Die Daten von Endometriosepatientinnen des Centrum für IVF (CIF) der Universitätsklinik Gießen aus den Jahren 1988 bis 2004 wurden ausgewertet und mit zwei Kontrollgruppen (Patientinnen mit andrologischer Indikation, bzw. Tubenfaktor) bezüglich Stimulations-, Schwangerschafts- und Geburtsverlauf verglichen. Außerdem wurde die Gruppe der Endometriosepatientinnen nach dem Stadium der Endometriose anhand der ASRM-Klassifikation in vier Untergruppen eingeteilt, die ebenfalls miteinander verglichen wurden. Das Ziel der Arbeit war herauszufinden, ob der Verlauf von Behandlung, Schwangerschaft und Geburt bei Endometriosepatientinnen anders ist als bei Patientinnen mit anderen Indikationen.
Bezüglich Stimulationsdaten und Durchführung der IVF/ICSI-Behandlung, zwischen denen kein Unterschied in der Auswertung gemacht wurde, konnte auf die Datenbank des CIF zurückgegriffen werden. Die Fragen zum Verlauf der Schwangerschaften und Geburten wurden von den Patientinnen anhand eines Fragebogens beantwortet.
Unterschiede fanden sich vor allem bei der Behandlung: Endometriosepatientinnen benötigen bei der ovariellen Stimulation größere Mengen des Stimulationsmedikaments und müssen länger stimuliert werden als Patientinnen mit andrologischer Indikation. Einfluss auf Dauer und Menge der Stimulation nimmt zudem das Alter der Patientinnen, was durch eine schlechtere Stimulierbarkeit der Tubenfaktorpatientinnen bei signifikant höherem Alter gezeigt werden konnte.
Findet nach der Stimulation die Eizellpunktion statt, können meistens weniger Oozyten gewonnen werden als in den Kontrollgruppen. Die Anzahl der inseminierten Eizellen weicht allerdings nicht mehr ab von der Anzahl derer aus den Kontrollgruppen.
Die verschiedenen Schweregrade der Endometriose hatten keinen Einfluss auf diese Faktoren: Patientinnen mit schwerer Endometriose mussten grundsätzlich nicht länger oder in höheren Mengen stimuliert werden als Patientinnen mit leichter Endometriose. Außerdem war die Anzahl an gewonnenen Oozyten ähnlich.Obwohl scheinbar die ovarielle Antwort bei Endometriosepatientinnen nicht so gut ist wie bei Patientinnen ohne Endometriose, lässt sich feststellen, dass, sobald die Eizellen erfolgreich befruchtet wurden, die Chancen, eine Schwangerschaft zu erreichen, für Endometriosepatientinnen ebenso hoch ist wie die der Patientinnen aus den Kontrollgruppen. Außerdem hat sich herausgestellt, dass die Stimulation in Kombination mit einer Down-Regulation nach dem long-protocol zu einer höheren Schwangerschaftsrate bei Endometriosepatientinnen führt. Allerdings sind in Fällen von schwerer Endometriose die Chancen weniger günstig als bei leichter.
Im Verlauf der Schwangerschaft können überhaupt keine Unterschiede entdeckt werden, weder zwischen den einzelnen Hauptindikationsgruppen noch in den Endometriosegruppen untereinander: Abort- und Geburtsraten, sowie Mehrlingsschwangerschaften treten mit ungefähr gleicher Häufigkeit auf. Schwangerschaftskomplikationen kommen vor, allerdings prozentual gleich verteilt. Eine erhöhte Inzidenz von schwangerschaftsinduzierter Hypertonie, Gestationsdiabetes, vorzeitigen Wehen oder Präeklampsie konnten nicht speziell für eine Gruppe konstatiert werden. Auch die Dauer der Schwangerschaften und der Verlauf der Geburten verliefen in den Gruppen ähnlich. Kaiserschnitte kamen häufiger bei Mehrlingsgeburten vor. Da Mehrlingsgeburten bei Endometriosepatientinnen aber gleich häufig vorkamen wie bei den Patientinnen der Kontrollgruppen, waren Sectiones auch prozentual gleich häufig. Gelegentlich mussten Kinder nach der Geburt in der Kinderklinik behandelt werden, was aber in den meisten Fällen auf die hohe Anzahl an Frühgeburten zurückzuführen war. Missbildungen oder Todesfälle kamen vor, jedoch selten und ebenfalls nicht gehäuft in der Endometriosegruppe. Zieht man alle Ergebnisse dieser Studie in Betracht, so ist es zwar unter der Diagnose Endometriose etwas schwieriger eine gute ovarielle Antwort bei der Stimulation zu erreichen, aber einmal schwanger, muss man nicht mit einem erschwerten Schwangerschaftsverlauf oder mehr Komplikationen rechnen als andere Patientinnen, die sich einer IVF/ICSI-Behandlung unterziehen.
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