Hintergrund dieser Arbeit war die im Rahmen des Toxizitäts- und Spätfolgenmonitorings der Studie B-NHL BFM Rituximab beobachtete Hypogammaglobulinämie bei Patienten mit pädiatrischem B-Zell Non-Hodgkin Lymphom oder B-ALL nach B-NHL BFM 04-Chemotherapie in Kombination mit Rituximab.Ziel der Arbeit war vordringlich die Klärung der Frage, ob eine Einzeldosis Rituximab (375 mg/m²) einen anhaltenden Immunglobulin-Mangel bedingt bzw. die immunsuppressive Wirkung der B-NHL BFM Chemotherapie bei Kindern und Jugendlichen mit reifem B-Zell-Lymphom verstärkt. Im Weiteren sollte die klinische Bedeutung einer posttherapeutischen Hypogammaglobulinämie hinsichtlich Infektneigung und Substitutionsverhalten eruiert werden. Material-Methoden: Von 229 Patienten der B-NHL BFM 04 Studie sowie 113 Patienten der B-NHL BFM Rituximab-Studie mit reifem B-NHL/B-ALL und Diagnosedatum zwischen 2004 und 2007 wurden die im Rahmen des Toxizitäts- und Spätfolgenmonitorings der multizentrischen Therapiestudien B-NHL BFM 04 und B-NHL BFM Rituximab erhobenen Angaben zu prä- und posttherapeutischen Immunglobulin-Spiegeln im Serum (IgG, IgM, IgA), alters- und laborspezifischen Normwerten, klinischen Symptomen einer Immundefizienz und einer etwaig erfolgten Immunglobulin-Substitution erfasst, ausgewertet und vergleichend analysiert. Die Therapie der beiden Patientengruppen unterschied sich nur in der Einzeldosis Rituximab (375 mg/m2), die als Window 4 Tage vor Beginn der Chemotherapie gegeben wurde. Insgesamt konnten die Ig-Werte von 137 Patienten nach alleiniger Chemotherapie mit den Daten von 105 Patienten nach Rituximab- und Chemotherapie verglichen werden. Ergebnisse: Prätherapeutisch waren die Ig-Spiegel von 178 Patienten auswertbar. 1/3 dieser Patienten wies bereits bei Diagnosestellung eine Erniedrigung mindestens einer Immunglobulin-Klasse auf. Am häufigsten fand sich eine Erniedrigung von IgG. Der Anteil an Patienten mit prätherapeutisch erniedrigten Immunglobulinen korrelierte mit dem Stadium, der initialen LDH, dem Therapiezweig sowie tendenziell auch einem schlechteren Allgemeinzustand bei Diagnosestellung. Im Weiteren zeigten signifikant mehr B-ALL-/ Burkitt-Patienten eine prätherapeutische Hypogammaglobulinämie als DLBCL- oder PMLBL-Patienten, wobei die beiden Letztgenannten allerdings auch häufiger niedrigere Erkrankungsstadien aufwiesen. Posttherapeutisch (>12 Monate nach Therapiebeginn) waren für 157 Patienten (70 Chemotherapie-Patienten, 87 Rituximab+Chemotherapie-Patienten) Daten auswertbar. Es fand sich kein signifikanter Hinweis, dass Rituximab die suppressive Wirkung der B-NHL BFM 04-Chemotherapie auf das humorale Immunsystem verstärkt. Die Rate der Patienten mit HG nahm mit steigender Intensität der Chemotherapie zu.Des Weiteren waren die posttherapeutischen IgG- und IgA-Werte in beiden Therapiegruppen signifikant niedriger, wenn bereits prätherapeutisch erniedrigte Ig-Werte bestanden.Insgesamt ergab sich kein zwingender Hinweis, dass die Nebenwirkungen der B-NHL BFM Chemotherapie auf das humorale Immunsystem durch eine Einzeldosis Rituximab verstärkt werden. Als relevanten Faktor für den posttherapeutischen Ig-Status konnten wir neben der Therapieintensität sowie einem vorbestehendem Immundefekt erstmals auch den prätherapeutischen Ig-Status aufzeigen. In der Analyse der prätherapeutischen Ig-Werte zeigte sich eine Assoziation erniedrigter Ig-Werte zu höheren Erkrankungsstadien sowie einer hohen initialen LDH. Hieraus ergibt sich die interessante Frage, ob ein bereits vorbestehender klinisch nicht erkannter Immundefekt die Entstehung der Lymphomkrankheit begünstigte oder die fortschreitende Lymphomerkrankung die prätherapeutisch bestehende Hypogammaglobulinämie verursachte; eine wichtige Fragestellung für nachfolgende Studien.
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