Etablierung einer Gewebeentnahmetechnik am bovinen Euter

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Ziel dieser Arbeit war es ein schonendes Gewebeentnahmeverfahren am bovinen Euter in vivo zur histologischen Untersuchung zu etablieren.Um eine Einschätzung über das Vorkommen und den Verlauf von Blutgefäßen zu erhalten, wurden die Euter von 16 eutergesunden laktierenden Kühen der Rasse Fleckvieh ultrasonographisch untersucht. Auf dieser Grundlage wurden die Lokalisationen für die Bioptatentnahme gewählt. Zuerst wurden 10 Schlachthoforgane an je 10 Lokalisationen bioptiert. Im nächsten Schritt wurde bei 16 Kühen pro Viertel je ein Euterbioptat entnommen.Bei der sich anschließenden histologischen Untersuchung des Eutergewebes wurden die Auswertbarkeit der Schnitte und verschiedene histologische Parameter erfasst. Von den Gewebeproben aller lebenden Kühe wurde zusätzlich ein Teil der Biopsie einer bakteriologischen Untersuchung unterzogen. Diese Ergebnisse wurden mit den histologischen Befunden und den Resultaten einer bakteriologischen Untersuchung einer Milchprobe aus dem entsprechenden Viertel verglichen.Folgende relevante Ergebnisse wurden erzielt:Ultrasonographie: Subkutane Gefäße und die Venae mammariae craniales sollten bei der Bioptatentnahme umgangen werden. Bis in die untersuchte Tiefe von 5,7 cm sind die übrigen Gefäße klein und der Verlauf variiert individuell.Bioptatentnahme: Kühe tolerieren den Eingriff sehr gut Nach der Probenentnahme konnte bei 56 (87 %) Fällen Milch-, Blutfluss oder beides durch die im Euter verweilende Einführnadel beobachtet werden. Bei Entfernung der Einführnadel kam bei 17 (26 %) der bioptierten Viertel Milch- oder Blutfluss durch die Haut vor, bei vier (6 %) entstand ein subkutanes Hämatom und bei 47 (73 %) Vierteln konnten keine Komplikationen festgestellt werden. Euterbefunde nach der Bioptatentnahme: Keine der Einstichstellen entzündete sich. Ein (3 %) Viertel wurde derb und warm. Der CMT erhöhte sich in vier (13 %) Fällen um zwei oder mehr Kategorien. Das Ende der Hämogalaktie nach der Bioptatentnahme lag zwischen und 13 Tagen, im Durchschnitt waren es sechs Tage. Subkutane Hämatome waren nach einer Woche vollständig resorbiert.Mikrobiologische Befunde der Milch: Die am häufigsten nachgewiesenen Bakterienspezies waren Corynebakterium Spezies (24 %) und koagulasenegative Staphylokokken (20 %). Alle übrigen Keimarten wurden mit einer Häufigkeit unter 10 % nachgewiesen.Mikrobiologische Befunde des Gewebes: Am zahlreichsten wurden die Bakterienspezies koagulasenegative Staphylokokken (32 %), aerobe Bazillen (18 %), Escherichia coli (13 %) und Enterokokken (11 %) nachgewiesen. Die anderen Keimarten waren mit einer Häufigkeit unter 10 % vertreten. Mit Yersinia enterocolitica (zwei Fälle) und Staphylococcus warneri (ein Fall) konnten zwei für die Milchdrüse untypische Keimarten nachgewiesen werden.Histologische Befunde des Gewebes: Jede entnommene Probe konnte histologisch ausgewertet werden. Die Proben weisen mit 87 % auswertbarer Fläche einen guten Zustand auf. Im Gewebe konnten Entzündungsparameter wie Polymorphe Neutrophile Granulozyten, Lymphozyten, Makrophagen, Plasmazellen, Fibroblasten und Gefäßproliferationen gefunden werden.Zusammenhang zwischen bakteriologischer Untersuchung von Milch und Gewebe: Für Arcanobacterium pyogenes konnte eine statistisch signifikante positive Korrelation zwischen dem Vorkommen in Milch- und Gewebeprobe festgestellt werden (rs = 0,68; p < 0,0001). Die gleiche statistisch signifikante positive Korrelation konnte für den Vergleich des Vorhandenseins von Staphylococcus aureus in der mikrobiologischen Untersuchung von Milch- und Gewebeproben nachgewiesen werden (rs = 0,70; p < 0,0001). Beim Vergleich des qualitativen Vorkommens konnte für Arcanobacterium pyogenes und Staphylococcus aureus ein signifikant häufigeres gemeinsames Auftreten im Vergleich zu den anderen Bakterien in Milch- und Gewebeproben nachgewiesen werden (p = 0,045).Zusammenhang zwischen positiver bakteriologischer Untersuchung von Milch oder Gewebe und Vorkommen eines Entzündungsparameters in der Histologie: Eine positive bakteriologische Untersuchung der Milch trat signifikant häufiger gemeinsam mit Plasmazellen in der Histologie auf (p = 0,0015). Gefäßproliferationen kamen signifikant häufiger gleichzeitig mit einem positiven Ergebnis der bakteriologischen Milchuntersuchung vor (p = 0,014).Zusammenhang zwischen Vorhandensein eines pathogenen Keims in Milch oder Gewebe und Vorkommen eines Entzündungsparameters in der Histologie: Es konnte ein signifikant häufigeres gemeinsames Auftreten von Bindegewebsproliferation und pathogenen Bakterien im Gewebe nachgewiesen werden (p = 0,046). Polymorphe Neutrophile Granulozyten in der Histologie wurden signifikant häufiger gemeinsam mit pathogenen Bakterien in der Milch festgestellt (p = 0,030). Für das Vorkommen von Staphlococcus aureus in der Milch und Polymorphe Neutrophile Granulozyten in der Histologie konnte ein signifikant häufigeres gemeinsames Auftreten nachgewiesen werden (p = 0,046).Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die Bioptatentnahme am bovinen Euter ohne größere Komplikationen eingesetzt werden kann. Die Ergebnisse der statistischen Tests zeigen, dass ein diagnostisches Verfahren alleine keine eindeutige Aussage über den wirklichen Gesundheitszustand der Milchdrüse gibt. So kann bei Unklarheiten die Biopsie als Ergänzung der klinischen Untersuchungsmethode eingesetzt werden. Auch für wissenschaftliche Untersuchungen, die sich mit der Pathogenese der Mastitis in vivo beschäftigen, kann diese Methode neue Wege eröffnen.

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Giessen : VVB Laufersweiler

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