Wie zahlreiche Statistiken belegen, ist global in absoluten Zahlen ein Anwachsen von extremen Naturereignissen mit hohen Verlusten an Menschenleben und zunehmenden, materiellen Schäden zu verzeichnen. Insbesondere für die Bevölkerung von Entwicklungsländern wie Nepal ist aufgrund eines niedrigen Entwicklungsstandes und fehlenden Bewältigungsstrategien eine steigende Katastrophenanfälligkeit festzustellen. Im Nepal-Himalaya wird das Auftreten natürlicher Extremereignisse wie Hangrutschungen, Hochwasser und Murgänge aufgrund der seismischen Aktivität und der jungen Geologie des Gebirges, extremer klimatischer Bedingungen sowie der gewaltigen Reliefunterschiede geradezu begünstigt. Derartige Ereignisse, die durch ihre Einwirkung auf den Menschen und seinen Lebensraum zu einer Naturgefahr werden, stellen eine wachsende Bedrohung für die Bevölkerung Nepals dar. Immer häufiger werden Siedlungen von Naturereignissen bedroht, beschädigt oder gar zerstört, alljährlich sind hunderte Todesopfer und Sachschäden in Millionenhöhe zu beklagen. Angesichts eines anhaltend hohen Bevölkerungswachstums, einer erhöhten Mobilität der Bevölkerung und einer Verdichtung von Personen und materiellen Werten stellen sich immer dringlicher die Fragen nach wirksamen Maßnahmen zum Schutz der Siedlungen vor Naturgefahren sowie nach Ausweitungsmöglichkeiten in nicht gefährdete Bereiche. Extreme Naturereignisse stellen aber nicht nur eine Gefährdung für den Menschen und seinen Lebensraum, sondern auch ein beträchtliches Handicap für die zukünftige kulturräumliche und strukturelle Entwicklung Nepals dar.
Bisher erschienene Arbeiten zu Naturgefahren und Naturrisiken im Nepal-Himalaya befassen sich überwiegend mit Einzelprozessen an Infrastrukturanlagen und sind in einem rein naturwissenschaftlich-technischen Kontext zu sehen. Im Gegensatz dazu lag der Fokus der vorliegenden Arbeit auf den in der geographischen Naturgefahrenforschung bislang stiefmütterlich behandelten ländlichen Siedlungen des Nepal-Himalayas sowie auf häufig auftretenden, klein- und mittelmaßstäbigen natürlichen Extremereignissen. Die Bearbeitung erfolgte aus einer integrativen Perspektive, wobei in Abkehr von der traditionell rein naturwissenschaftlichen Grundperspektive der geographischen Naturgefahrenforschung der anthropogeographisch-sozialwissenschaftlichen Perspektive eine besondere Bedeutung beigemessen wurde. Ziel der Arbeit war es, im Rahmen einer empirischen Studie entlang des natur- wie kulturgeographisch stark differenzierten Höhenprofils Nepals in ausgewählten ländlichen Siedlungen des Hohen Himalayas, des Nepalesischen Mittellandes und des Terais Typen von Naturgefahren und Naturrisiken unter Anwendung eines systematischen Risikokonzepts zu identifizieren, zu klassifizieren und zu dokumentieren. Daneben erfolgte eine Ursachenanalyse der Schadensereignisse, eine Bilanzierung der entstandenen Schäden sowie eine Beschreibung und kritische Beurteilung der Wirksamkeit getroffener Schutzmaßnahmen. Ausgehend von den Untersuchungsergebnissen wurden wirksame Möglichkeiten zum Schutz der Siedlungen diskutiert und potenziell nicht gefährdete Bereiche identifiziert. Die Ergebnisse dieser Arbeit sollen vorrangig dazu dienen, die dringlichen Fragen nach geeigneten und nachhaltigen Schutzmaßnahmen sowie nach Ausweitungsmöglichkeiten für die untersuchten Siedlungen zu beantworten.
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