Zunächst werden mögliche evolutionäre Mechanismen wie etwa Mutualismus, Reziprozität usw. für die Entstehung und Aufrechterhaltung von Kooperation in der Biologie anhand von Beispielen diskutiert. Es folgt eine Klärung der zentralen verwendeten biologischen Begriffe und des theoretischen Analyserahmens. Dann wird die Analyse auf soziale Dilemmasituationen, d.h. Kooperation bei Menschen verengt.Die Arbeit untersucht drei Fragestellungen zur menschlichen Kooperation:1. Es ist bekannt, dass es individuell verschiedene Kooperationsstrategien (Spielertypen) gibt. Lassen sie sich auch außerhalb des Laborkontextes bestätigen?2. Wie gehen Kooperierende (Altruisten) mit Trittbrettfahrern um? Erweisen sich beispielsweise Sanktionen als effizient?3. Wie schneiden Strategien auf dem Kontinuum von egoistisch bis hoch kooperativ im evolutionären Vergleich ab?Im anschließenden Methodenteil werden die Daten, die Arbeitsschritte bei der Datentransformation und die verwendeten statistischen Methoden dargestellt.Die Arbeit kombiniert zwei verschiedene Datensätze: Zum einen Daten aus fünf im peer-review-Verfahren publizierten Studien aus der experimentellen Ökonomik zu public goods games (PGG). Zum anderen einen Datensatz aus einem Online-Browser-Spiel, in dem völlig analog zu Standard-Gemeingutproblemen, drei public goods games eingebaut sind. Mehrere Besonderheiten zeichnen diese Daten aus: Erstens gibt es kein PGG, das jemals mit mehr als einigen hundert Teilnehmern gespielt wurde hier sind es über 18 000. Zweitens umfassen die Daten fünf Länder solche länderübergreifende Vergleiche sind selten. Drittens ist die Spieldauer in PGG meist auf zehn Runden bzw. einige Stunden realer Zeit beschränkt bei Ikariam liegen dagegen Daten für zehn Monate und tausende von Runden vor. Viertens liegt der Kontext und die Motivation der Spieler näher an der Realität als bei Laborexperimenten.Die erste Studie findet in einer länderübergreifenden, großen Stichprobe von über 18 000 Spielern stabile Anteile von Spielertypen über die Zeit: der Altruistenanteil (>
50% Einzahlung der eigenen Ressourcen in das Gemeingut) liegt bei etwa 5 %; der Anteil der Trittbrettfahrer (keine Einzahlungen) bei etwa 25 % und der Anteil konditional Kooperierender (Einzahlung je nach Einzahlung der anderen) bei etwa 70 %.In der zweiten Studie wird das Strafverhalten für Nicht-Kooperation nach Spielertyp differenziert. Strafen erweisen sich dabei überraschenderweise im Gegensatz zur üblichen Forschermeinung als effizient. Es zeigt sich auch, dass Strafverhalten und Kooperationsniveau weitgehend unabhängig sind. Anfangs werden in kooperierenden Gruppen demnach die später geltenden Normen etabliert. Kooperative Individuen können sich in einem Umfeld, in dem die Institution Bestrafung vorhanden ist, durch ihre hohe Einzahlungen in das öffentliche Gut einen Vorteil erarbeiten, da Trittbrettfahrerverhalten abgewehrt werden kann.Die dritte Studie zeigt, dass Kooperationsstrategien durchaus erfolgreicher als Trittbrettfahrer sein können, wenn eine gewisse räumliche Trennung gegeben ist, da sie zum eigenen langfristigen Vorteil effiziente öffentliche Güter erzeugen. Dagegen konnten einige Hypothesen, etwa eine längere Interaktionsdauer mit Kooperierenden im Gegensatz zu Trittbrettfahrern, nicht bestätigt werden.Es wird der erfolgreiche Nachweis geführt, dass Investitionen in ein Gemeingut auch egoistische Gründe haben können.Die neuen Erkenntnisse der Arbeit sind demnach:1. Die in der ökonomischen Experimentalliteratur beschriebenen Spielertypen konnten auch außerhalb des Laborkontextes in einem Online-Spiel bestätigt werden.2. Diese Arbeit bietet für zwei bislang ungeklärte Effekte aus der Experimentalliteratur den endgame- und den partner/stranger-Effekt eine evolutionäre Erklärung über fortgesetzte Interaktionen in der in-group an.3. Diese Arbeit konnte gegen die vorherrschende Forschungsmeinung zeigen, dass Sanktionen nicht die Wohlfahrt schmälern, sondern im Gegenteil vergrößern.4. Diese Arbeit findet effiziente Sanktionen v. a. bei konstant zusammengesetzten, homogenen Gruppen mit längerfristigen Interaktionen.5. Diese Arbeit erklärt über die evolutionäre Funktionslogik den hohen Anteil konditional kooperierender Strategien als Reaktion auf Trittbrettfahrer.6. Diese Arbeit macht plausibel, dass Investitionen in ein Gemeingut nicht notwendigerweise altruistisch motiviert sein müssen, sondern auch aus egoistischen Motiven entstehen können. Kooperation wird damit über Reziprozität und Partnerwahlmechanismen (partner choice) erklärt.Die Arbeit schließt mit der allgemeinen Folgerung, dass selbst sehr robuste Ergebnisse aus Laborexperimenten, beispielsweise die schlechte Effizienz von Strafen, sich nach kleinen Modifikationen als nicht haltbar erweisen können, wie es etwa die Erweiterung von 10 auf 50 Runden in PGG zeigt. Evolutionäre Interpretationen erweisen sich für einige rätselhafte Effekte als überaus fruchtbar.
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