Beitrag von Verträgen zur Steuerung von Pflegequalität : empirische Untersuchung am Beispiel der vollstationären Pflege
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Zusammenfassung
Das System der pflegerischen Versorgung besteht aus dem häuslichen, ambulantenund stationären Leistungssektor und wird durch eine Vielzahl von Akteuren mit unterschiedlichenInteressen gebildet. Dabei ist die Gewährleistung, Sicherung und Weiterentwicklungvon Pflegequalität die gemeinsame Aufgabe aller beteiligten Akteure. Umdieser Verpflichtung gerecht zu werden, kommt eine Vielzahl von Instrumenten zumEinsatz. Verträge sind eines dieser Werkzeuge. Die verfügbare Literatur befasst sich nur ungenügend mit der Bedeutung von Verträgenfür die Steuerung von Pflegequalität. Aus diesem Grund erörtert die vorliegende Forschungsarbeitden derzeitigen Einsatz von Verträgen als Steuerungsinstrument vonPflegequalität und identifiziert Optimierungspotentiale. Die Dissertation beruht auf einerLiteraturanalyse und der empirischen Untersuchung der Vertragslandschaft des vollstationärenPflegesystems. Neun Vertragsarten werden anhand ausgewählter Vertragsbeispieleinhaltsanalytisch im Hinblick auf ihren Beitrag zur Steuerung vonPflegequalität beurteilt. Grundsätzlich zeigt die Arbeit auf, dass Verträge vor allem im ambulanten und stationärenLeistungssektor Einsatz finden und dort eine pflegequalitätssteuernde Wirkunginnehaben. Der häusliche Pflegesektor wird hingegen nur indirekt von Verträgen tangiert,was hauptsächlich mit der Schutzwirkung des Grundgesetzes und der Nicht-Beruflichkeit der häuslichen Pflege zu begründen ist. Häusliche Pflegequalität unterliegtfolglich keiner unmittelbaren Steuerungswirkung von Verträgen. Im Bereich der ambulanten und stationären Pflege äußert sich der Nutzen von Verträgenin mehrfacher Hinsicht. Im Rahmen ihrer individuellen Vertragsziele legen Verträgeumfangreiche Qualitätsanforderungen fest, die der Steuerung von Pflegequalität dienen.Zugleich helfen Verträge den Akteuren bei der Durchsetzung ihrer individuellenSichtweisen von Pflegequalität und unterstützen sie bei der Erfüllung ihrer gesamtgesellschaftlichenAufgaben, der Sicherung und Weiterentwicklung von Pflegequalität. Die aktuelle Vertragspraxis birgt jedoch auch Probleme. Verträge werden zwar alsSteuerungsinstrument von ambulanter und stationärer Pflegequalität eingesetzt, allerdingsgeschieht dies ohne eine umfassende Beschreibung des Steuerungsobjekts undohne eine schlüssige und evaluierte Steuerungsstrategie. Derzeit existiert weder inDeutschland noch international eine umfassende und anerkannte Definition des Pflegequalitätsbegriffs.In sachlogischer Konsequenz mangelt es auch an einer fundiertenund zwischen den Akteuren abgestimmten Vorgehensweise zur Steuerung von Pflegequalitätdurch Verträge. Eine maßgebliche Schwäche ist, dass die Steuerung hauptsächlichdurch detaillierte Vorgaben zur Potenzial- und Prozessqualität erfolgt. Diesebewirken eine Einschränkung der Handlungsfreiheit der ambulanten und stationärenLeistungserbringer und sind zudem mit einem hohen bürokratischen Aufwand verbunden.In der derzeitigen Vertragsgestaltung sind aktuelle Forschungsergebnisse, die dieBedeutung der Ergebnisqualität hervorheben, nicht ersichtlich. Weiterhin ist zu konstatieren,dass keine Gleichberechtigung zwischen den Vertragspartnern herrscht. Bedingtdurch unterschiedliche Vertragskompetenzen und Machtpositionen nehmen dieAkteure in ungleichem Maß Einfluss auf die inhaltliche Vertragsgestaltung. Hierausfolgt, dass sie Verträge nur in ungleichem Ausmaß als Steuerungsinstrument von Pflegequalitäteinsetzen können. Auf Basis dieser Erkenntnisse lassen sich verschiedene Ansatzpunkte für eine Optimierungdes Einsatzes von Verträgen in der Pflege ableiten. Insbesondere ist zu empfehlen,dass eine umfassende, von allen Beteiligten anerkannte Definition des Begriffsder Pflegequalität sowie eine schlüssige Steuerungsstrategie für Pflegequalität erarbeitet,evaluiert und etabliert werden sollte. Hierfür ist die Evaluation und Implementierungvon akzeptierten Qualitätsindikatoren notwendig, die das anzustrebende Qualitätsniveauder pflegerischen Versorgung abbilden. Auf Basis dieses Punktes könntenachfolgend eine konsistente und systematische Strategie für den Einsatz von Verträgenals Steuerungsinstrument von Pflegequalität erarbeitet werden. Dabei sollte eineergebnisorientierte Steuerung im Sinne des New Public Management-Ansatzes angestrebtwerden. Dies könnte durch den Ausbau der vertraglichen Vorgaben zur Ergebnisqualitäterreicht werden. Hierbei ist es ratsam, dass Ergebnisindikatoren Berücksichtigungfinden, die von den Akteuren integrativ erarbeitet und gemeinsam konsentiertwurden. Im Gegenzug sollten die Vorgaben zur Potenzial- und Prozessqualitätabgebaut werden, um den ambulanten und stationären Leistungserbringern einen größerenEntscheidungsspielraum zu gewähren und einen Beitrag zur Entbürokratisierungzu leisten. Weiterhin ist eine verstärkte Überwachung der Vertragsdurchführung zubefürworten. Denn nur, wenn die Vertragspartner ihre vertraglichen Rechte und Pflichteneinfordern und erfüllen, können Verträge ihre steuernde Wirkung auf die Qualität inder Pflege entfalten.Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen
Beschreibung
Anmerkungen
Erstpublikation in
Giessen : VVB Laufersweiler 2008
