fütterung, Tränke und Einstreuen der Buchten für die Ausprägung des Verhaltens der Eber gezeigt und ein zeitlicher Zusammenhang zwischen diesen Maßnahmen der Tierbetreuung und dem Auftreten von Aktivverhalten demonstriert werden. Je häufiger die Tiere veranlasst wurden aufzustehen, desto größer waren die beobachteten Anteile des Laufens / Stehens und der Beschäftigung mit Stroh. Hinweise auf das Vorliegen von Verhaltensstörungen wurden bei keinem der observierten Tiere festgestellt. Die Ausprägung von auf das jeweilige Management abgestimmten Aktivitätsrhythmen und die Analyse der Liegepositionen bei Verkleinerung der Buchtenfläche sprechen eher dafür, dass die Tiere durchaus in der Lage waren, sich an die ihnen angebotenen Haltungs- und Umweltbedingungen anzupassen.Unter Berücksichtigung dieser Ergebnisse erscheint es bei der Diskussion um das Mindestplatzangebot für Eber sinnvoller, auf Pauschalforderungen zu verzichten und stattdessen eher differenzierte Vorgaben bezüglich des Managements zu erarbeiten. 2. KörpermaßeDas Altersspektrum der 456 gemessenen Eber reichte von 8 bis 98 Monaten.Bei den Körpermaßen zeigte sich insgesamt eine hohe Schwankungsbreite. Bei einer mittleren Körperlänge von 195,4 ± 12,5 cm betrug die Differenz zwischen Minimum und Maximum 54 cm. Die Widerristhöhe (91,6 ± 6,4 cm) variierte zwischen 76 und 107 cm, die Rückenhöhe (93,2 ± 6,8 cm) zwischen 77 und 109 cm. Auch bei älteren und somit ausgewachsenen Ebern konnten Unterschiede von mehr als 35 cm in der Körperlänge und mehr als 25 cm in der Körperhöhe gefunden werden. An 137 Pietrain-Ebern einer Station konnte gezeigt werden, dass das Wachstum der Eber in Bezug auf die Körperhöhe mit frühestens 24 Monaten abgeschlossen ist, bei der Körperlänge erst mit ca. 33 Monaten. Im Hinblick auf die gesetzlichen Vorgaben zu Mindestflächen für Eber sind daher - analog zur Situation bei Jung- und Altsauen - differenzierte Vorgaben für Jung- und Alteber gerechtfertigt. Auf Grund der eigenen Untersuchungsergebnisse wird folgende Definition für Jungeber vorgeschlagen: Jungeber sind nicht kastrierte männliche Schweine bis zum Alter von 24 Monaten (2 Jahren).Demzufolge kann für Alteber die nachstehende Begriffsbestimmung definiert werden: Eber (Alteber) sind nicht kastrierte männliche Schweine ab einem Alter von 24 Monaten.Weiterhin wurden bei den Körpermaßen sowohl Differenzen zwischen Ebern verschiedener Rassen (bei der Körperlänge bis 11,5 cm und bei der Widerristhöhe bis 9,3 cm) als auch zumindest bei den Pietrain- und BHZP-Ebern zwischen Ebern unterschiedlicher Besamungsstationen bzw. Zuchtregionen festgestellt (bei Pietrain: Unterschiede in der Körperhöhe bis 11,3 cm und in der Widerristhöhe bis 4,8 cm). 3. Sauberkeit von Eberbuchten und EbernBei der Bewertung des Sauberkeitszustands von Besamungsebern und ihrer Buchten in drei Besamungsstationen (n = je 1171) konnten überwiegend gute Noten vergeben werden. Stark verschmutzte Buchten wurden nur in etwa 8 % der Fälle gefunden. Bei lediglich 9 Ebern (0,8 %) wurde der Sauberkeitszustand als schlecht bewertet.Ältere Eber waren auf einem insgesamt guten Niveau tendenziell etwas stärker verschmutzt und befanden sich in geringfügig schmutzigeren Buchten als jüngere Tiere. Im Winter mussten signifikant mehr Buchten (10,8 %) als hochgradig verschmutzt beurteilt werden als im Sommerhalbjahr (5,8 %). Dieser Sachverhalt war in allen drei Stationen zu beobachten.Hingegen wurde kein Einfluss der Buchtengröße auf den Sauberkeitszustand der Eberbuchten und der darin befindlichen Eber gefunden. 4. Dokumentation der Haltungsbedingungen in BesamungsstationenAlle Eber in deutschen Besamungsstationen (untersucht: 21 Stationen mit 4338 Eberplätzen) werden in Buchten gehalten, die zumeist über planbefestigten Boden verfügen. Mehr als 99 % der Eber haben die Möglichkeit zu Sicht- und Schnauzenkontakt mit benachbart aufgestallten Tieren. Etwa 67 % der Buchten weisen eine Fläche von ³ 6 m2 auf. Ca. 45 % der Eber sind definitionsgemäß Jungeber. Ein Teil dieser Tiere steht in Übereinstimmung mit den Vorgaben der EU-Richtlinie 2001/93/EG in kleineren Buchten (als 6 m2). 100 % der Eberbuchten werden mit Stroheinstreu bewirtschaftet, eine Entmistung findet im Mittel 3,3 mal pro Woche statt. Unter Berücksichtigung dieser Tatsache kann die Liegefläche der Tiere als überwiegend trocken, sauber und komfortabel bezeichnet werden. Die Fütterung der Tiere findet in ca. 78 % der Fälle zweimal täglich statt, in den übrigen Fällen gibt es eine tägliche Fütterungszeit.Insgesamt kann eingeschätzt werden, dass die Haltungsbedingungen in den untersuchten Besamungsstationen, die einen Anteil von 64 % aller deutschen KB-Stationen repräsentieren, im Einklang mit den tierschutzrechtlichen Vorgaben der Europäischen Union stehen.

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Erstpublikation in

Wettenberg : VVB Laufersweiler 2004

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