Die kongenitale Hüftdysplasie gilt als die häufigste Ursache einer sekundären Coxarthrose. Eine der Hauptsäulen der Therapie der Dysplasiecoxarthrose ist der totalendoprothetische Hüftgelenksersatz. Hierbei stellen, im Vergleich zur totalendoprothetischen Versorgung der primären Coxarthrose, u.a. auch Veränderungen in der Morphologie des proximalen Femurs große Herausforderungen dar. Darüber hinaus sind bei vielen Patienten mit einer Dysplasiecoxarthrose bereits gelenkverbessernde Voroperationen am Becken oder Femur durchgeführt worden.Ziel dieser Arbeit war es, die Morphologie des proximalen Femurs bei der Dysplasiecoxarthrose unter Berücksichtigung voroperierter Hüften anhand vorliegender, konventioneller Röntgenbilder zu beschreiben. Hierfür wurden präoperative a.p.-Hüft- und Beckenaufnahmen von 261 Hüften (225 weiblich, 36 männlich) mit einer Dysplasiecoxarthrose ausgewertet, die im Klinikum Dortmund einen totalendoprothetischen Gelenkersatz erhalten haben. Bei 81 versorgten Hüftgelenken erfolgte präoperativ eine Rippstein-II-Aufnahme, die ebenfalls ausgewertet wurden. Das durchschnittliche Alter zum OP-Zeitpunkt lag bei 48,9 Jahren (jüngster Patient 24 Jahre, ältester 78 Jahre). Nach Hartofilakidis-Klassifikation ließen sich 218 der untersuchten Hüften (= 84,3 %) der Klasse A, 28 (= 10,7 %) der Klasse B und 13 (= 5 %) der Klasse C zuordnen. Bei 107 der 261 (= 41 %) untersuchten Hüftgelenke fanden bereits Voroperationen am Becken- und/oder Femurknochen statt (77 voroperierte Becken, 60 voroperierte Femora).Die Auswertung der Messparameter zeigte keine geschlechtsabhängigen Unterschiede in der Morphologie, jedoch sind die männlichen Femora in ihren äußeren und inneren Ausmaßen größer als die weiblichen. Es hat sich weiterhin gezeigt, dass die Femora bei der Dysplasiecoxarthrose in Abhängigkeit vom Dysplasieschweregrad nach Hartofilakidis hinsichtlich ihrer Morphologie eine große Varianz aufweisen. Insbesondere die hoch dislozierten Klasse-C-Femora sind in ihrer Form und ihren Ausmaßen signifikant verschieden. So sind u.a. die hoch dislozierten Femora in ihren Ausmaßen kleiner, weisen eine größere Antetorsion auf und haben eine geradere und schlankere Markkanalform als die nicht dislozierten Femora. Auch femorale Voroperationen beeinflussen die Form des proximalen Femurs. So ist die Antetorsion der voroperierten Femora geringer als bei den nicht voroperierten, bezüglich des CCD-Winkels liegen jedoch keine signifikanten Unterschiede vor. Das Offset des Kopfes der voroperierten Femora ist signifikant größer. Die Ausmaße des Markkanals sind im Allgemeinen breiter. Beim mittleren Canal Flare Index zeigen sich keine signifikanten Unterschiede, wohl aber in der Verteilung der drei Markkanalkonfigurationen normal , Ofenrohr und Champagnerglas : Es liegen signifikant mehr Ofenrohrform-Femora zulasten der Normalform-Femora vor.Die geläufigsten radiologischen Klassifikationssysteme der Hüftdysplasie bei Erwachsenen sind die Crowe- und die Hartofilakidis-Klassifikation. Beide Systeme berücksichtigen jedoch nicht das voroperierte dysplastische Hüftgelenk.In den eigenen Untersuchungen wurde die Klassifikation nach Hartofilakidis et al. bevorzugt. Um die Besonderheiten voroperierter Hüftgelenke einzubeziehen, ist eine Erweiterung der Klassifikation zu empfehlen. So lassen sich die Limitationen bei voroperierten Femora bzw. Acetabula durch Hinzufügen einer Erweiterung zu den Hartofilakidis-Klassen A, B und C beseitigen. Femorale Voroperationen können durch das Suffix f , Voroperationen am Becken durch das Suffix a und vorausgegangene Operationen an Becken- und Femurknochen mit dem Suffix fa gekennzeichnet werden.
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