Das Hauptinteresse dieser Arbeit galt der Untersuchung von Möglichkeiten, die Nutzung des Borretsch als Medizinalpflanze zu verbessern. Die im Borretsch enthaltene Gamma-Linolensäure (GLS) ist ein wichtiger pharmazeutischer Wirkstoff. Somit bildeten züchterische Maßnahmen zur Erhöhung des Anteils der GLS am Gesamtfettgehalt in Verbindung mit einer Senkung des Erucasäureanteils einen Tätigkeitsschwerpunkt dieser Arbeit. Die GLS-Gehalte konnten bis zur I6 auf ein Niveau von 27,9 % - 32,0 % verbessert werden, die ES - Gehalte erreichten Werte von 1,8 % - 2,2 %. Damit war das Zuchtziel erreicht.Durch Mutationsversuche sollten die Eigenschaften fester Kornansatz und Stängeltyp verbessert werden. Unter der EMS-Behandlung ausgelöste Mutationen, die einem Stängeltyp entsprachen, verschwanden - vermutlich durch Reparatureffekte - in der folgenden Generation wieder. Zudem konnte dieses Experiment durch Botrytisbefall nicht mehr weitergeführt werden. Die in diesem Versuch erzielten Mutationen als auch Muationsergebnisse, über die andere Autoren berichten, lassen es möglich erscheinen, dass das angestrebte Zuchtziel auf diesem Weg erreicht wird. Darüber hinaus zeigten weder der EMS-Feld- noch der Gammastrahlenversuch den gewünschten epigynen Blütenstand. Mit der Neutronenstrahlung von 10 kW bei 207 s konnte in der M1 ein relativ fester Kornansatz bei geöffneten Kelchblättern erzielt werden. Eine Mutation mit reifen Samen bei geschlossenen Kelchblättern wurde nicht festgestellt. Der feste Kornansatz konnte von der M1 zur M4 von 10,7 % auf 20,2 % verbessert werden. Eine weitere Steigerung und Stabilisierung der Werte wurde in diesem Zeitraum trotz Selektion der Pflanzen mit festem Kornansatz nicht erreicht. Dennoch lässt die positive Reaktion des Borretsch auf die Neutronenbestrahlung weitere Mutationsversuche als aussichtsreich erscheinen.Zur Intensivierung der Borretschzucht wurde untersucht, ob über die Zell- und Gewebekultur die Kultivierung leistungsfähiger Pflanzen möglich ist. Grundbedingung hierfür ist die weitgehende Dekontamination des Pflanzenmaterials. Die besten Resultate wurden mit der Kombination NaOCl cum Ethanol erzielt, wobei der Kontaminationsgrad nach der Behandlung 18 % bzw. 28 % betrug. Für die erfolgreiche Kultivierung birgt dieser relativ hohe Anteil ein Risiko. Auch die Ergebnisse der Desinfektionsversuche mit H2O2 sind nicht zufriedenstellend, da der Kontaminationsgrad mit 26,7 % verhältnismäßig hoch war.Verschiedene Phytohormone wurden in ihrer Wirkung auf das Wachstum von Zellkulturen und Pflanzen-Explantaten untersucht. Die Etablierung der Kalluskultur erfolgte aus Explantaten von Hypokotyl, Spross und Petiolen. Nach Applizierung des Auxins IES konnte ein verstärktes Zellwachstum gegenüber der Kontrolle beobachtet werden. Der negative Einfluss von Zytokininen wird erkennbar in einem deutlich geringeren Zellwachstum auf Medien mit BAP und Kinetin im Vergleich zur Kontrolle. Dieser negative Einfluss wurde durch eine Erhöhung des ab einer bestimmten Konzentration toxisch wirkenden Kinetin verstärkt. Bei Hypokotyl-Explantaten wurde sowohl über das Auxin Naphtylessigsäure (NES) 0,1 ppm als auch das Zytokinin 6-Benzylaminopurin (BAP) 0,1 ppm Sprossbildung induziert. Die aktive Phase zur Sprossinduzierung reicht bei Borretsch-Kallussen von der zweiten bis fünften Subkultur. Mit einer Kombination von NES 0,01 ppm + BAP 0,5 ppm konnten bei 24 Kallussen 27 Sprossdifferenzierungen induziert werden. In einem weiteren Versuch mit Indol-Buttersäure (IBS) 1 ppm konnte ebenfalls Sprossdifferenzierung erreicht werden. Mit einer hohen Konzentration von IES 5 ppm als auch mit NES 5 ppm wurde die Embryogenese induziert. Angesichts der erfolgreichen Induzierung der Organogenese und der Embryogenese kann die Zell- und Gewebekultur in den Dienst der Borretschzüchtung gestellt werden. Eine züchterische Bearbeitung leistungsfähiger Pflanzen unabhängig von natürlichen Vegetationsperioden ist somit möglich.Um Ansätze zu einer Optimierung der ackerbaulichen Nutzung zu geben, wurde im Rahmen dieser Arbeit ein Erntegerät zur Verbesserung des Ernteertrages konstruiert, mit dem das Ernteergebnis im Vergleich zur Schwadablage um 74 % verbessert wurde.Der Mähdrusch ist als Erntemethode für den Borretsch nicht zu empfehlen, da ein ausreichender Trocknungszustand trotz Sikkation nicht erreicht wird. Die für ein dreschfähiges trockenes Erntegut erforderliche lange Trocknungszeit führt zwangsläufig zu einem erheblichen bis totalen Ausfall der Samenkörner.Die im Pflanzenbau durchgeführten Untersuchungen hatten das Ziel, eine optimale Bestandesdichte zur Verbesserung des Kornertrags zu finden. Bei einer Reihenweite von 31,3 cm und einer Bestandesdichte von 20 Pflanzen/m2 konnte der höchste Ertrag von 1,7 dt/ha erzielt werden. Die zwischen den einzelnen Faktorstufen festgestellten Unterschiede waren jedoch statistisch nicht signifikant.
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