Die traumatischen Hüftverletzungen haben innerhalb der letzten hundert Jahre einen enormen Zuwachs aufgrund der überproportional starken Zunahme von Hochrasanztraumen erfahren.Bei ausschließlich traumatischer Hüftluxation läßt sich die Diagnose klinisch anhand der typischen Fehlstellung des Beines in federnder Fixation stellen.Bei Hüftluxationen mit begleitender Verletzung wie z. B. ipsilateraler Femurschaft- oder Schenkelhalsfraktur wird die Diagnose erst durch das Röntgenbild aufgedeckt.Es ist deshalb zwingend notwendig, bei entsprechenden Verletzungen (dash-board) die Röntgendiagnostik auf das Becken auszudehnen.Die notfallmäßige Reposition des luxierten Gelenkes innerhalb 6 Stunden ist wesentlich für eine günstige Prognose und damit für das Schicksal des Hüftgelenks entscheidend.Ansonsten kommt es wegen Gefährdung der Blutversorgung des Hüftkopfes über die Kapselgefäße zu Zirkulationsstörungen und zur Hüftkopfnekrose.Vielfältige therapeutische Maßnahmen und uneinheitliche Arten der Nachbehandlung lassen eine Überprüfung der eigenen durchgeführten therapeutischen Vorgehensweisen ratsam erscheinen.Von insgesamt 55 Patienten, die in den Jahren 1973 bis 1997 in der Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie der JLU Gießen versorgt wurden, konnten 49 Patienten mit 28 Hüftluxationen und 22 Pipkinfrakturen persönlich nachuntersucht werden.In unserem Krankengut ließ sich bei den ausschließlichen Hüftluxationen ein deutlicher Zusammenhang zwischen frühzeitiger, schonender Reposition und einem guten Endergebnis festgestellen. Bei Patienten mit Hüftkopffrakturen konnte eine Hüftkopfnekrose nur bei unmittelbarer Reposition vermieden werden, wobei wir jedoch bei einem Repositionszeitpunkt zwischen 12 und 24 Stunden ebenfalls keine Hüftkopfnekrose nachweisen konnten.Mißlingt eine geschlossene Reposition oder liegt ein primärer Ischiadicusschaden vor, muß eine sofortige offene Reposition durchgeführt werden.Isolierte Hüftluxationen traten seltener auf, wiesen jedoch bessere Endergebnisse als Patienten mit Hüftkopffrakturen nach Pipkin auf.Bei der Behandlung dieser schweren Verletzungen ist ein konsequentes Behandlungsregime zu fordern. Bei beiden Verletzungsformen muß eine sofortige Reposition der Hüfte mit anschließender kurzfristiger Extensionsbehandlung des Gelenkes erfolgen.Die Spätprognose ist vom Frakturtyp, dem Ausmaß der Hüftgelenksschädigung sowie den Begleitverletzungen abhängig. Es ist deshalb von großer Bedeutung eine sichere Diagnose zu stellen und eine zügige, adäquate Therapie einzuleiten.In dem hier vorgestellten Patientengut kamen unterschiedliche operative Vorgehensweisen zur Versorgung der Hüftkopffrakturen zur Anwendung.Aufgrund der kleinen Fallzahl von 22 Patienten mit Hüftkopffrakturen davon 3 konservativ behandelt läßt sich eine Wichtung der einzelnen Operationsverfahren nicht durchführen. Dazu müßte man innerhalb der 4 Gruppen nach der Pipkin-Klassifikation mehr Patienten haben.Zusammenfassend läßt sich anhand unserer Untersuchungsergebnisse trotz obengenannter Einschränkung jedoch feststellen, daß im Langzeitverlauf weder das konservative noch das operative Vorgehen die komplette Revaskularisation des Hüftkopfes oder die Regeneration des kontusionierten Knorpels garantiert.Im Vergleich zu den traumatischen Luxationen stellten die sog. Pipkinfrakturen die ungünstigere Verletzungsart dar mit hoher Inzidenz zu posttraumatischer Arthrose oder Hüftkopfnekrose sowie paraartikuläre Verkalkungen.
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