Chlamydophila pneumoniae ist ein gram-negatives, obligat intrazelluläres Bakterium. Beim Menschen ist es als Erreger von Infektionen des oberen und unteren Respirationstraktes weit verbreitet. Seit einigen Jahren mehren sich die Hinweise für eine C. pneumoniae vermittelte Initiation oder Akzelleration der Arteriosklerose. Der pathogenetische Zusammenhang ist jedoch noch weitgehend unklar. Ziel dieser Arbeit war es, die Reaktionen von humanen Endothelzellen auf Infektion mit C. pneumoniae zu untersuchen. Von besonderem Interesse waren hierbei Hämostasefaktoren (Plasminogen-Aktivator-Inhibitor-1 (PAI-1) und Thrombomodulin (TM)) und frühe Transkriptionsfaktoren (c-jun, c-fos, Egr-2/KROX-20). Zu diesem Zweck wurden sowohl C. pneumoniae als auch humane umbilikal-venöse Endothelzellen (HUVE-Zellen) kultiviert. Die HUVE-Zellen wurden daraufhin mit C. pneumoniae infiziert, inkubiert und nach bestimmten Zeiten analysiert. Als Vergleich diente eine nicht infizierte Referenzgruppe. Die Analyse der Endothelzellreaktion erfolgte im Bezug auf Zellaktivität, mRNA-Expression und Protein-Synthese. Die verwendeten Verfahren waren Northern Blot, zellulärer Enzyme-linked immuno sorbent Assay (ELISA) und Western Blot. Bei den untersuchten Hämostasefaktoren zeigte sich nach 24 Stunden eine erniedrigte Thrombomodulin-mRNA-Expression (um 20%) und eine erhöhte PAI-1-mRNA-Expression (um 40%) gegenüber der Kontrollgruppe. Die Differenz zu der Kontrollgruppe ließ sich bei der PAI-1-mRNA-Expressionskinetik noch bis zu 48 Stunden nach Infektion nachweisen. In der Präsenz von Thrombomodulin an der Zelloberfläche konnte mittels eines zellulären ELISAs ebenfalls ein Unterschied zur Kontrollgruppe nachgewiesen werden. Es fand sich ein Rückgang des Thrombomodulin-Antigens um 20-30% in einem Zeitraum von 48 Stunden nach der Infektion. Es konnte eine deutliche Erhöhung der mRNA-Expression der untersuchten frühen Transkriptionsfaktoren festgestellt werden. Bei allen kontrollierten Zeitpunkten zeigte sich ein Expressionsunterschied von infizierten Zellen zu nicht infizierten. Ein Maximun erreichte die Expression nach 30 Minuten bei c-jun und Egr-2/KROX-20, nach 1 Stunde bei c-fos. Im Western Blot wurde bei infizierten Zellen ebenfalls eine Erhöhung von c-jun/AP-1 ermittelt.
Die Ergebnissse legen nahe, daß eine Infektion mit C. pneumoniae humane Endothelzellen in einen aktivierten, prokoagulatorischen Zustand versetzen. Eine Infektion mit C. pneumoniae bewirkt somit pro-arteriosklerotische Veränderungen der Gefäße. Ob dies jedoch in der klinischen Praxis eine Rolle spielt, kann man aufgrund dieser Ergebnisse nicht vorhersagen. Diese Aussage muß weiteren Untersuchungen vorbehalten bleiben.
Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen