In dieser retrospektiven Studie wurden 51 Patienten mit isolierter, operativ versorgter Orbitabodenfraktur augenärztlich und mund-, kiefer- und gesichtschirurgisch nachuntersucht. Die Leitfragen dieser Arbeit waren: a) Kann durch eine operative Revision des Orbitabodens die Funktionsbeeinträchtigung des Auges deutlich verringert werden? b) Besteht ein Zusammenhang zwischen der Größe des knöchernen Defekts im Orbitaboden und der maximalen vertikalen Exkursionsstrecke des Bulbus und könnte man so auf ein zu erwartendes postoperatives Ergebnis schließen? c) Ist die angewandte OP-Methode geeignet, die Fraktur zu versorgen? Die Patienten wurden sowohl präoperativ als auch postoperativ (N1, im Median 5 Tage nach der Operation) untersucht. Eine zweite postoperative Untersuchung (N2) erfolgte im Median 3,5 Jahre postoperativ. Die Anzahl der Patienten mit Einschränkungen der monokularen Exkursionfähigkeit reduzierte sich von präoperativ 64,7 % auf postoperativ 35,5 %. Bei 27,5 % der untersuchten Patienten waren präoperativ keine Doppelbilder feststellbar. 72,5 % der Patienten gaben an, Doppelbilder zu sehen 60,8 % innerhalb des Hauptblickbereichs. Postoperativ (N2) hatten 80,7 % keine Doppelbilder mehr. Nur noch ein Patient (3,2 %) gab an, im Hauptblickbereich Doppelbilder zu sehen. Außerhalb des Hauptblickbereichs gaben postoperativ (N2) noch 4 Patienten (12,9 %) an, Doppelbilder zu sehen. Präoperativ wiesen 58,8 % der Patienten einen Enophthalmus oder einen Exophthalmus auf, 13,7 % mit mehr als 2 mm Differenz. In der Langzeit-Nachuntersuchung (N2) hatte kein Patient eine signifikante Seitendifferenz von mehr als 2 mm. Unter Sensibilitätsstörungen litten präoperativ 62,7 % der Patienten. Dies reduzierte sich postoperativ (N2) auf 25,8 %. Die Defektgrößen der ausgewerteten isolierten Orbitabodenfrakturen lagen zwischen 4 × 5 mm und 30 × 20 mm. Die Auswertung der Untersuchungsergebnisse hat ergeben, dass zwischen der Defektgröße im Orbitaboden und der monokularen vertikalen Exkursionsstrecke kein Zusammenhang hergestellt werden kann. Es ließ sich nachweisen, dass eine operative Revision bei Patienten sinnvoll ist, die über Einschränkungen der Augenbeweglichkeit und damit einhergehende Doppelbilder klagten. Bei diesen Patienten verbesserte sich der Augenbefund in weiten Teilen deutlich. Die Frage, wie viele und welche dieser Patienten ohne eine Orbitabodenrevision durch Spontanremission eine Verbesserung erfahren hätten, lässt sich weder durch die vorliegende, noch durch andere verglichene Studien wissenschaftlich beantworten. Orbitabodenfrakturen werden meistens nach Sicherung des Frakturverdachts unmittelbar versorgt. Die Einbeziehung von ophthalmologischen und orthoptischen Parametern und der Frage, ob der Patient vor der Operation störende Einschränkungen der Sehfähigkeit hatte, scheint bisher eine untergeordnete Rolle zu spielen. Somit ist es wünschenswert, eine Vergleichsstudie durchzuführen, die mit hinreichender Verlässlichkeit beantworten kann, wann eine chirurgische Revision der isolierten Orbitabodenfraktur abgewartet werden kann. Diese Arbeit untersuchte nur operierte Patienten; die in dieser Studie aufgezeigten Einzelfälle lassen vermuten, dass bei Patienten ohne klinische Einschränkungen der Sehfähigkeit ein sofortiges operatives Vorgehen nicht immer sinnvoll ist.
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