Die Punktion des Sternums stellt eine ergiebige, leicht durchführbare und die in den Kliniken am häufigsten genutzte Methode der Knochenmarksgewinnung dar. In der vorliegenden Arbeit wird neben der Anzucht von MSC aus KM von narkotisierten Pferden erstmals die erfolgreiche Isolation und Anzucht von MSC aus KM von euthanasierten Pferden beschrieben. Bis mindestens 30 Minuten nach der Euthanasie war es in allen Fällen möglich, Knochenmark mit vitalen MSC aus euthanasierten Pferden zu gewinnen. Für die Charakterisierung der MSC wurden kommerziell erhältliche Oberflächenmarker verwendet, mit denen eine Immunophenotypisierung mittels Durchflusszytometrie möglich war. Durch Vorversuche mit 28 vielversprechenden Antikörpern zur Immunophenotypisierung von Stammzellen, konnte ein Marker-Panel von vier Positiv- und zwei Negativmarkern mit Funktionalität auf eMSC zusammengestellt werden. Des Weiteren wurde die Multipotenz der Zellen anhand von adipogener, chondrogener und osteogener Differenzierung nachgewiesen, sowie die Proliferationsfähigkeit unter Standardbedingungen gezeigt. Darüber hinaus wurde ein neuartiges Proliferationsassay etabliert, welches die Möglichkeit bietet, verschieden schnell proliferierende MSC-Populationen zu unterscheiden und damit den Weg zu einer Selektion besonders gut proliferierender Zellen bereitet.Mit den angewandten Verfahren konnten keine signifikanten Unterschiede zwischen den Stammzelleigenschaften von MSC aus narkotisierten und aus euthanasierten Pferden ermittelt werden: Beide Gruppen ließen sich chondrogen, adipogen und osteogen differenzieren, zeigten sich plastikadherent und proliferativ und exprimierten das ausgewählte Oberflächenmarkerprofil: Sie zeigten positive Reaktionen für die Marker CD44, CD90, MHCI und CD105 und negative für CD11a/CD18 und MHCII. Aufgrund der Abwesenheit von MHCII auf den Zellen, liegt die Vermutung nahe, dass sie sich auch für eine allogene Transplantation eignen.Die Ergebnisse dieser Arbeit sind vielversprechend für die Etablierung der allogenen Stammzelltherapie mit MSC aus Knochenmark. Für den zukünftigen Einsatz in der Pferdemedizin bedarf es allerdings noch weiterer Studien, beispielsweise zum Einfluss der angewandten Pharmaka bei den euthanasierten Pferden auf die Qualität der MSC, und In-Vivo-Studien zur Verträglichkeit von allogenen MSC. Damit könnte der Weg bereitet werden, die allogene Stammzelltherapie zukünftig als sichere Therapiemethoden im Bereich des Tissue Engineering in der Pferdemedizin etablieren zu können.
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