Blutzellzählung und -differenzierung bei Pferd und Schwein mit dem Hämatologiesystem ADVIA 120 : Gerätevalidierung und Softwareadaptation

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Ziel dieser Arbeit war die Erstellung einer geeigneten Multi-Spezies-Software für das Hämatologiesystem ADVIA 120 und die Evaluierung für die Tierarten Pferd und Schwein. Zur Prüfung der Tauglichkeit des ADVIA 120 für den Messeinsatz an Pferde- und Schweineblut, wurde nach vorliegendem Protokoll der Nationalen Zulassungsbehörde (FDA, USA) in enger Anlehnung an die ICSH-Richtlinen: 1. eine Präzision über verschiedene Serien hinweg und eine Präzision innerhalb der Serie durchgeführt. Für die Parameter WBC, RBC und die Erythrozytenindizes konnte in der vierten Softwareversion eine extrem geringe Variabilität (CV < 1,9%) für beide untersuchten Tierarten ermittelt werden. Die Thrombozytenzählung ergab Variationskoeffizienten von CV = 3,6% (Pferd) und 4,6% (Schwein) und lag hier deutlich unter denen in der Literatur angegebenen Grenzwerte. Die Variabilität der Retikulozytenzählung blieb bei Schweineblut mit Werten zwischen CV = 5,6% und 9,1% in einem sehr guten Bereich. Pferderetikulozyten wurden gefunden, waren jedoch wegen des geringen Aufkommens durch eine hohe Streubreite gekennzeichnet. Eine sehr gute Reproduzierbarkeit der Ergebnisse lässt sich ebenfalls für das Differenzialblutbild feststellen. Die in hoher Zellzahl vorkommenden neutrophilen Granulozyten und Lymphozyten können mit dem ADVIA 120 mit einer erfreulich geringen Varianz bestimmt werden. Werte von CV = 1,3% bis 2,5% liegen auch hier deutlich unter den Angaben aus der Literatur. Monozyten zeigen mit 10% (Pferd) und 15% (Schwein) eine vergleichsweise geringe Variabilität. Eosinophile und basophile Granulozyten des Schweins liegen bei CV < 11%, während hier für Pferdeblut höhere Varationskoeffizienten (CV = 11 - 16%) ermittelt werden. Die anhand von 25-fach Messungen ermittelte Präzision innerhalb der Serie erbrachte erwartungsgemäß ebenfalls ein sehr gutes Ergebnis. Mit Ausnahme des WBC beim Schwein (CV 3,4%) und der PLT- Zählung (Schwein CV = 2,9%, Pferd CV = 5,4%) lagen die CV-Werte z. T. deutlich unter 2%. Retikulozyten beim Schwein zeigen eine Streubreite von 7,8% bis 9,8%. 2. die Richtigkeit der ADVIA 120 Messung anhand des Methodenvergleichs überprüft. Als Referenz- und Vergleichsgeräte bzw. -methoden dienten H*1, Sysmex F-800, Mikrohämatokritzentrifuge, die manuelle Leukozytendifferenzierung mit 200 sowie die Retikulozytenzählung mit 1000 ausgezählten Zellen. Die Blutzelldifferenzierung erfolgte mittels panoptisch gefärbter Blutausstriche nach Pappenheim, den zytochemischen Färbungen Peroxidase und Alphy-Naphtyl-Acetat-Esterase und einer Supravitalfärbung mit Brilliantkresylblau für die Retikulozytenzählung. Vergleichsmessungen des ADVIA 120 mit dem H*1 ergaben sehr gute bis exzellente Korrelationen. Herausragend vor allem WBC, RBC, MCV des Pferdes und RBC des Schweines mit Werten von r > 0,99. Für Thrombozyten lagen die Werte bei r = 0,973 (Pferd) und r = 0,955 (Schwein). Die Korrelationen des ADVIA 120 mit dem Sysmex F-800 lagen insgesamt niedriger, für WBC, RBC und HGB mit r > 0,95 aber immer noch in einem sehr guten Bereich. Die Messergebnisse der Thrombozytenzählung hingegen unterstreichen mit r = 0,289 (Pferd) und r = 0525 (Schwein) deutlich die Unterschiede in der Messtechnologie. Mit seiner neuen zweidimensionalen, erweiterten Thrombozytenanalyse, ist der ADVIA 120 dem Impedanzverfahren (F-800) deutlich überlegen. Retikulozyten wurden bei beiden Tierarten gefunden. Sie korrelieren