Weltweit sind etwa 350 Millionen Menschen chronisch mit dem Hepatitis B Virus (HBV) infiziert. Neben Interferon alpha stehen zur Behandlung nur Reverse Transkriptase (RT) Inhibitoren als zugelassene Arzneimittel zur Verfügung. Aufgrund der hohen Variabilität des Virus, sowie der notwendigen lebenslangen Behandlung mit RT-Inhibitoren, stellt die Entwicklung resistenter HBV-Varianten ein großes Problem dar. Bisher gab es keine effizienten und einheitlichen In-vitro-Testsysteme, um den Phänotyp von resistenten Viren bestimmen zu können. Das Verständnis der Zusammenhänge zwischen Genotyp und Phänotyp des HBV ist wichtig, um die Behandlung der Patienten auf Grundlage von Sequenzinformationen optimieren zu können.In dieser Arbeit wurde ein In-vitro-Resistenztestsystem entwickelt. Auf Grundlage eines Vektors, der ein replikationsfähiges HBV-Überlängenkonstrukt enthält, sowie einer speziellen Real-Time-PCR, konnte ein Verfahren etabliert werden, das die schnelle und genaue Charakterisierung der Resistenzprofile von Patientenisolaten ermöglicht.Mit diesem Verfahren wurden 44 Patientenisolate phänotypisch charakterisiert. Anhand der Daten konnte nachgewiesen werden, dass die bisherigen Erkenntnisse zur Resistenzentwicklung nicht ausreichen, um die Diversität der Phänotypen vollständig zu erklären. Wichtigster Befund ist, dass die Resistenzen einiger der getesteten Viren nicht allein auf die bisher ausschließlich beachteten Mutationen in den katalytischen Subdomänen der RT-Domäne zurückzuführen sind, sondern wahrscheinlich auch Mutationen außerhalb dieses Bereichs einen entscheidenden Einfluss auf die Resistenzentwicklung ausüben können. Das entwickelte System konnte in leicht abgewandelter Form ebenfalls dazu verwendet werden, die früher postulierte Adefovir-Resistenzmutation rtI233V genauer zu charakterisieren, sowie neu entwickelte Inhibitoren auf ihre In-vitro-Wirksamkeit, sowie Kreuzresistenz zu testen.Neben dem Resistenztest wurde eine Methode zur schnellen und effizienten Herstellung stabiler HBV-produzierender Linien auf Grundlage eines episomalen Vektorsystems entwickelt und eine den bisher publizierten Methoden überlegene Klonierung zur Generierung von 1.1fachen Überlängenkonstrukten aus Virionen von Patientenseren ohne Vektorkassette.
Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen