Zuchthäsinnen und wachsende Kaninchen werden in vielen Ländern noch in Käfigen mit Metallgitterrosten gehalten. Diese Haltungsform ist in den letzten Jahren zunehmend kritisch diskutiert worden. Probleme, wie die Einschränkung der Bewegungsfreiheit oder die reizarme Umwelt, werden immer mehr in den Fokus gerückt. Um diesen Entwicklungen entgegenzuwirken, resultiert aus der Tierschutznutztierhaltungs-Verordnung (TierSchNutztV), Kaninchen zukünftig in alternativen Haltungssystemen zu halten. Vor diesem Hintergrund bestand die Zielstellung der Arbeit darin, zwei alternative Haltungsverfahren zu entwickeln und wissenschaftlich zu untersuchen. Zum einen wurde ein experimentelles Gruppenhaltungssystem für Häsinnen mit Jungen errichtet und im Hinblick auf Verhalten, Gesundheit und Leistung geprüft. Zum anderen war ein neuartiges Kombi-System Bestandteil der Untersuchungen, in dem Häsinnen mit Jungen bis zum Absetzen in Einzelkompartimenten gehalten wurden. Anschließend wurden die Häsinnen ausgestallt und die Zwischenwände entfernt, sodass die Absetzkaninchen bis Mastende in größeren Gruppen (4 bzw. 8 Würfe) gehalten wurden. Die Masttiere wurden anhand verschiedener ausgewählter Gesundheits- und Leistungsparameter (Verluste, Verletzungen, Gewichtsentwicklung von Geburt bis Schlachtung) untersucht.Im Gruppenhaltungssystem wurden nach den Vorschriften der aktuellen TierSchNutztV pro Häsin eine Einzelbox und zusätzlich eine Gruppenfläche zur Verfügung gestellt. Die Einzelboxen waren vom Gruppenareal aus über einen elektronischen Zugang (durch Mikrochip gesteuerte Katzenklappe) erreichbar. Damit konnte ein klassischer Wahlversuch durchgeführt werden, da den Häsinnen dadurch die Wahl gelassen wurde, ob sie sich in der Einzelbox oder der Gruppenfläche aufhalten wollen. Getestet werden sollte die Motivation, ob die Häsinnen aus dem Bedürfnis nach Sozialkontakt die Gruppenfläche nutzen und wenn ja wie lange. Eine solche Gruppenhaltung ist aber auch durch eine große Zahl an Problemen (insbesondere hohe Jungtierverluste, aggressives Verhalten der Häsinnen, schwierige Tierkontrolle) charakterisiert, welche sich z.T. auch in den Ergebnissen der Arbeit widerspiegelten.Das Kombi-System schnitt dahingehend positiv ab, dass die Jungtiermortalität bis zum Absetzen und auch in der Mastperiode weitgehend unter 10 % blieb. Die verwendeten Bodenstrukturen verursachten kaum Verletzungen an den Gliedmaßen der Tiere. Pododermatitis konnte nicht beobachtet werden. Die Vorteile hinsichtlich der Hygiene und des Verhaltens wurden dadurch deutlich, dass ein Verfahren mit zwischengeschalteter Reinigung und Desinfektion realisiert werden konnte und so die Unterbrechung von Infektionsketten genutzt werden kann. In der Praxis kann dieses System nach einem Zyklogramm planbar gestaltet werden.Eine dauerhaft gemeinsame Haltung von Häsinnen mit Jungen kann auch nach den vorliegenden Ergebnissen nicht empfohlen werden. Trotz des Angebots eines individuellen Rückzugsbereiches für jede Häsin konnte das Problem der hohen Jungtiermortalität nicht verhindert werden. Das Haltungssystem bietet allerdings eine Möglichkeit, reproduzierende Häsinnen in Gruppe zu halten, ohne dass dramatische Schäden entstehen. Dabei ist ein elektronisch geregelter Nestzugang jedoch die Voraussetzung. Weitere Untersuchungen zur Optimierung sind notwendig.
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