Die Förderung von sprachlichen Kompetenzen ist eine zentrale Aufgabe der vorschulischen Bildung. Das Angebot an unterschiedlichen Methoden und Trainings ist in den letzten Jahren stark angewachsen Allerdings liegt selbst für etablierte Sprachfördermaßnahmen bislang kaum wissenschaftliche Evidenz für die Wirksamkeit vor (Jampert et al., 2007). Hinweise auf evidenzbasierte Sprachförderung finden sich zumeist in internationalen Untersuchungen (Justice &
Pullen, 2003). Eine vielbeachtete Methode ist hier das Dialogische Lesen (Whitehurst et al., 1988). Im anglo-amerikanischen Raum konnte das sprachförderliche Potential in verschiedenen Untersuchungsbedingungen nachgewiesen werden (z.B. Mol et al., 2008; 2009; Slavin, 2008). Für den deutschen Sprachraum liegen bislang noch keine umfassenden Studien vor. Die vorliegende Trainingsstudie befasst sich mit der Frage, ob das Dialogische Lesen auch in deutschen Kindergärten zur Förderung von Risikokindern in Kleingruppen als wirksame Sprachfördermethode eingesetzt werden kann. Hierfür wurden aus einer Ausgangsstichprobe von 660 Kindern 174 sprachauffällige Risikokinder mit Hilfe eines Sprachscreenings (Grimm, 2003) ausgelesen und randomisiert zu einer von drei Untersuchungsbedingungen zugewiesen. Kinder der Trainingsgruppen nahmen entweder an einer Förderung im Sinne des Dialogischen Lesens (n = 59) oder an einem Training der Phonologischen Bewusstheit (n = 58) teil. Die Kontrollgruppe (n = 57) erhielt das konventionelle Sprachförderangebot der Kindergärten. Der Interventionszeitraum erstreckte sich über 3 Monate. Insgesamt wurden 24 Fördersitzungen erteilt. Vor und nach der Förderung, sowie 3 Monate danach, wurden sprachliche und metasprachliche Kompetenzen (Wortschatz, Grammatik, Sprachverständnis, Phonologische Bewusstheit) erfasst. Kontrollvariablen waren die Intelligenzleistung, die Arbeitsgedächtnisleistung und das Erzieherurteil in Bezug auf die Sprachentwicklung der Kinder. Außerdem wurde ein eigenes Instrument entwickelt mit dem die Durch-führungsqualität im Dialogischen Lesen erfasst werden konnte. Die Ergebnisse zeigen, dass Kinder, die am Dialogischen Lesen teilnahmen, im Nachtest signifikant bessere Leistungen im Sprachverständnis und in der Artikelbildung erzielen als Kinder aus der Trainingsgruppe Phonologischen Bewusstheit und aus der Kontrollgruppe. In der morphologischen Entwicklung sind beide Trainingsgruppen der Kontrollgruppe überlegen. Außerdem leistet die Durchführungsqualität im Dialogischen Lesen einen signifikanten Beitrag zur Erklärung der Fördereffekte. Kinder von Trainern, bei denen eine hohe Durchführungsqualität im Dialogischen Lesen festgestellt werden konnte, profitierten im Wortschatz und im Sprachverständnis mehr, als Kinder von Trainern, bei denen die Durchführungsqualität weniger hoch eingeschätzt wurde. Die Kinder aus dem Training zur Phonologischen Bewusstheit, sind wie erwartet dem Dialogischen Lesen und der Kontrollgruppe in der Phonologischen Bewusstheit überlegen. Zusätzlich ergibt sich für diese Gruppe ein signifikanter Effekt in der syntaktischen Entwicklung. Langfristige Effekte bleiben derweil aus.
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