Diese Studie beschäftigte sich mit der Frage, ob durch den direkten Thrombininhibitor Lepirudin der Verlauf der bleomycininduzierten Lungenfibrose günstig beeinflusst werden kann, ob dadurch die gestörte Gerinnungsregulation im Alveolarraum korrigiert werden kann und ob diese Therapieoption verträglich und praktikabel ist. Darüber hinaus sollte untersucht werden, ob es ein therapeutisches Zeitfenster gibt, in der die Lepirudingabe besonders wirksam ist.Zur Beantwortung dieser Fragen wurden Mäuse mit Bleomycin behandelt und zu einem frühen (d1-d11) oder einem späten Zeitpunkt (d11-d19) nach Lungenschädigung mit Lepirudin bzw. NaCl behandelt. An Tag 21 wurden Verlaufs- (Überleben, Gewicht) und Fibroseparameter (Compliance, Differenzialzellbild, lösliches Kollagen in BAL, Hydroxyprolingehalt der Lunge und histologische Morphometrie) bestimmt und die gewonnenen Daten wurden einander gegenübergestellt.Die Therapie wurde von den Mäusen gut vertragen und es zeigten sich im Verlauf keine unerwünschten Wirkungen.Im Vergleich zu mit NaCl-behandelten Kontrolltieren zeigten die mit Lepirudin behandelten Tiere keine Anzeichen für eine abgeschwächte Fibroseentwicklung. Einzig beim Gehalt an löslichem Kollagen in der Versuchsgruppe Frühtherapie (Tag 1-11) konnten signifikante Unterschiede zwischen den behandelten Gruppen nachgewiesen werden. Alle anderen Parameter zeigten keinen signifikanten Unterschied.Gründe für das Ausbleiben positiver Effekte liegen einerseits vermutlich an einem zu lang gewählten Applikationsintervall und damit verbunden am Fehlen eines kontinuierlich hohen Wirkspiegels, sowie andererseits an dem Umstand, dass durch eine selektive Thrombinhemmung nicht alle für die Fibroseentwicklung relevanten Pathomechanismen beeinflusst werden. Darüberhinaus können speziesspezifische Besonderheiten für den unzureichenden therapeutischen Effekt mitverantwortlich sein.Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die intraalveoläre Inhibition von Thrombin durch den direkten Thrombininhibitor Lepirudin bei den durchgeführten Versuchen keinen eindeutig nachweisbaren positiven Effekt auf die bleomycininduzierte Lungenfibrose besitzt, was sich am ehesten darauf zurückführen lässt, dass, abseits von den über Thrombin ausgelösten Effekten, noch weitere Signalwege und Kaskaden existieren, die bereits vor dem Schritt der Thrombingeneration, also stromaufwärts gelegen, beginnen und somit unabhängig davon und im überwiegenden Ausmaß zur Progression der Lungenfibrose beitragen.
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