Philipp Friedrich Wilhelm Vogt (1789-1861) : Professor der Medizin in Gießen und Bern

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Philipp Friedrich Wilhelm Vogt wurde am 8. Februar 1789 in Hausen bei Gießen als jüngster Sohn des dortigen Pfarrers Philipp Henrich Balthasar Vogt geboren. Durch den Besuch des akademischen Pädagogiums in Gießen und den damit verbundenen Kontakt mit dem Lehrer Friedrich Gottlieb Welcker dürfte Vogt im Hinblick auf seine spätere freisinnige politische Einstellung bereits vorgeprägt worden sein.Nach dem anschließenden Medizinstudium in Gießen und Würzburg sowie der Promotion im Alter von 23 Jahren in Gießen war er zunächst als Prosektor an der dortigen Universität tätig und wurde bereits 1814 zum außerordentlichen Professor, 1817 schließlich zum Ordinarius ernannt. Seine thematisch vielseitigen Lehrveranstaltungen umfassten u. a. die Fächer Pharmakodynamik, Rezeptierkunst, Pharmazie, Therapie, Toxikologie und Chirurgie. 1829/30 bekleidete Vogt das Amt des Rektors der Universität. Während der Gießener Zeit veröffentlichte er zudem Lehrbücher der Pharmakodynamik und der Rezeptierkunst.Im Rahmen der universitären Tätigkeit legte Vogt besonderes Gewicht auf den praktisch-klinischen Unterricht, in dem er seine Studenten zu selbständigem medizinischem Denken und Handeln anregte. Ebenso betonte er gegenüber den angehenden Ärzten die Wichtigkeit der menschlichen Wertschätzung der Patienten.Vogts republikanisch-demokratische politische Einstellung, die weiterhin gefördert wurde durch den Umgang mit seinen Schwägern Follen(ius), von denen Karl Follen u. a. Anführer der "Gießener Schwarzen" war, zeigte sich mit dem vormärzlichen monarchisch-repressiven System Hessen-Darmstadts immer weniger vereinbar. Aufgrund dessen folgte er im Jahr 1835 einem Ruf an die neugegründete Universität Bern. In der Schweiz wurde sein politischer Rat insbesondere von Vertretern der radikalen Partei geschätzt. Hochschulpolitisch focht Vogt an seiner neuen Wirkungsstätte stets für den Erhalt der neu gewonnenen Lehr- und Lernfreiheit. Darüber hinaus hob er die Wichtigkeit von Meinungs- und Pressefreiheit als Voraussetzung für eine freie Entfaltung der Wissenschaft hervor. Als Ordinarius vertrat er in Bern die Fächer Spezielle Pathologie und Therapie sowie Medizinische Klinik. Zudem wirkte er im Inselspital als Leiter der Medizinischen Klinik. Vogt bekleidete sowohl das Amt des Rektors der Universität als auch des Dekans der Medizinischen Fakultät.In die Berner Zeit fiel die Veröffentlichung seiner Werke über die Gehirn- und Rückenmarkserweichung sowie über die Ruhr, in denen Vogt in erster Linie einen Überblick über den damaligen Wissensstand unter Berücksichtigung seiner eigenen langjährigen klinisch-praktischen Erfahrungen darlegte, ohne hierbei jedoch bahnbrechend Neues zu publizieren. In seinem Spätwerk über den Kurort Hof Ragaz verarbeitete Vogt persönlich vor Ort gemachte Erfahrungen.Für die nähere Untersuchung von Vogts medizintheoretischen Ansichten war es methodisch erforderlich, das zu Beginn des 19. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum herrschende Umfeld mit der dominierenden romantischen Naturphilosophie zu berücksichtigen. Vogt war zwar kein Neuerer , doch befand er sich stets auf der Höhe der Zeit. Klangen in seinem Erstlingswerk über Pharmakodynamik folgerichtig noch naturphilosophische Aspekte an, die ihn nicht als unmittelbaren Vorläufer der modernen experimentellen Pharmakologie erscheinen lassen, waren diese Tendenzen aus dem zweiten Lehrbuch über Rezeptierkunst bereits weitgehend eliminiert. In der Zeit des epochalen Systemwandels hin zur naturwissenschaftlich geprägten Medizin vertrat Vogt den Standpunkt eines rationalen Empirismus. Er betonte vor allem die Bedeutung nüchterner Beobachtung sowie Erfahrung und plädierte für Skeptizismus gegenüber theoretischen Spekulationen. Vogt begleitete die Periode des Umbruchs von der traditionellen Materia medica zur exakten, naturwissenschaftlich orientierten Pharmakologie der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit zum Teil noch heute modern anmutenden Thesen. Hingegen konnte eine eigene experimentell-pharmakologische Tätigkeit bei ihm nicht nachgewiesen werden.Die Zusammenschau der überlieferten zeitgenössischen Berichte und Urteile über Vogt in beruflicher wie in privater Hinsicht verdeutlicht eindrucksvoll, wie sehr Vogt als Arzt, Lehrer und als Mensch seinerzeit geschätzt und geachtet wurde. Das Fundament der fachlichen Wertschätzung bildeten seine hervorragenden klinisch-praktischen Fertigkeiten sowie die einem breiten medizinischen Publikum bekannten fachliterarischen Werke, welche zu der anerkennenden Bezeichnung geistreicher Vogt geführt hatten. Die persönliche Wertschätzung beruhte u. a. auf Eigenschaften wie ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn, Zuverlässigkeit, Besonnenheit, Wohlwollen, heiterer Gemütlichkeit und Gastfreundlichkeit, aber auch Scharfsinn, gepaart mit Strenge.Philipp Friedrich Wilhelm Vogt starb am 1. Februar 1861 in Bern wenige Tage vor seinem 72. Geburtstag.

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Erstpublikation in

Giessen : VVB Laufersweiler 2008

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