beim Schwein mit r = 0,489 mäßig, während bei Pferden keine Übereinstimmung vorhanden war. Im Differenzialblutbild konnte für neutrophile Granulozyten und Lymphozyten beider Tierarten ein hochsignifikanter Zusammenhang der Ergebnisse ermittelt werden. Beste Übereinstimmung zeigte Schweineblut (r = 0,974) für den Vergleich ADVIA 120 / panoptische Färbung. Eosinophile Granulozyten des Schweines korrelierten in allen drei Färbungen (r = 0,863 - 0,93) besser als die des Pferdes. Für Monozyten konnten nur geringe r = 0,391 (Pferd) bzw. keine (Schwein) Übereinstimmungen erreicht werden. 3. Linearität und Verschleppung in unterschiedlichen Messbereichen getestet. Die bei der Linearitätsprüfung ermittelten Korrelationen erwiesen sich als hervorragend. Sie lagen für die untersuchten Parameter Erythrozytenzahl (RBC 0,00 bis 12,43 1012/l), Hämoglobin (HGB 0,00 bis 14,1 mmol/l), die Gesamtleukozytenzahl (WBC 0,00 bis 107,88 x 109/l) und Thrombozyten (PLT 64 bis 961 x 109/l) zwischen r = 0,98 und 1,00. Die Werte für den Grad der Verschleppung (carry over) liegen für die dargestellten Parameter RBC, HGB, WBC und PLT zwischen 0,00 und 0,29 %. 4. ein Vergleich der am meisten verwendeten Antikoagulanzien durchgeführt.Im Vergleich der Antikoagulanzien K3EDTA, Li-Heparin und Na-Citrat konnten signifikante Veränderungen bezüglich der Thrombozytenparameter in Li-Heparinblut nachgewiesen werden. Am besten geeignet zur Blutanalyse am ADVIA 120 ist der Gerinnungshemmer K3EDTA. 5. der Einfluss von Lagerungstemperatur und -dauer ermittelt.In Verlaufsuntersuchungen über 72 Stunden wurde die Stabilität von Pferde- und Schweineblut sowie das Messverhalten des ADVIA 120 während der Probenalterung in Abhängigkeit von der Lagerungstemperatur überprüft. Da der ADVIA 120 vor allem Einsatz im Großlabor findet, spielt der Einfluss von Zeitraum und Art der Lagerung auf die Blutparameter eine entscheidende Rolle bei deren Beurteilung. Pferdeblut erweist sich als relativ temperaturunabhängig, während die Blutparameter des Schweines signifikante Abweichungen zeigen. Bei Untersuchung der Thrombozyten des Pferdes spielt die Lagerungstemperatur in den ersten 24 Stunden keine Rolle. Eine Retikulozytenbestimmung sollte innerhalb von 3 Stunden nach Blutentnahme erfolgen, da die Retikulozytenparameter deutliche Abhängigkeit von der Lagerungsart zeigen. Im Ergebnis sollte Schweineblut immer sofort gekühlt werden. Pferdeblut hingegen nur, wenn die Untersuchung voraussichtlich mehr als 24 Stunden nach Blutentnahme durchgeführt wird. 6. die Ausgabe der grapischen Darstellungen mittels Fallbeispielen beurteilt.Anhand von ausgewählten Beispielen wurden die Vorteile der graphischen Darstellung aufgezeigt. Hierbei wird die Beurteilung der Messergebnisse in Form von Zytogrammen besonders bei Proben mit pathologischen Veränderungen extrem erleichtert. Schnelles Erkennen von abnormem Zellaufkommen (quantitativ und qualitativ) oder abweichender Zellmorphologie stellt in der automatisierten Labordiagnostik ein unabdingbares Hilfsmittel zur Diagnosefindung und Qualitätssicherung dar. Das Hämatologiesystem ADVIA 120 ist mit seiner Multi-Spezies-Software für die Tierarten Pferd und Schwein in der klinischen Labordiagnostik sehr gut einsetzbar. Grenzen liegen hier lediglich bei der Beurteilung der Monozytendiagnostik. Ansonsten misst der ADVIA 120 mit größter Genauigkeit und ermittelt verlässliche Ergebnisse bei Zellzählung und -differenzierung.

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Erstpublikation in

Wettenberg : VVB Laufersweiler 2006

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