Die Versorgung von HIV-Patienten im ländlichen Raum Mittelhessens : Eine monozentrische Datenerhebung zur Darstellung der aktuellen allgemeinen und medizinischen Versorgung von HIV Patienten in Mittelhessen. Aufzeigen von Zukunftsperspektiven aufgrund der zu erwartenden Morbiditätsentwicklungen

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HIV hat in den letzten 15 Jahren durch einen Prozess der medizinischen (nicht gesellschaftlichen) Normalisierung ein anderes Gesicht bekommen. Die modernen Medikamente bewirken eine deutliche Zunahme der Lebenserwartung von HIV-Infizierten. Die Viruslast lässt sich regelhaft unter die Nachweisgrenze reduzieren, die begleitenden Nebenwirkungen der HAART sind zunehmend geringer. Zukünftig wird daher ein höherer Bedarf an ambulanten Pflegediensten, stationärer / tagesklinischer Pflege sowie Altenheimplätzen bestehen.In der Vor-DRG-Ära war es möglich, Patienten so lange stationär zu versorgen, bis diese in einem hinreichend guten körperlichen Zustand in die ambulante Weiterbetreuung nach Hause entlassen werden konnten. Die Stabilisierungsphase auf Station bot Gelegenheit sich mit dem neuen Krankheitsbild auseinanderzusetzen ( Coping ), depressive Verstimmungen konnten erkannt und anbehandelt werden. Es war möglich Perspektiven zu entwickeln und die Voraussetzungen für Therapietreue zu schaffen. Dies könnte im DRG-Zeitalter nicht ohne finanzielles Defizit geleistet werden. Die HIV-Infizierten müssen daher aktuell deutlich früher und unvorbereiteter entlassen werden.Immer häufiger ist außerdem die Verlagerung der Behandlung nicht HIV-assoziierter Erkrankungen des älter werdenden Patientenklientels in die infektiologische Spezialambulanz zu beobachten, was personelle, apparative und finanzielle Ressourcen bindet. Defizite bei der Behandlung HIV-Infizierter in Mittelhessen: Gefühl mangelnder Qualität und Expertise bei Haus- und Fachärzten sowie ambulanten Pflegediensten. In ländlichen Gebieten unzureichende Infrastruktur der HIV-Versorgung, dies bedroht Compliance / Adhärenz. Stigmatisierung und Diskriminierung im Gesundheitswesen. Angst vor Outing in Beruf und gegebenenfalls Familie. Ansätze zur Lösung sind Reduktion von Stigmatisierung und Diskriminierung im Alltag sowie gesteigerte Lebensweisenakzeptanz. Nicht existent sind aktuell adäquate Nachsorgeeinrichtungen stationärer oder kurzstationärer Art. Unzureichende medizinische und verkehrstechnische Infrastruktur. Im ländlichen Raum mangelt es an einer qualitativ angemessenen haus- und fachärztlichen insbesondere aber auch einer psychosozialen Versorgung.Folge sind Outing-Angst der Betroffenen, mangelnde Compliance und häufigere stationäre Aufenthalte sowie eine Zunahme der Zahl der late presenter, da hinweisende Symptome nicht wahrgenommen oder fehlinterpretiert werden.Besondere Schwierigkeiten werden bei HIV-Patienten auftreten, die eine sozialpsychiatrische Betreuung benötigen, hierauf sind die aktuellen Versorgungsstrukturen nicht ausreichend vorbereitet. Durch den Wandel der HIV-Infektion zu einer lebenslangen Infektion mit begleitenden Multiorganerkrankungen nimmt die Komplexität der medikamentösen, sozialen und psychiatrischen Betreuung der Infizierten zu. In Kombination mit den erwarteten steigenden Zahlen entsprechender Krankheitsbilder wie HIV-Demenz, Depression oder kognitiven Dysfunktionen resultiert ein steigender Bedarf an spezialisierten Psychotherapeuten und stationären wie ambulanten / tagesklinischen Behandlungseinrichtungen. Das Management der HIV-Infektion erfordert vom spezialisierten Behandler eine hohe Expertise was das Spektrum der Infektion anbelangt. Die Versorgung der Infizierten durch HIV-Behandler, Fach- und Hausärzte, Pflegedienste und weitere involvierte Berufsgruppen muss vorbehaltlos und ohne Ängste erfolgen.Eine vernetzte Versorgungsstruktur würde somit nicht nur eine qualitative Verbesserung der Behandlung und Begleitung der Patienten, sondern auch Kosteneinsparungen durch Nutzen von Synergien und neu geschaffenen Schnittstellen im Versorgungsnetzwerk ermöglichen.Als Zielgruppen einer integrierten oder vernetzten Versorgung kommen alle HIV-Patienten in Frage, da alle von der zunehmenden Komplexizität des Krankheitsbildes, altersbedingten Einschränkungen und Strukturschwächen in der medizinischen Regelversorgung betroffen sind. Durch bestehende sowie künftige Defizite ist im Vergleich zu Regionen mit optimierter Versorgung eine schlechtere Lebensqualität und schlechtere gesundheitliche und Lebens-Perspektive der Infizierten zu erwarten. Es ist damit zu rechnen, dass HIV-Infizierte in Mittelhessen dadurch eine geringere Lebenserwartung haben werden, als zum Beispiel Betroffene in besser strukturell ausgebauten Regionen wie z.B. dem Rhein-Main Gebiet. Erhalt und/oder Wiedergewinn an Lebensqualität nimmt daher mehr und mehr eine zentrale Rolle ein und stellt neben der Reduktion der Virusvermehrung eines der wichtigsten Therapieziele dar.

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