Hintergrund: Die Detektionsrate Nicht-kleinzelliger Lungenkarzinome im Frühstadium
steigt auf Grund der fortschreitenden Entwicklung in der Diagnostik und wegen der
Implementierung von Screeningverfahren für Hochrisikopatienten in verschiedenen
Nationen. Der therapeutische Goldstandard ist aktuell die Lobektomie. Weniger invasive
Segmentektomien werden jedoch immer häufiger als Therapieverfahren eingesetzt. Es
gibt diverse Varianten der Segmentektomie, je nach Resektionsort und -ausmaß. Die
komparative Wertigkeit der einzelnen Verfahren in Bezug auf den Lungenfunktionserhalt
ist bisher unzureichend geklärt.
Methoden: Die vorliegende vergleichende Studie ist eine retrospektive monozentrische
Kohortenstudie. 184 Patienten entsprachen den Ein- und Ausschlusskriterien und wurden
nach Resektionstyp der Studiengruppe (sublobäre Resektion; n=87) oder der
Vergleichsgruppe (einfache Lobektomie; n=97) zugeordnet. Um den Resektionsort als
Einflussgröße zu untersuchen, wurde neben Studien- und Vergleichsgruppe zusätzlich
eine Subgruppenanalyse für gängige Segmentektomien und korrespondierenden
Lobektomien durchgeführt. Primärer Zielparameter der Studie war der
Lungenfunktionserhalt in Form von FEV1 und DLCO 30-Tage postoperativ. Diese
wurden durch Multiples Testen mit Hilfe einer SAS Proc Mixed Auswertung analysiert.
Zusätzlich wurde der klinische Verlauf anhand der Parameter Komplikationen,
Revisionsoperationen, Verweildauer der Thoraxdrainage und der stationären Liegedauer
erfasst.
Ergebnisse: In der vorliegenden Studie konnten für die FEV1 (p=0,731) und DLCO
(p=0,128) keine signifikant besseren Lungenfunktionswerte nach Segmentektomie im
Vergleich zur Lobektomie nachgewiesen werden. Jedoch konnten die Subgruppen S1-3
links (p=0,063) und S1+S2 rechts (p=0,085) zumindest einen Trend für bessere
postoperative FEV1-Werte nach Segmentektomie aufzeigen. Im Subgruppenvergleich
der Diffusionskapazität zeigte die Gruppe S1+S2 rechts (p=0,006) signifikant bessere
Ergebnisse als die korrespondierenden Lobektomien. Der klinische Verlauf zeigte für
mehrere Parameter einen günstigeren Verlauf nach Segmentektomie. Die Verweildauer
der Thoraxdrainage betrug im Median 5 Tage nach Segmentektomie und 7 Tage nach
Lobektomie (p=0,002). Des Weiteren zeigte sich eine kürzere stationäre Liegedauer im
Median von 7 Tagen nach Segmentektomien und 9 Tagen nach Lobektomien (p=0,002).
Fazit: Sublobäre Resektionen für Patienten im Stadium I bei NSCLC sind eine sichere
Alternative zum Goldstandard der Lobektomie. Insgesamt konnte kein signifikanter
Funktionsvorteil nach Segmentektomie dargestellt werden. Die Ergebnisse der
vorliegenden Studie legen jedoch einen potentiellen Vorteil spezifischer
Segmentektomien nahe. Der klinische Verlauf in dieser Studie ist nach Segmentektomien
generell günstiger. Es bedarf vertiefender Studien, um den Resektionsort als relevante
Einflussgröße in der chirurgischen Therapieentscheidung zu bestätigen.
Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen